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Osterreiten ohne Zuschauer

Anders als 2020, als die sorbische Tradition wegen Corona ausfallen musste, soll sie diesmal stattfinden. Aber nicht so wie gewohnt.

Es ist ein jahrhundertealter Brauch: Die Osterreiter verkünden die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi, hier 2018 zwischen Bautzen und Radibor. Was wird in diesem Jahr daraus?
Es ist ein jahrhundertealter Brauch: Die Osterreiter verkünden die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi, hier 2018 zwischen Bautzen und Radibor. Was wird in diesem Jahr daraus? © Steffen Unger

Bautzen. Die Sorge in den sorbischen Gebieten des Landkreises Bautzen ist groß. Denn nach der Ankündigung von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), dass es aufgrund der Corona-Lage keinen Osterurlaub geben wird, stellt sich die Frage, ob dann das Osterreiten stattfinden kann. Bereits einen Tag nach der Aussage von Kretschmer meldeten sich Leser in der Redaktion, die wissen wollten, was mit der Tradition der katholischen Sorben in diesem Jahr wird. Sächsische.de fasst den aktuellen Stand zusammen.

Werden die Osterreiter diesmal unterwegs sein?

Dompfarrer Veit Scapan von der katholischen Dompfarrei St. Petri in Bautzen sagt ganz klar: „Das Osterreiten soll stattfinden.“ Am Donnerstag vergangener Woche habe es Gespräche mit allen Kantoren und den Leitern der Prozessionen gegeben. Es sei wichtig, dass das Anliegen des Osterreitens, die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi weiterzutragen, fortgesetzt wird. So sieht es auch Pfarrer Martin Delenk aus Crostwitz. Es habe Verhandlungen mit der Staatskanzlei gegeben, in denen man sich darauf geeinigt habe, dass das Osterreiten unter gewissen Voraussetzungen stattfinden soll. Diese Hoffnung hegt auch Pfarrer Benno Jakubasch aus Radibor. „Wir würden gern reiten, wissen aber letztlich noch nicht genau, ob und wie es möglich ist“, sagt er. Letztlich müsse es, und das betont der Dompfarrer, auf jeden Fall ein Hygienekonzept geben.

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Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Veit Scapan betont, dass während der Osterreiterprozession das Singen ganz wichtig sei, um eben die Botschaft zu verkündigen. Deshalb werden die Reiter auch keine Maske tragen. Jede Kantorei müsse dann selbst entscheiden, welchen Weg die Prozession nimmt. Dieser könne ein anderer sein, als der bisher übliche. Auch wie viele Reiter bei dem Zug dabei sind, sei eine Ermessensfrage der jeweiligen Kantorei. Die Staatskanzlei wünsche allerdings, dass nicht so viele reiten, sagt der Crostwitzer Pfarrer.

Können Besucher das Osterreiten verfolgen?

Dazu gibt es eine ganz klare Aussage: Nein. „Das Osterreiten ist eine christliche Tradition und kein Touristen-Event“, betont Veit Scapan. Es gebe in vielen Bereichen Einschränkungen, auch für die Osterreiter selbst. Große Menschenaufläufe an den Straßen oder an besonderen Plätzen, wie zum Beispiel im Klosterhof in Panschwitz-Kuckau, dürfe es nicht geben. Wenn Angehörige der Reiter vom eigenen Gartenzaun oder dem Hof aus zuschauen, sei das sicher kein Problem. „Es wird aber keine Veröffentlichungen über den Weg und die Zeiten geben“, sagt Martin Delenk.

Werden die Reiter auf einem Hof eine Pause einlegen?

Bisher war es üblich, dass die Reiter auf einem Hof in der Nachbargemeinde eine Rast einlegten. Dort gab es dann Essen, Trinken und eine Verschnaufpause. Darum haben sich die Familien gekümmert. „Der Aufenthalt auf den Höfen wird in diesem Jahr entfallen“, sagt der Dompfarrer. Natürlich werde auch mal eine kurze Pause für dringende Bedürfnisse möglich sein.

Wie werden die Pferde auf die Prozession vorbereitet?

Osterreiter und deren Familien wissen, dass die Teilnahme an der Prozession mit viel Arbeit verbunden ist. Schon Tage vorher werden die Pferde besonders versorgt, kurz vorher werden sie geschmückt, die Mähnen geflochten. Das soll auch in diesem Jahr so sein. Allerdings muss jede Familie selbstständig auf die Einhaltung der Hygieneregeln achten. Und dass sich besonders viele Personen, zum Beispiel Nachbarskinder, in den Ställen aufhalten, dürfe es nicht geben.

Was sagt das Landratsamt zum Osterreiten?

Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) geht ebenfalls davon aus, dass das Osterreiten stattfinden wird. Massentourismus sei zu Ostern noch nicht vorstellbar, und die Reiter untereinander könnten ebenso Abstand halten wie eventuelle Zaungäste. Ob die Prozessionszüge wie bisher von Ort zu Ort zögen oder nur in den Orten oder um diese herum, sei noch zu entscheiden. "Wir haben es hier mit einem Personenkreis zu tun, der Abstände und Maskenpflicht mitträgt", setzt Harig Vertrauen in die Teilnehmer.

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