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Pulsnitz: Rathaus-Umbau kostet fünf Millionen

Lange wurde über die Kosten für die Sanierung des historischen Gebäudes diskutiert. Jetzt steht die Summe fest - auch wenn es noch keinen Haushalt gibt.

Vom Pulsnitzer Rathaus ist derzeit wegen der Sanierung nicht viel zu sehen. Gerüst und Baustelleneinrichtung verdecken den direkten Blick.
Vom Pulsnitzer Rathaus ist derzeit wegen der Sanierung nicht viel zu sehen. Gerüst und Baustelleneinrichtung verdecken den direkten Blick. © René Plaul

Pulsnitz. Die Sanierung des historischen Rathauses in Pulsnitz hat bereits begonnen. Jetzt steht auch fest, was die umfangreiche Baumaßnahme kostet und woher das Geld dafür kommt. Zur Stadtratssitzung im Februar stimmten die Abgeordneten dem Budget zu - wenn auch mit ein paar Gegenstimmen. Nach Aufrechnung aller erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Baunebenkosten wie der Projektsteuerung wird für die Rathaussanierung eine Summe von insgesamt knapp 5,1 Millionen Euro veranschlagt. "Das alles hat sich lange hingezogen, aber jetzt bin ich froh, dass die Finanzierung steht", sagt Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) erleichtert.

Eines ist dabei allerdings unbestritten: Noch bevor der eigentlichen Bau begonnen hatte, sind die Kosten schon in die Höhe geschnellt. War man anfangs noch von 4,3 Millionen Euro und später von 4,9 Millionen Euro ausgegangen, sind jetzt die fünf Millionen überschritten. Das sorgte für allem in der Vergangenheit immer wieder für Kritik, und das aus verschiedenen Fraktionen.

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Unterschwellig tauchte die Frage auf, ob sich die Stadt Pulsnitz die Rathaussanierung insgesamt überhaupt leisten könne. Unumstritten ist jedoch der dringende Sanierungsbedarf des Rathauses. Schon im Oktober vergangenen Jahres stellte Bauamtsleiter Kay Kühne klipp und klar fest, dass man über den Punkt längst hinaus sei, darüber zu diskutieren, ob das Gebäude saniert werden müsse. Es bestand für eines der beiden Dächer Einsturzgefahr, und auch der Brandschutz war nicht mehr gewährleistet.

83 Prozent aus Fördermitteln

Die 5,1 Millionen Euro muss keinesfalls die Stadt Pulsnitz allein stemmen. "83 Prozent kommen aus Fördermitteln", weiß die Bürgermeisterin. Der Stadt ist es gelungen, gleich drei verschiedene Förderprogramme anzuzapfen, unter anderem aus dem Programm zur Städtebauförderung. Die Stadt selbst muss dementsprechend reichlich 900.000 Euro aus dem eigenen Haushalt aufbringen.

Ein Teil der Fördermittel war bereits bewilligt worden. Um auch den Rest bewilligt zu bekommen, muss die Stadt allerdings das Gesamtbudget für die Sanierung festlegen - natürlich mit dem zu tragenden Eigenanteil. Und genau daran entbrannte die Diskussion in der Stadtratssitzung. So vertraten Stadträte von AfD und Grünen die Auffassung, dass man dem erst zustimmen könne, wenn ein Haushalt für dieses Jahr vorliegt. Doch das ist noch nicht der Fall.

"Corona, die noch nicht vorliegenden Orientierungsdaten vom Land und mehrwöchige Krankheiten haben dazu geführt, dass der Haushaltsentwurf noch nicht vorlag", begründet die Bürgermeisterin die Verzögerung. Jetzt gibt es entsprechende Beratungsunterlagen für die am 17. Februar stattfindende Haushaltsklausur der Stadträte. Beraten und beschlossen werden kann der Entwurf dann erst zur nächsten Stadtratssitzung im März. Trotzdem musste die Stadt schnell zur Finanzierung der Rathaussanierung im Februar entscheiden, damit Fördermittel in Höhe von 310.000 Euro nicht verloren gehen. Dr. Frank Hannawald von der AfD und Gerd Kirchhübel von den Grünen stimmten dem nicht zu. Sie wollten erst den Beschluss zum Haushalt abwarten.

Aktuell Abriss und Entkernung

Inzwischen schreitet der Teilabriss des Rathauses voran. Das bestätigte Bauamtsleiter Kay Kühne. So sind derzeit Bauarbeiter mit dem Abriss des Daches von einem Gebäude und der Entkernung im Inneren beschäftigt. "Das Dach muss komplett erneuert werden", so der Bauamtsleiter. Letztlich bleiben nur die Außenwände stehen. Im linken Gebäudeteil kommt die Dacheindeckung runter. Die historische Treppe bleibt erhalten und wird später wieder aufgearbeitet. Kay Kühne rechnet damit, dass die Abbrucharbeiten bis in den März hinein dauern.

Seit zehn Tagen gibt es allerdings aufgrund der Witterung einen Baustopp. Trotzdem glaubt der Bauamtsleiter den Termin im März halten zu können. Nach dem Rückbau beginnen die Bauarbeiter mit dem Wiederaufbau. Das betrifft vor allem die Wände und teilweise die Decken. Für diese Arbeiten sind dann weitere sechs Monate vorgesehen - also bis in den Spätsommer hinein.

In der Februar-Stadtratssitzungen wurden die Bauleistungen an zwei Firmen vergeben. Der Rohbau des Rathauses ging an eine Firma aus Glashütte mit einem Leistungsumfang von rund 380.000 Euro. Mit dem Einbau eines Aufzuges wurde ein Unternehmen aus Dresden beauftragt. Diese Leistung kostet rund 115.000 Euro.

Halbseitige Straßensperrung bis Juni

Die Einschränkungen auf dem Marktplatz von Pulsnitz bleiben während der Baumaßnahmen bestehen. Etwa ein Viertel des Platzes ist derzeit abgesperrt und asphaltiert. Dieser Bereich wird für die Baustelleneinrichtungen, also Container und Fahrzeuge, genutzt.

Auch die Robert-Koch-Straße ist aufgrund der Sanierung halbseitig gesperrt. "Diese Sperrung ist bis zum 30. Juni genehmigt", erklärt Kay Kühne. Allerdings wird die Straße derzeit aufgrund des Brückenbaues sowieso nur wenig befahren. Wie es im zweiten Halbjahr mit der Straße weitergeht, darüber macht man sich derzeit im Bauamt Gedanken. So sind zum Beispiel eine Ampel oder auch eine Einbahnstraßenregelung Gegenstand der Überlegungen. Doch das ist erstmal nur Zukunftsmusik.

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