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Siemens plant Stellenabbau in Görlitz

Siemens Energy will weiter sparen. Auch in Görlitz. Wie viele Stellen gefährdet sind, ist unklar. Deutschlandweit kündigt der Konzern den Wegfall Tausender Jobs an.

Im Juli 2019 besuchte auch Kanzlerin Angela Merkel das Görlitzer Siemens-Werk, um sich über dessen Zukunft zu informieren.
Im Juli 2019 besuchte auch Kanzlerin Angela Merkel das Görlitzer Siemens-Werk, um sich über dessen Zukunft zu informieren. © nikolaischmidt.de

Sechs Monate nach der Bildung der Siemens Energy AG, zu der auch das Görlitzer Turbinenwerk gehört, gibt es neue Unsicherheit.

So teilte das Unternehmen am Dienstag mit, dass die Kosten weltweit um 300 Millionen Euro zusätzlich gesenkt werden sollen. Bereits 2018 hatte Siemens für seine damalige Kraftwerkssparte Einsparungen von weltweit 500 Millionen Euro sowie den Abbau von rund 2.900 Stellen in Deutschland angekündigt.

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Nun sollen weitere rund 7.800 der weltweit rund 90.000 Arbeitsplätze bis spätestens 2025 wegfallen. In Deutschland kündigt der Konzern die Streichung von weiteren 3.000 Stellen an, vor allem im Management, in der Verwaltung und im Vertrieb sowie bei externen Dienstleistern. Neben dem Standort Görlitz gehört auch das Transformatorenwerk in Dresden mit 300 Beschäftigten zu Siemens Energy. Auf Nachfrage zu einem möglichen Stellenabbau in Dresden verwies ein Sprecher nur darauf, dass die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite laufen würden. Insgesamt seien vor allem Standorte vom Stellenabbau betroffen, deren Geschäft stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind. Transmission brauche man dagegen bei erneuerbaren Energien wie bei fossilen, hieß es bezüglich Dresden.

Mit den Einsparungen reagiert Siemens Energy auf Marktveränderungen: Große Gas- und Kohlekraftwerke werden kaum noch gebaut, die dafür nötigen Turbinen von Siemens wenig nachgefragt. Darauf will es jetzt seine Strukturen ausrichten.

"Wir müssen profitabler werden und dann unser Portfolio aktiv auf die Wachstumsfelder ausrichten", erklärt Tim Holt, Arbeitsdirektor bei Siemens Energy. Vorstandschef Christian Bruch räumt ein: "Wir sind uns bewusst, dass unsere Pläne Teilen der Belegschaft viel abverlangen. Daher ist es unser Ziel, diese Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich durchzuführen."

Siemens Energy führt Kraftwerkssparte von Siemens fort

Die Siemens Energy AG führt nach der Abspaltung vom Mutterkonzern die Kraftwerksgeschäfte fort und ging im September an die Börse. Dazu zählt auch das Görlitzer Turbinenwerk, das Siemens im Herbst 2017 schließen wollte. Erst nach hartem Arbeitskampf der Belegschaft, unterstützt von den Einwohnern von Görlitz, aber auch vom Freistaat Sachsen, änderte Siemens die Pläne im Mai 2018. Seitdem wird das Görlitzer Werk zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut.

Siemens will in Görlitz Wasserstoff erforschen

Im September 2018 verständigten sich Konzernspitze und Gesamtbetriebsrat auf den Abbau von 170 Stellen in Görlitz. Übrig bleiben sollen rund 700.

Zugleich schlossen Siemens, Freistaat Sachsen und Fraunhofer im Juli 2019 einen Zukunftspakt für Görlitz. Die drei Partner wollen vor allem ein Labor für Wasserstoffforschung aufbauen, Fraunhofer teilte in der vergangenen Woche mit, dass die Vorbereitungen für das Hydro Lab Görlitz weit gediehen seien. Kern der Absprache sind Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen Euro sowie 100 zusätzliche Jobs bis 2024.

IG Metall will Görlitz zu einem Zukunftswerk machen

Inwieweit Görlitz von den Streichplänen betroffen ist, ist noch unklar. Im Moment gibt es verschiedene Zahlen, die für das Werk gerüchteweise im Umlauf sind. Am morgigen Mittwoch findet in Görlitz eine Versammlung der Belegschaft statt, auf der dann auch die Zahlen für das Werk bekannt gegeben werden sollen.

Die IG Metall hält den geplanten Stellenabbau für unüberlegt und in Teilen willkürlich. Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen, erklärt gegenüber sächsische.de: "Wir haben für das Werk in Görlitz die Zusage, dass wir das globale Center für industrielle Dampferzeugung werden, bei der Dekarbonisierung von industriellen Prozessen eine entscheidende Rolle spielen sollen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut zu Wasserstofftechnologien ausbauen werden." Deswegen werde die Gewerkschaft genau hinschauen und intensiv prüfen, "ob die geplante Reduzierung sinnvoll ist und überhaupt durchführbar".

Zukunftsvereinbarung: Kein Standort wird geschlossen

Nach Ansicht Ottos sei der Fachkräftemangel in Ostsachsen absolut spürbar. "Wichtig ist jetzt, dass Siemens Energy nicht das Vertrauen der Beschäftigten und der Politik verliert."

Erst am Freitag hatte Siemens Energy über eine Zukunftsvereinbarung 2030 mit den Arbeitnehmern informiert. Sie sieht einerseits Kostensenkung vor und eine Konzentration der Geschäftsfelder auf Wachstumstechnologien. Dazu zählt neben dem Verzicht auf die Herstellung von Kohle-Kraftwerken die "nachhaltige Stromerzeugung, die Stromübertragung und -speicherung sowie die Optimierung und Elektrifizierung von Industrieprozessen". Gerade das letzte Geschäft wird durch das Görlitzer Werk betrieben. Schon in der Zukunftsvereinbarung versicherten beide Seiten, "bestehende Standorte in Deutschland grundsätzlich zu erhalten und möglichst keine Standorte zu schließen" sowie "möglichst betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden".

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Jan Otto versichert, dass die IG Metall die Pläne mit der Belegschaft prüfen wird. "Wir haben das Werk nicht vor der Schließung bewahrt, um es dann wieder zu reduzieren - wir wollen es aktiv weiterentwickeln. Um das Vertrauen in einen gelingenden Strukturwandel im Rahmen der Energiewende zu stärken, kann das Siemens-Werk in Görlitz ein Leuchtturm sein." (mit SZ/nm)

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