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Wie Verkäuferinnen in Corona-Zeiten durchhalten

Zwei Kaufland-Mitarbeiterinnen aus Kamenz erzählen über ihre Arbeit in der Corona-Krise - und wie sie auch unschöne Erlebnisse wegstecken.

Sie kommen gern auf Arbeit - auch in diesen schwierigen Zeiten: Anja Schweda und Katja Schäfer sorgen im Kamenzer Kaufland dafür, dass der Laden läuft.
Sie kommen gern auf Arbeit - auch in diesen schwierigen Zeiten: Anja Schweda und Katja Schäfer sorgen im Kamenzer Kaufland dafür, dass der Laden läuft. © René Plaul

Kamenz. Freitagmittag - die erste Schicht im Supermarkt ist schon durch. Anja Schweda und Katja Schäfer  haben eine anstrengende Woche hinter sich. Doch wie ihre anderen Kollegen kommen sie noch gern auf Arbeit. Trotz Corona. Trotz dieser eigenartigen Stimmung im Land. Trotz Einschränkungen und Sicherheitsvorkehrungen. Die beiden Frauen sind alte Hasen im Metier. Verkäuferin Anja Schweda feiert im Sommer ihr Zehnjähriges im Kamenzer Kaufland. Einzelhandelskauffrau Katja Schäfer ist seit 2015 im Markt an der Muhlestraße beschäftigt. 

Froh sind sie, dass die Arbeit weiter läuft. Dass sie etwas beitragen können, um den Menschen einen Hauch von Normalität zu bewahren.  Einkaufen geht immer. Für viele ist es momentan der einzige Weg nach draußen, die letzte Kontaktaufnahme zu anderen Menschen. 

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"Die ersten Wochen waren schwierig. Denn die Kunden waren verunsichert. Wie wir alle", sagt Anja Schweda. "Natürlich gab es da die ein oder andere Episode, die uns ein bisschen fertiggemacht hat. Aber wir haben immer versucht, die Leute zu verstehen."  Die Hamsterkäufe, manche unflätige Bemerkungen Einzelner, die zusätzliche Arbeit, als die Krise Schwung aufnahm - das alles habe sich mittlerweile relativiert.

Die Kollegen halten zusammen

"Die Kollegen untereinander halten in diesen Zeiten super zusammen. Daraus zieht man neue Kraft. Und eines ist ganz wichtig: Humor", weiß Katja Schäfer. Den haben die Beiden trotz allem nicht verloren. Auch nach Feierabend geht es weiter. Man kennt sich, man wünscht sich etwas, bespricht auch schon mal Privates miteinander. "Der Zusammenhalt war schon immer gut bei uns im Haus, und nun hat er sich noch  einmal verstärkt. Jeder weiß, dass man alles gemeinsam besser übersteht, auch unschöne Erlebnisse wegstecken kann", sagt Anja Schweda. 

Freundlich bleiben, lautet das Gebot der Stunde. Manchmal ist das schon etwas schwer. In anderen Supermärkten der Stadt ging es ganz anders zur Sache. Von massiven Drohungen an der Kasse war da die Rede, als der Sicherheitsabstand eingeführt wurde. Von wüsten Beschimpfungen, als Toilettenpapier nicht lieferbar war und Kunden der freundlichen Ansage der Verkaufsleitung, doch nur eine Packung zu nehmen, nicht folgen wollten. 

Sonderbonus in Aussicht

Doch es gibt auch Glücksmomente in diesen Wochen. "Wenn da plötzlich ein Kunde einen Strauß Rosen an der Kasse für dich da lässt,  damit man weiter durchhält", erzählt Anja Schweda gerührt. Oder Pralinenschachteln fürs Team abgegeben werden, damit allen der Feierabend versüßt wird.  Auch Kaufland selbst steuert einiges dazu bei, dass die Mitarbeiter bei Laune gehalten werden.

"Wir hatten schon sehr frühzeitig ein Team-Meeting, in dem der weitere Ablauf besprochen wurde. Das war gut so", sagt Katja Schäfer. Klare Regeln, deutliche Ansagen halfen dabei, relativ schnell zu einem Stück Normalität zurückzufinden. "Wir haben einen sehr guten Marktleiter", sind sich die beiden Frauen einig. Unter der Woche gibt es für die Mitarbeiter mehrmals kostenlose Getränke und Obst. Freitags immer ein gesundes Frühstück.

"Kaufland hat uns schnell das Gefühl gegeben, dass man alles für unsere Sicherheit tut. Die Kassen hatten beizeiten Plexiglasscheiben, auch die Desinfektion an den Eingängen funktioniert", so Katja Schäfer.

Nachdem Rewe eine Sonderzahlung an die Mitarbeiter angekündigt hat, haben mittlerweile andere Handelsketten nachgezogen: Auch die Mitarbeiter von Lidl und Kaufland erhalten einen Bonus für ihren Einsatz in der Corona-Krise, meldet das  Handelsjournal,  das Wirtschaftsmagazin für den Handel. Real stellt ebenfalls eine Sonderzahlung in Aussicht.

Um Unsummen für den Einzelnen geht es da nicht. Im Kamenzer Markt der Kaufland-Kette, die insgesamt 132.000 Mitarbeiter in acht Ländern hat, wird der Bonus beispielsweise in Form eines Einkaufsgutscheines ausgereicht. 

Nach der Arbeit noch Hausaufgaben

Auch Anja Schweda und Katja Schäfer freuen sich darüber. Die beiden Frauen  stehen für viele andere Kollegen in der Branche, die täglich einfach ihre Arbeit gut erledigen möchten. Dass diese sogar systemrelevant ist, daran haben sie vor der Krise nicht gedacht. "Vieles wäre einfacher, wenn die Kunden nicht alle Donnerstag oder Freitagabend einkaufen kämen", meinen sie. Da sind Sicherheitsabstände manchmal schlecht einzuhalten  zwischen den Regalen.

Obendrein sind sie Mütter. Nach Feierabend geht  es daheim weiter - mit Hausaufgaben-Kontrolle, Essenkochen und Haushalt. Katja Schäfer ist allein erziehend, ihr 14-jähriger Sohn hat jede Menge Aufgaben auf dem Tisch. "Glücklicherweise kann ich ihn allein lassen. Das hätte sonst ein Problem gegeben", sagt sie.

Anja Schwedas Jüngste geht sonst in den Kindergarten. Auch sie braucht keine Notbetreuung, weil die große Schwester aufpasst. Doch die muss nebenbei für die Prüfungen lernen. "Es sind verrückte Zeiten für uns alle."

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