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"It's Robbie": Hat Banksy 2003 seinen echten Namen verraten?

Verkleidet hängte Banksy 2005 eigene Bilder in New Yorker Museen auf. Mehrere seiner Werke in der Öffentlichkeit entstanden bei Tageslicht. Dennoch kennt niemand seine Identität. Ein altes BBC-Interview könnte nun einen neuen Hinweis liefern.

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Das Kunstwerk "Valentine's Day Mascara" von Banksy an der Seite eines Gebäudes in London. Klärt sich jetzt die Identität des Künstlers?
Das Kunstwerk "Valentine's Day Mascara" von Banksy an der Seite eines Gebäudes in London. Klärt sich jetzt die Identität des Künstlers? © Gareth Fuller/PA Wire/dpa (Archiv)

London. Seine Werke sorgen regelmäßig weltweit für Aufregung und werden für Millionen verkauft. Doch auch nach 20 Jahren fragt sich nicht nur die Kunstwelt: Wer ist Banksy? Klar ist bisher nur, dass der mysteriöse Street-Art-Künstler aus der westenglischen Stadt Bristol stammt. Sein Alter dürfte in etwa Anfang oder Mitte 50 sein. Aber nun könnte ein wieder aufgetauchtes BBC-Interview von 2003 auf der Suche nach Banksys wahrer Identität helfen. Das liegt an drei kleinen Wörtern. Ob sein Name Robin Banks sei, wird Banksy in dem Gespräch vom damaligen BBC-Kulturkorrespondenten Nigel Wrench gefragt. Die Antwort: "It's Robbie." Es ist Robbie.

Eine eindeutige Bestätigung ist das nicht, wie das Portal "Bristol Live" am Dienstag betonte. Aber der Name heizt die seit Jahren wabernden Gerüchte weiter an. Schon 2008 war sich die britische Boulevardzeitung "Mail on Sunday" sicher, dass es sich bei Banksy um den Künstler Robin Gunningham aus Bristol handelt. Das Blatt berief sich auf ein Foto aus Jamaika von 2004, das Banksy bei der Arbeit zeigen soll - die Person sei in Bristol als Robin Gunningham identifiziert worden. Doch echte Beweise blieb auch die "Mail" schuldig. Der Spitzname "Robbie", den Banksy selbst in dem alten BBC-Interview nennt, könne aber durchaus auf Robin schließen lassen, schrieb "Bristol Live" nun. Und: Der am 28. Juli 1973 geborene Gunningham habe den Namen Robin Banks genutzt.

Steckt ein Mitglied von Massive Attack hinter Banksy?

Erst vor wenigen Wochen berichtete die "Mail", die Hinweise auf Gunningham verstärkten sich. Der Künstler werde in einer Klage wegen übler Nachrede genannt, gemeinsam mit Pest Control Ltd. - dem Unternehmen, das Banksy gründete und das seine Kunst beglaubigt. Doch Klägeranwalt Aaron Wood teilte dem Portal "Artnet" mit, außer Pest Control werde als Angeklagter nur "The Artist known als "Banksy"" - also: "der Künstler, der als Banksy bekannt ist" - und nicht Gunningham persönlich genannt. In der Klage geht es um Markenrechte, die britische Grußkartenfirma Full Colour Black verlangt Berichten zufolge rund 1,36 Millionen Pfund (1,56 Mio Euro) Schadenersatz.

Aber wie das so ist mit Mysterien: Gunningham ist nicht der einzige, der als tatsächlicher Banksy gilt. Für viele ist auch Robert Del Naja ein heißer Kandidat. Der 58-Jährige, der den Namen 3D nutzt, stammt aus Bristol, begann als Graffiti-Künstler und wurde als Mitglied der Band Massive Attack bekannt. Vor fünf Jahren berichtete die Zeitung "Independent" von "acht Hinweisen" auf Del Naja. So habe ein Freund von Banksy den Künstler einmal aus Versehen öffentlich "Robert" genannt. Zudem hätten sich die beiden als Freunde bezeichnet, und Banksy-Kunstwerke seien regelmäßig vor oder nach Auftritten von Massive Attack aufgetaucht, etwa in New York oder Melbourne. "Bristol Live" betonte, der Spitzname Robbie könne auch für Robert stehen.

Anonymität ist sein Markenzeichen

Banksy geht seit Jahren durchaus Risiken ein. Wiederholt hängte er etwa in Museen in einer Art Guerilla-Marketing seine eigene Kunst auf - verkleidet. In einem "Making of"-Video sind sogar Banksys Hände und sein verhüllter Oberkörper zu sehen. Mindestens einmal traf der Künstler bei einer Aktion auf Passanten: In einem Video aus der Londoner U-Bahn 2020, das er selbst veröffentlichte, ist eine Begegnung des vermummten Künstlers mit einem Passagier zu sehen.

Eine Identifizierung könnte durchaus Folgen haben. Die gut gepflegte Anonymität, die nach Ansicht von Kunstkennern zum Hype beiträgt, ist seit Beginn seiner Karriere das Markenzeichen des Briten. Bereits seine erste Galerie-Schau "Turf War" (Revierkampf) in London 2003, bei der unter anderem lebende Schweine mit dem blau-karierten Muster der Londoner Polizei zu sehen waren, umhüllte etwas Geheimnisvolles: Der genaue Ort wurde erst einen Tag zuvor mitgeteilt.

Das nun wieder aufgetauchte Interview von 2003, für das die BBC ihren Banksy-Podcast eigens um eine Episode verlängerte, ist bereits der zweite Fall innerhalb weniger Monate, in dem wahrscheinlich die Stimme des Künstlers zu hören ist. Schon im Juli veröffentlichte der Podcast einen Ausschnitt aus einem Telefoninterview des US-Senders NPR von 2005, das angeblich mit Banksy geführt wurde. Doch auch das ist fast 20 Jahre her. Und so bleibt Banksys wahre Identität vor allem eins: Spekulation. (dpa)