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„Hoyerswerda ist eine lebendige Stadt“

Für seine Dissertation kam Christoph Wowtscherk vor einigen Jahren zurück in die Heimat – und ist geblieben.

Hier sind die Wurzeln, auf die Christoph Wowtscherk gerne zurückblickt: in der Christlichen Schule Johanneum Hoyerswerda.
Hier sind die Wurzeln, auf die Christoph Wowtscherk gerne zurückblickt: in der Christlichen Schule Johanneum Hoyerswerda. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Als im Jahr 1992 das Johanneum gegründet wurde, war das auch eine Reaktion auf die fremdenfeindlichen Vorfälle im Jahr zuvor. 1996 wurde das neu errichtete Schulgebäude bezogen. Zu dem ersten Jahrgang, der von der fünften Klasse an bis zum Abitur die Schule an diesem Ort besuchte, zählte auch Christoph Wowt-scherk. Mittlerweile engagiert er sich im Förderverein der Schule – mit dem Ziel, nun etwas zurückzugeben.

Schon während der Schulzeit interessierte er sich für Geschichte und fand damit Anklang bei den richtigen Lehrern. Damit wurde seine Vorstellung gestärkt, auch in dieser Richtung zu studieren. Nach dem Abitur im Jahr 2004 wählte er das Studium der Geschichte und Germanistik. Sein Weg führte ihn nach Greifswald. Grundsätzlich sei die Stadt mit Hoyerswerda vergleichbar, aber vermittelte als Studentenstadt – mit vielen jungen Menschen – natürlich ein ganz anderes Lebensgefühl. Nach drei Jahren und dem Bachelor-Abschluss folgte der Umzug nach Bochum. „Das Studentenleben im Ruhrgebiet ist wieder ein anderes“, beschreibt Christoph Wowtscherk seine Eindrücke aus dieser Zeit. Der Bezug zur Heimat bestand in diesen Jahren lediglich in der Verbindung zur Familie.

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Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums mit dem Master sollte noch eine Promotion folgen. Diese Idee hat Christoph Wowtscherk schon eine Weile begleitet. Und auch ein Thema war schon greifbar: Die Heimatstadt Hoyerswerda samt deren schlechtem Image war während der Studienzeit vermehrt Thema in Gesprächen gewesen. Da hat er gemerkt, dass er selbst nur wenig über den Herbst 1991 wusste, und die Literatur war wenig zufriedenstellend. Er dachte sich: „Dann mach ich das eben“ und ging der Frage nach, was hier eigentlich los war und wie es dazu kommen konnte. „Mir war es wichtig, das auch für mich selbst zu wissen.“

Für die Dissertation zurück

Für die Recherche ist Christoph Wowtscherk also wieder nach Hoyerswerda zurückgekehrt – an die Quelle, den Ort der Ereignisse. Hier durchforstete er Archive, befragte Zeitzeugen, las Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit – auch überregional. Vieles erschien ihm zu einseitig. Er weitete den Blick zurück bis in das Jahr 1955, die Gründung der Neustadt, um Antworten auf diesen Gewaltausbruch zu finden.

Es folgten zwei Jahre Forschung nach Ursachen, Auslösern und Konsequenzen. Währenddessen hat Christoph Wowtscherk viel über die Stadtgeschichte und die Entwicklung von Hoyerswerda erfahren. Dem Gefühl, manches nicht wahrhaben zu wollen, setzte er gewissermaßen eine Richtigstellung entgegen – er wollte „das schlechte Image geraderücken“, aber ohne zu beschönigen oder etwas zu entschuldigen.

Die Rückkehr in die Heimat war so nicht vorgesehen, sagt Christoph Wowtscherk und betont, dass er sich auch vorher in Greifswald und Bochum jeweils als Einheimischer gefühlt hat. „Diese Schritte waren nicht geplant.“

Doch während der Dissertation stellten sich einige Weichen für die Zukunft, die ihn zum Bleiben verleiteten. Das Engagement im Schulförderverein ist nur eine Sache. Weiterhin ist er im Rotary-Club organisiert, bringt sich kommunalpolitisch ein, sitzt seit der letzten Wahl im Stadtrat. Es gibt viele Anknüpfungspunkte, die ihn mit verschiedenen Menschen zusammengebracht haben, von denen er sagt, dass sie für diese Stadt brennen. Und das motiviert ihn auch selbst. „Mein Engagement ist da, wenn ich Menschen bei dem unterstützen kann, wie sie die Stadt besser machen.“

Für einige Zeit liebäugelte er mit Dresden als neue Heimat, doch nach der Promotion fand sich schnell eine Stelle in Schleife. Und somit ein Argument mehr, hier in Hoyerswerda zu bleiben. Dort wiederum hat das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben eine Außenstelle. Das dort ansässige Referat ist mit der Betreuung und Verwaltung des Projektes „Demokratie leben!“ betraut. Ein junges und offenes Team ist dort tätig, wie er schwärmt. Über die Tätigkeit sagt er: „Wir prüfen nicht nur Anträge, sondern beraten und unterstützen auch“.

Die Zukunft der Stadt

Während er früher, als Schüler, die Stadt als langweilig empfand, so fühlt sich Christoph Wowtscherk hier heute genau richtig. Er stammt aus Dörgenhausen, die Altstadt hat damals noch zu seiner Lebenswelt gehört, aber mit der Hoyerswerdaer Neustadt war er nicht vertraut. Auch heute empfindet er Alt- und Neustadt als zwei Welten. Er fragt sich dabei, ob das zwingend als Problem oder nicht viel mehr als Chance gesehen werden kann. „Vielleicht muss die Stadt nicht zusammenwachsen, sondern ist gut so, wie sie ist.“ Doch er äußert den Wunsch nach einem Quartiermanagement für die Neustadt.

Hoyerswerda würde er als „facettenreiche Kleinstadt“ bezeichnen – super gelegen im Seenland, mit vielen Traditionen in den umliegenden Dörfern verbunden, offen für Neues wie die Campus-Idee. Die weiten Wege in die großen Zentren sieht er als Herausforderung. Dabei wirft Christoph Wowtscherk die Frage auf, wie sich denn potenzielle Studenten hier fühlen würden. In dieser Richtung sollte sich die Stadt, seiner Meinung nach, besser aufstellen. „Wenn wir wollen, dass hier etwas passiert, dann sollten wir uns weniger beschweren.“ Es fehlt an Räumen für junge Menschen.

Strukturwandel gut und klug nutzen

Doch er sieht auch, dass „hier jede Menge los ist und man sich einbringen kann.“ Die Vereinslandschaft bietet viel, auch eine Kulturszene ist vorhanden. „Wer kann sich schon so ein Haus wie die Lausitzhalle leisten?“ Er ist sicher, dass jeder, der sich engagieren möchte, etwas findet.

Für die Zukunft der Stadt und Region wünscht er sich, dass die Chancen, die sich im Strukturwandel auftun, „gut und klug“ genutzt werden. „Wir sollten 2038 besser dastehen. Es gilt die Herausforderungen als Chancen zu verstehen.“ Und das alles ist noch mit dem demografischen Wandel zusammenzubringen. In seinem Freundeskreis bemerkt er, dass nicht selten die Rückkehr nach Hoyerswerda im Raum steht, sobald es um die Familiengründung geht. Also scheinen die Standortfaktoren zu stimmen. Christoph Wowtscherk würde gerne öfter aufzeigen, dass Hoyerswerda „eine super lebendige Stadt ist“.

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