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Der Erbauer des Mafa-Bunkers in Heidenau

Für Hans Frohberg ist das geheimnisvolle Bauwerk ein "stinknormaler Keller", zu dem es aber nur wenige Schlüssel gab.

Hans Frohberg zu Hause an seinem Tisch: Hier liest er jeden Tag die Sächsische Zeitung und sammelt alles zur Mafa.
Hans Frohberg zu Hause an seinem Tisch: Hier liest er jeden Tag die Sächsische Zeitung und sammelt alles zur Mafa. © Daniel Schäfer

Er war schon lange nicht mehr vor Ort, doch er kann die Halle und den darunter befindlichen Bunker noch heute aufmalen. Hans Frohberg arbeitete über 50 Jahre von April 1936 bis August 1987 in der Heidenauer Mafa. Er hat hier gelernt, das Kriegsende erlebt, die Zeit danach und leitete auch den Bau von Halle und Bunker. Er arbeitete in der Schlosserei, wurde Meister und schließlich Hauptmechaniker.

Nach dem Abbau von wichtigen Maschinen als Reparationsleistungen wurde nach 1945 mit Ersatzmaschinen einer stillgelegten Papierfabrik in Nossen wieder begonnen. Die Maschinenfabrik als Hersteller von Schokoladenmaschinen hatte vor dem Krieg einen Namen und machte ihn sich nun wieder. In der DDR gehörte die Fabrik zum Kombinat Nagema. Nach der Wende wurde noch bis 1998 produziert. Da war Frohberg, der im Dezember 100 wird, schon elf Jahre Rentner.

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Bunker? "Brauchen wir nicht."

Die Halle, die Ende der 1970er-Jahre gebaut wurde, war eigentlich für Spremberg vorgesehen. Zum Projekt der Halle gehörte der Bunker. Als Frohberg das erste Mal davon hörte, sagte er: "Den brauchen wir nicht." Aber das hatte nicht er zu entscheiden. Es galt damals, dass bei großen Industriebauten eben Luftschutzkeller mitgebaut werden müssen. "Und so wurde er eben gebaut", sagt Frohberg. Ihn aber interessierte mehr die Halle obendrüber. Zwei Jahre dauerte es damals, bis beides fertig war.

Hans Frohberg hat all die Papiere und Unterlagen aus seinen über 50 Jahren in der Mafa aufgehoben.
Hans Frohberg hat all die Papiere und Unterlagen aus seinen über 50 Jahren in der Mafa aufgehoben. © Daniel Schäfer

Der Eingang zum Bunker befand sich unmittelbar an der Halle. Es habe ihn aber niemand zur Kenntnis genommen. Es gab zwei Türen, eine direkt unten an der Treppe. Die zweite war dann die zur Schleuse, ein paar Meter den Gang entlang. Diese Stahltür ist noch heute vorhanden. Es gab eine Luftversorgung und einen großen Kessel mit Wasser. Der Einbau dieser beiden Versorgungen sei technisch das Schwierigste gewesen.

Von Toiletten ist Frohberg nichts bekannt. Ein anderer Augenzeuge hatte von Trockenklos berichtet. Der Notausgang ist ein etwa zwölf Meter langer Tunnel aus Betonrohren mit einem Durchmesser von 1,20 Meter, sagt Frohberg. Der Tunnel führte unter der Halle nach außerhalb an einen von beiden Seiten zu öffnenden Gully. Auch der Tunnel war für Heidenau im Projekt etwas geändert worden, damit er weit genug nach außerhalb der Halle führte.

Ein Schlüssel für den Notfall

Baulich waren Halle und Bunker ohne Beanstandungen abgenommen worden. Ehrensache für Bau- Abteilungsleiter Hans Frohberg. Im Bunker hätten Frohberg zufolge bis zu 200 Personen Platz gehabt. Wenig im Verhältnis zu den mehr als dreimal so vielen Mitarbeitern. Getestet sei der Bunker als Luftschutzkeller nie. "Jedenfalls so lange ich im Betrieb war." Und das war bis August 1987.

Benutzt wurde der Bunker laut Frohberg nie. "Wenn da hätte jemand reingewollt, hätten sie bei mir den Schlüssel holen müssen", sagt er. Es gab nur noch zwei weitere Schlüssel. Einen hatte der Werkdirektor, der andere lag in einem Kästchen mit Glasdeckel beim Pförtner. "Der Schlüssel war für den Notfall." Er wurde bis zuletzt nicht gebraucht.

Vor der Polizei versteckt

Dass um den Bunker so ein Geheimnis gemacht wird, kann er nicht verstehen. Für ihn war es ein "stinknormaler Keller". Nichts mit Rat des Kreises oder Partei-Kreisleitung, sagt er. Und auch die Kampfgruppe habe damit nichts zu tun gehabt. Die habe ihren Keller unter einer anderen Halle gehabt. Unter der Halle mit der Nummer 3 habe es noch einen weiteren kleinen Bunker gegeben, der schon in der Zeit des Zweiten Weltkrieges gebaut worden war. In ihm wurde in den 1960er-Jahren ein Labor eingebaut und befand das sich das Reifenlager des Mafa-Fuhrparks.

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"Für uns war der Bunker ein Anhängsel", sagt Frohberg. Als er vor Jahren hörte, dass die Polizei immer öfter auf dem Mafa-Gelände war und die, die sie suchten, einfach verschwanden, lachte Frohberg. Er wusste, wohin sie waren. Ob sie sich tatsächlich im Bunker versteckten, bleibt offen. Schließlich war er nicht einfach so offen zugänglich. Aber auf dem Gelände geschah manches, was man nicht verstand. Inzwischen ist der Zugang zum Bunker mit schweren Betonplatten abgedeckt. Er wird wohl demnächst zugeschüttet. Das Mafa wird zur neuen Heidenauer Mitte mit Häusern fürs Wohnen und Arbeiten, für die Zeit und das Lernen.

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