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Wenn ein Koloss ins Stadthaus schwebt

Der nächste Bauabschnitt: Nachdem das ehrgeizige Projekt auf der Großenhainer Frauengasse wegen Corona stoppte, geht es nun zügig voran.

Präzision: Daniel Koglin von der Baugesellschaft Großenhain (li.) und Silvio Morgenstern von der Spedition Gress aus Sachsen-Anhalt beim Abladen der 4,2 schweren Tonnen-Treppe auf den Boden.
Präzision: Daniel Koglin von der Baugesellschaft Großenhain (li.) und Silvio Morgenstern von der Spedition Gress aus Sachsen-Anhalt beim Abladen der 4,2 schweren Tonnen-Treppe auf den Boden. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Rio, New York - Großenhain. Nicht nur in den Metropolen wird in die Höhe gebaut, auch in der Röderstadt setzt man seit ein paar Monaten zukunftsträchtig auf Lücke. Wo jahrelang eine kahle Fläche den Blick auf die Wand des künftigen Nachbargebäudes freigab, wachsen geradewegs schräg gegenüber dem Kulturschloss zwei Stadthäuser empor. Thront das Erdgeschoss schon seit Wochen als Hingucker auf der Baustelle, stehen die Zeichen an diesem Donnerstagmorgen einmal mehr gewissermaßen gen Himmel.

Es ist 7.20 Uhr. Der Vollmond wacht noch immer über der munter werdenden Stadt, als sich ein Schwerlasttransporter seinen Weg durch die Frauengasse bahnt. Ein wenig wie der Elefant im Porzellanladen muss sich der Fahrer des mit über acht Tonnen beladenen Lkw fühlen. Aber Silvio Morgenstern ist nach eigenem Bekunden Schlimmeres gewöhnt. In 30 Dienstjahren hat sich der sympathische Spediteur mit allerlei Betonteilen schon quer durch Deutschland gekämpft und vor allem mit seinem nicht eben schlanken fahrbaren Untersatz Platz geschaffen, wo scheinbar nicht ausreichend welcher vorhanden schien. Um 4.45 Uhr ist der Spediteur der Firma Gress GmbH in Sachsen-Anhalt losgefahren, um die in der Thomas Betonteile Löbnitz gefertigten zwei Treppenelemente nach Großenhain zu transportieren.

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Allen Wettervorhersagen und den Unkenrufen des Verkehrsfunks zum Trotz lief alles wie am Schnürchen. Selbst am Dreieck Nossen meint er lachend und klettert aus der Fahrerkabine. Während sich Kranfahrer Frank Ludewig von der Firma Bothur noch im Dämmerlicht in die richtige Position gestellt und den Ausleger bereits 20 Meter nach oben gefahren hat, sind die Mitarbeiter der Baugesellschaft Großenhain zunächst darum bemüht, die Treppen unbeschadet von der Ladefläche zu bekommen.

Wie der Elefant im Porzellanladen: Es ist noch dunkel, als der Schwertransporter sich seinen Weg in die schmale Frauengasse zur Baustelle bahnen muss.
Wie der Elefant im Porzellanladen: Es ist noch dunkel, als der Schwertransporter sich seinen Weg in die schmale Frauengasse zur Baustelle bahnen muss. © Foto: Kristin Richter

Mit viel Ruhe und noch mehr geschickten Handgriffen werden die Befestigungsgurte gelöst und im Gegenzug die Halterungen zum Entladen mit Hilfe des Krans angebracht. Bereits ein paar Minuten später haben es Daniel Koglin und Detlef Krille von der Baugesellschaft geschafft. Stück für Stück gleiten die Treppen mit einem Schwenk über die bereits vorhandene Wohnbebauung gen Großenhainer Asphalt und landen schließlich sanft auf bereitgelegten Holzbohlen.

Eine Prozedur, die auf anderen Baustellen im routinierten Arbeitsablauf untergehen mag. Auf der Frauengasse 16, wo bis zum Herbst zwei 140 Quadratmeter große Häuser auf nicht allzu großem Fleckchen Erde entstehen sollen, kann indes davon keine Rede sein. Aufgrund der besonderen Lage, sei beim Hineinheben aller Teile mit dem Kran - schon in ein paar Wochen soll das Obergeschoss folgen - absolute Präzision gefragt. "Wir wissen, dass die Errichtung der Gebäude inmitten der sehr nahe stehenden Umgebungsbebauung und der nicht allzu breiten Straße in diesem Bereich eine Herausforderung für alle Beteiligten darstellt", bekennt Jörg Heller.

Der Großenhainer Makler hat das Wagnis dennoch gemeinsam mit Architekt Michael van der Burgt gewagt. Als selbst ernannter Lobbyist alter Innenstädte setzt sich der Celler nicht nur für den Erhalt dieser ein. Vielmehr ist er vom Miteinander der Menschen in diesen überzeugt. Auch in solchen Häusern, wie in den künftigen auf der Frauengasse, die sich an diesem Morgen um einen Bauabschnitt weiterentwickeln werden.

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Doch noch sind die schweren Elemente nicht dort, wo sie einmal sein sollen. Es ist kurz vor Viertelneun als klar ist, dass es noch ein wenig dauern wird. Bevor Kranfahrer Frank Ludewig ein letztes Mal zur Tat schreiten kann, müssen wieder die Halterungen neu befestigt werden. Aber dann ist es endlich soweit. Ganz langsam beginnt die erste Treppe, sich vom Boden zu heben und schwebt geradezu majestätisch in ihr künftiges Domizil. Denn nicht nur in Rio und New York versteht man es, auf engstem Raum zu bauen. Auch in Großenhain geht's souverän in die Höhe.

Endlich ist es soweit: Die erste von zwei Betontreppen schwebt ganz langsam in das Innere der Baustelle.
Endlich ist es soweit: Die erste von zwei Betontreppen schwebt ganz langsam in das Innere der Baustelle. © Foto: Kristin Richter

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