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Großenhain

Wie groß ist Deutschland?

Von der Küste bis zu den Alpen wird die Republik neu vermessen. Sachsen ist sogar nachts dabei. Angefangen hat aber alles in Großenhain.

2006 wurde die Erinnerung an die Großenhainer Grundlinie mit dem Messpunkt auf dem Exer in Kleinraschütz begonnen. Ein Balkengerüst markiert den Ort des früheren Schutzbaus des Vermessungspunktes.
2006 wurde die Erinnerung an die Großenhainer Grundlinie mit dem Messpunkt auf dem Exer in Kleinraschütz begonnen. Ein Balkengerüst markiert den Ort des früheren Schutzbaus des Vermessungspunktes. © Brühl/Archiv

Großenhain. In einer außergewöhnlichen Aktion des amtlichen deutschen Vermessungswesens werden in diesen Wochen die vermessungstechnischen Grundlagen für ganz Deutschland erneuert. Darauf macht die Stadtverwaltung Großenhain aufmerksam. Dazu arbeiten Messtrupps der Landesvermessungsämter und des Bundesamtes für Kartografie und Geodäsie (BKG) im gesamten Bundesgebiet, von der Küste bis zu den Alpen. Ihr Auftrag: eine vollständige dreidimensionale, millimetergenaue Überprüfung von 250 grundlegenden Vermessungspunkten Deutschlands. Der Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN) beteiligt sich mit zwei Vermessungstrupps an dieser Messkampagne. Sogar nachts wird dabei gearbeitet.

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Die ersten grundlegenden Vermessungen Deutschlands fanden im 19. Jahrhundert statt und gingen von Großenhain aus. Stichwort Großenhainer Grundlinie. Der berühmte sächsische Vermesser Christian August Nagel (1821 – 1903), dessen 200. Geburtstag sich in diesem Jahr jährt, war einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Sein Lebenswerk bestand in der 1862 bis 1890 geschaffenen neuen Triangulation I. Ordnung und dem neu bearbeiteten Landeshöhennetz des Königreichs Sachsen. Die Großenhainer Grundlinie diente als Basis für ein Dreiecksnetz, das über das gesamte Königreich gelegt wurde. Die Basispunkte (Klein)Raschütz, Flugplatz Großenhain und Quersa bildeten diese Grundlinie. Insgesamt wurden zwei Dreiecksnetze gebildet. Das so entstandene Lagenetz galt zum damaligen Zeitpunkt als eines der modernsten in Deutschland.

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Zum einen handelte es sich um das Netz für die Gradmessung mit 36 Punkten und die Königlich-Sächsische Triangulierung mit 122 Punkten. Was damals Jahrzehnte dauerte, ist heute jedoch dank der Satelliten, Instrumente und Vermessungsexperten in wesentlich kürzeren Zeiträumen und mit einer deutlich höheren Genauigkeit realisierbar. Dabei lassen sich europa- und weltweit einheitliche Koordinaten messtechnisch bestimmen und die geodätischen Grundlagen aller Länder leicht miteinander vernetzen. (SZ/krü)

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