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Priestewitz: "Sowas macht eben nicht jeder"

Hobbyfotograf Matthias Kost alias Makopix aus Priestewitz ist bekannt für verfremdete Stadtfotos mit ganz eigenem Reiz. Sein Kalender wurde ein großer Erfolg.

Von Kathrin Krüger
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Matthias Kost alias Makopix zu Hause an seinem Bildrechner. Mit dem Stift kann er Fotos künstlerisch verfremden.
Matthias Kost alias Makopix zu Hause an seinem Bildrechner. Mit dem Stift kann er Fotos künstlerisch verfremden. © Kristin Richter

Großenhain. Er zaubert Dinos in den Wirbel auf den Frauenmarkt und in den Stadtpark. Er lässt die Großenhainer Innenstadt als Nach-Corona-Endzeitbild erscheinen. Makopix alias Fotograf Matthias Kost schafft als selbstständiger Fotograf im Nebengewerbe auf Instagram und Facebook regelmäßig, seine Fans mit solchen Bildern zum Staunen zu bringen. Wer ist der Mann, der sich mit bewusst künstlich und sehr individuell wirkenden Aufnahmen in der Röderstadt einen Namen gemacht hat?

Der 48-Jährige ist eigentlich Industriemechaniker und arbeitet im Schichtdienst im Mannesmannröhren-Werk Zeithain. Zu seinem 40. Geburtstag ließ er sich eine richtige Profikamera, eine FX, schenken. "Fotografieren hat mir schon seit der Wende richtig Spaß gemacht, als ich mir damals endlich eine Nikon kaufen konnte", erzählt der Priestewitzer. Mit Fußballfotos seiner beiden Söhne fing es an. Matthias Kost reizte das anspruchsvolle Auslösen bei schneller Bewegung. Und zu den Fotos fürs Familienalbum kamen bald auch Aufnahmen der Mannschaften des Großenhainer Fußballvereins (GFV).

Der Dino im Hochzeitsfoto

Matthias Kost kickte selber in Priestewitz und beim GFV. Dort wurde er quasi zum Haus- und Hoffotograf. Nur er darf bei Fußballmatches bis an den Spielfeldrand. Doch neben diesem Anspruch der Aufnahmen in Aktion reizte es ihn bald, sich auch in die Bildbearbeitung einzufuchsen.

"Ich war schon immer jemand, der eigene Ideen umsetzt und nicht stinknormal auf ausgetretenen Wegen latscht", erzählt der 48-Jährige. So kam er dazu, Stockbilder wie die Dinosaurier in ganz normale Schnappschüsse zu mischen. Weil er neben Hochzeiten und Portraits auch immer wieder Familien im Freien fotografiert, löste die Beimischung der Urzeittiere einen richtigen Hype aus.

Bearbeitungsprogramme wie Photoshop und Lightroom gehören zu Matthias Kosts Spezialitäten. So bringt er seine Fotos, die frei im Internet angeschaut werden können und einen großen Fankreis haben, in eine ganz besondere Atmosphäre. "Mein Objektivpark ist sehr lichtstark angelegt um deshalb auch in jeder Situation reagieren zu können", sagt der Fotograf. Zusätzlich zaubert er mit Verfremdungen durch Nebel, Lichtanpassung, Baum- oder Graspinsel und ähnlichem eine ungewöhliche Stimmung und weckt dadurch ganz besonders die Aufmerksamkeit seines Publikums.

Der Großenhainer Frauenmarkt als Lost place.
Der Großenhainer Frauenmarkt als Lost place. © Matthias Kost
Aus der Luft über Blattersleben.
Aus der Luft über Blattersleben. © Matthias Kost
Wantewitz unter Vollmond. Oder vor der Erdkugel.
Wantewitz unter Vollmond. Oder vor der Erdkugel. © Matthias Kost
Rehe im Winter vor der Wantewitzer Kirche.
Rehe im Winter vor der Wantewitzer Kirche. © Matthias Kost

20 Minuten bis anderthalb Stunden sitzt er am Rechner an solchen "Kompositionen". Das ist für Matthias Kost Ausgleich zu seiner Arbeit. Fußball spielt er nicht mehr aktiv, aber aufs Rad setzt sich der Priestewitzer noch gern. Oder ins Auto, um zu schönen Orten zu fahren, die er fotografieren kann. Sein Gewerbe Makopix betreibt er seit fünf Jahren, die intensive Bildbearbeitung beschäftigt ihn nun etwa drei Jahre. Einnahmen hat der Priestewitzer durch Auftragsfotos, Fotoshootings oder für Bildbearbeitungen, die bei ihm in Auftrag gegeben werden. Auf einem Schreibtisch steht zudem eine große Fotobox. "Ja, Produktfotografie mache ich auch", schmunzelt der Priestewitzer.

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Ehrlich gesagt seien die Reaktionen auf seine Fotos unterschiedlich, so Kost. Manchen ist das Künstliche zu kitschig, andere lieben gerade das. "Ein Foto an sich ist mir zu trocken", findet der kreative Kopf. Den Großenhain-Kalender, den er zum Jahreswechsel 150 Mal und damit erfolgreich verkaufte, hat Matthias Kost allerdings mit weitgehend authentischen Motiven bestückt. "Das war mein dritter Wandkalender, und das will ich auf alle Fälle weitermachen, vielleicht in einem anderen Format als A3", sagt Matthias Kost.

Fans warten auf das Ratebild

Auch der Sportfotografie will er sich umfassender widmen, wenn es denn durch Corona wieder geht. Ob Handballclub oder Stoppelcross – wo Schnelligkeit im Spiel ist, sieht sich der Fotograf herausgefordert.

Viele Fans warten zudem jeden Sonntag auf das Ratebild. Postet Matthias Kost fast täglich ein neues Foto auf Facebook und Instragram, sind die Suchbilder am Wochenende nochmal eine andere außergewöhnliche Kreation des Priestewitzers. Seit Mitte des Vorjahres lässt er die Großenhainer raten. "Und einmal im Monat gibt es auch einen Großenhainer Elfer als Preis", so der Fotograf.

Das hat er mit Zentrumsmanager Alexander Ehrke ausgemacht. Etwa 40 Teilnehmer hätte er so im Schnitt, die auf zwei scheinbar gleichen Fotos die Unterschiede finden wollen. Doch längst nicht jeder bekommt alle zusammen. "Ich will damit die Heimatverbundenheit der Leute fördern", sagt Matthias Kost. Dass das Ganze auch Werbung für sein Nebengewerbe ist, bleibt ein schöner Nebeneffekt.