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So trauert Großröhrsdorf um tote Wiktoria

120 Menschen kommen zwei Wochen nach dem Gewaltverbrechen bei einer Andacht in der Kirche zusammen. Auch am Tatort halten Freunde der Getöteten inne.

Immer wieder entzünden Trauernde nach dem gewaltsamen Tod einer Schülerin in einem Garagenhof in Großröhrsdorf Kerzen. Am Mittwochabend wurde in der Stadtkirche des Mädchens gedacht.
Immer wieder entzünden Trauernde nach dem gewaltsamen Tod einer Schülerin in einem Garagenhof in Großröhrsdorf Kerzen. Am Mittwochabend wurde in der Stadtkirche des Mädchens gedacht. © xcitepress

Großröhrsdorf. Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod einer 16-jährigen Schülerin auf einem Großröhrsdorfer Garagenhof gedachten am Mittwochabend zahlreiche Menschen des toten Mädchens. Zur Mahnwache am Tatort kamen vor allem Schulfreunde und -freundinnen und entzündeten Kerzen.

Ein Mädchen streicht liebevoll die Schleifen der Gebinde glatt. Wiktoria sei ihre beste Freundin gewesen. Ihr Glaube und die Erinnerung an die tote Freundin "helfen mir, nicht so viel zu weinen", sagt sie. Die meisten gehen dann direkt von der Mahnwache zur Trauerandacht in der Stadtkirche. Mehr als 120 Menschen füllen den Kirchenraum.

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Die evangelische Kirchgemeinde hatte dazu eingeladen, um den Menschen Gelegenheit zu geben, der Toten zu gedenken. Unter denen, die hier Anteil nehmen, ist auch Bürgermeister Stefan Schneider (parteilos). Er sei erleichtert, dass der mutmaßliche Täter schnell gefasst werden konnte, sagt er am Rande.

Die Andacht gestalten die Pfarrer Stefan Schwarzenberg und Edward Drath, der in der Stadt Religionslehrer ist. Er spricht von der Fassungslosigkeit der Menschen über das, was passiert ist.

Pfarrer: Die Stadt steht unter Schock

Pfarrer Schwarzenberg stellt die Betroffenheit über das Gewaltverbrechen und die Anteilnahme mit den Hinterbliebenen in den Mittelpunkt seiner Worte. Es sollen zugleich Worte der Ermutigung und des Trostes sein. Schwarzenberg geht auch auf die Situation der Oberschule ein, die seit dem Verbrechen keine Ruhe finde. Er spricht von den Mitschülern des Mädchens, den Lehrern und all jenen in der Stadt, die noch völlig erschüttert seien, dass so etwas in Großröhrsdorf passieren konnte. Deshalb habe man sich versammelt.

Die Stadt stehe unter Schock, hatte Stefan Schwarzenberg zuvor gegenüber Sächsische.de gesagt. Auch deshalb habe die Kirche zu der Andacht eingeladen: „Die Menschen müssen verarbeiten, was hier passiert ist.“ Dafür sind am Abend auch Notfallseelsorger in der Kirche, um den Menschen beizustehen. Als Feuerwehr für die Seele, sagt die Pulsnitzer Pfarrerin Maria Grüner.

Am Mittwoch vor zwei Wochen fiel die 16-jährige Wiktoria auf einem Garagenhof in Großröhrsdorf einer Gewalttat zum Opfer. Die Oberschülerin aus Lichtenberg wurde niedergestochen und verstarb im Krankenhaus an den schweren Verletzungen.

Den mutmaßlichen 15-jährigen Täter nahm die Polizei in der Vorwoche fest und durchsuchte die Wohnung in Großröhrsdorf nach Hinweisen. Der Junge wurde aber nicht in Untersuchungshaft genommen, sondern wegen schwerwiegender psychischer Probleme in die geschlossene Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses eingewiesen. Nach Informationen von Sächsische.de kannten sich beide Jugendlichen, sie gingen in die gleiche Schule, waren in derselben Klassenstufe. Der Schüler wohnt nur rund 100 Meter vom Tatort entfernt.

Noch keine Informationen zum Tatmotiv

Die Polizei gab am Mittwoch auf Nachfrage von Sächsische.de keine weiteren Recherche-Ergebnisse bekannt - weder zu einem möglichen Motiv des Täters noch zur Tatwaffe oder dem psychischen Zustand des Jugendlichen: „Die Ermittlungen sind in vollem Gange und noch nicht abgeschlossen.“ Daher könnten aktuell aus ermittlungstaktischen Gründen keine Informationen zu diesen Fragen herausgeben werden, teilte Anja Leuschner, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz, mit.

Nach Kenntnisstand des Rechtsanwalts der Familie soll sich der Beschuldigte gegenüber den Ermittlungsbehörden aber noch nicht zum Tatmotiv geäußert oder gar ein Geständnis abgelegt haben.

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Derweil legt Pfarrer Schwarzenberg in der Kirche den Menschen ans Herz, dass sie sich nicht von Rachegedanken leiten lassen sollen oder von Spekulationen im Internet. Und die Initiatoren der Mahnwache bedanken sich besonders bei den hilfreichen Menschen und Unternehmen, die die Familie von Wiktoria unterstützen, sowie bei allen Spendern, die mit ihrem finanziellen Beitrag ein Begräbnis der Toten in ihrer polnischen Heimat ermöglichen wollen.

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