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Elbe-Wasser für das Lausitzer Seenland?

Die Gewässer-Kette bekommt zunehmend Schwierigkeiten mit der Versorgung mit jenem Element, das sie ausmacht. Künftig könnte Wasser auch aus der Elbe kommen.

Der Obere Landgraben bringt
Neiße- und Spree-Wasser von der
Pumpstation in Spreewitz hier in den Sedlitzer See.
Gesprochen wird nun über einen ähnlichen Überleiter aus Richtung der Elbe.
Der Obere Landgraben bringt Neiße- und Spree-Wasser von der Pumpstation in Spreewitz hier in den Sedlitzer See. Gesprochen wird nun über einen ähnlichen Überleiter aus Richtung der Elbe. © Foto: LMBV

Hoyerswerda. Die Lausitzrunde, das Bündnis der Kommunen der Region, will nach den Worten von Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) offiziell den Bau eines sogenannten Elbe-Überleiters fordern. Das erklärte der Spreetaler Gemeinde-Chef in einem Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Linke) bei deren jüngster Sommertour durchs Lausitzer Seenland. 

Es geht darum, das sich in der Lausitz verstärkende Wasser-Defizit durch Elbe-Wasser auszugleichen. In Zeiten, in denen der Wasserstand des Flusses das zulässt, soll Wasser für die Gewässer im Lausitzer Seenland entnommen werden.

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Das Trockenheits-Thema ist nicht neu. Seit inzwischen 20 Jahren ist die sogenannte Flutungszentrale des staatlichen Bergbausanierers LMBV in Senftenberg nun damit beschäftigt, das knappe Gut Wasser aus Spree, Schwarzer Elster und Neiße so zu verteilen, dass die früheren Tagebaue sich füllen und ihr Wasserstand gehalten werden kann, dass aber auch andere Flussanrainer keine Probleme bekommen.

Messpegel, Pumpen, Kanäle, Rohre, Wehre sowie Ein- und Ausleitbauwerke sowie eine ausgetüftelte EDV-Steuerung gewährleisten das immer kniffligere Ansinnen. Zunehmend, so die LMBV, werde es um komplexe Konzepte zur Niedrigwasserbewirtschaftung gehen müssen. Ein Aspekt dabei steht im Zusammenhang mit dem beschlossenen Aus für die Verstromung der Braunkohle. Derzeit fließt vor allem der Spree viel Wasser aus dem Bergbau zu. Dessen Wasserfassung zum Trockenhalten der Tagebaue trägt zum nicht unerheblichen Maß zum Füllstand des Flusses bei.

„Die Wasserwirtschaft ist eine besondere Herausforderung“, sagte vorige Woche bei der Bürgermeister-Konferenz zum Strukturstärkungsgesetz in Hoyerswerdas Lausitzhalle auch Dr. Andreas Stricker von der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers. Sie ist vom Land Sachsen mit der Erarbeitung eines Handlungsprogramms bezüglich der Beihilfen zur Stützung der Wirtschaftskraft in den bisherigen Kohleregionen des Landes beauftragt. „Es darf auch kein Tabu sein, noch einmal über neue Talsperren oder über Regenrückhaltebecken zu reden“, meinte bei derselben Konferenz Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU).

Im Gespräch mit Caren Lay sagte Karsten Handro von der LMBV, nach dem Auslaufen der verbliebenen Tagebaue und dem damit verbundenen Abschalten der Pumpen könne es durchaus passieren, dass die Spree im Sommer trockenfällt. Andererseits stammt aktuell ein Großteil des Wassers zur Flutung der Gewässer im Seenland eben aus der Spree. Für 2019 wird die entsprechende Menge von der LMBV mit rund 17 Millionen Kubikmetern angegeben. Weitere 53 Millionen Kubikmeter kamen aus der Schwarzen Elster. Der Neiße-Überleiter hingegen trug seit 2011 wegen Niedrigwassers im Grenzfluss nur geringste Wassermengen bei. 2019 handelte es sich um acht Millionen Kubikmeter.

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Karsten Handro sagt, während in der Spree im Schnitt sechs Kubikmeter je Sekunde fließen, seien es in der Elbe bis zu hundert Kubikmeter. Und ist die Beschaffung von Wasser für das Seenland immer schwieriger, nimmt mit der Seenfläche zugleich die Verdunstung zu. Gleichzeitig hat sich wegen der Trockenheit das Grundwasserniveau reduziert, sodass sich auch die Grundwasserzuflüsse in die Seen verringert haben. Daniel Just vom kommunalen Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen erinnerte bei Caren Lays Sommertour daran, dass sogar schon die Idee diskutiert worden ist, Wasser aus der Ostsee in die Lausitz zu leiten. Dass das Ganze weit über das Seenland hinausgehende Fragen betrifft, ist ebenfalls bereits angemerkt worden. Denn die Anrainer im Spreewald und in Berlin wären über eine trockene Spree sicher auch nicht sehr glücklich.

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