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Leipzig errichtet Zeltstädte für Geflüchtete

Weil die Zahl geflüchteter Menschen immer weiter steigt und freie Wohnungen rar sind, werden Unterkünfte in Sachsens größter Stadt knapp.

Von Sven Heitkamp
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In Leipzig-Stötteritz wird eine neue Zelt-Unterkunft für geflüchtete Menschen eingerichtet. In der Kommandant-Prendel-Allee entstehen Plätze für bis zu 330 Personen.
Auf dem Gelände werden sieben Zelte und Container errichtet.
In Leipzig-Stötteritz wird eine neue Zelt-Unterkunft für geflüchtete Menschen eingerichtet. In der Kommandant-Prendel-Allee entstehen Plätze für bis zu 330 Personen. Auf dem Gelände werden sieben Zelte und Container errichtet. © Anja Jungnickel

Leipzig. Angesichts steigender Flüchtlingszahlen bringt die Stadt Leipzig wieder Geflüchtete und Asylbewerber in Zelten unter. Sie ist damit offenbar die einzige Kommune im Freistaat. Die Landesdirektion Sachsen habe zumindest keine Kenntnis davon, dass in anderen Landkreisen oder kreisfreien Städten Zelte als Asylunterkunft verwendet würden, erklärte Behördensprecher Ingolf Ulrich auf SZ-Anfrage.

Der Grund für die Entscheidung des Leipziger Rathauses ist die wachsende Zahl von geflüchteten Menschen in Deutschland. „Alle anderen festen Unterkünfte sind voll“, sagte eine Rathaussprecherin auf Anfrage. Zeltstandorte seien dabei aber eine reine Notlösung. Angesichts fehlender anderweitiger Kapazitäten müssten solche Unterbringungen solange genutzt werden, bis besser geeignete dauerhafte Möglichkeiten gefunden seien. „Wir sind verpflichtet, die Schutzsuchenden aufzunehmen“, sagt Sozialbürgermeisterin Martina Münch. „Und das werden wir tun.“

Die meisten Geflüchteten kämen aus Syrien, Venezuela, Georgien, Afghanistan, dem Iran und Irak. Weitere Zelte für Geflüchtete werden bereits seit vorigem Jahr an zwei Standorten am Deutschen Platz sowie in Lößnig betrieben. Zunächst seien an beiden Standorten ukrainische Geflüchtete untergebracht gewesen, inzwischen seien es Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern.

Proteste von AfD

Eine neue dritte Notunterkunft wird jetzt in der Kommandant-Prendel-Allee im Leipziger Stadtteil Stötteritz mit bis zu 330 Plätzen aufgebaut – dort gab es bereits Proteste vor allem der Leipziger AfD. Auf dem Gelände werden laut Stadtverwaltung sieben Zelte und Container aufgestellt. Ab Mitte März soll die Unterkunft belegt werden. Es handele sich um winterfeste Leichtbauzelte mit festen, winddichten und dämmenden Seitenwänden aus Kunststoff.

Blick in eine bereits bestehende Flüchtlingsunterkunft in Leipzig: Nun will die Stadt eine neue feste Unterkunft in Kleinzschocher bauen.
Blick in eine bereits bestehende Flüchtlingsunterkunft in Leipzig: Nun will die Stadt eine neue feste Unterkunft in Kleinzschocher bauen. © dpa

Jedes Zelt habe ein eigenes System mit Heizlüftern, sodass sie auch bei niedrigen Außentemperaturen auf bis zu 22 Grad beheizt werden könnten. „Die Zeltunterkunft wird vorübergehend genutzt, bis genügend Plätze in Häusern verfügbar sind“, betonte die Sprecherin. Unter anderem ist vorgesehen, eine Halle auf der Alten Messe wieder für Geflüchtete zu nutzen. Sporthallen sollen aber nicht in Anspruch genommen werden. Derzeit seien in Leipzig alle Plätze in Gemeinschaftsunterkünften belegt, zusätzliche Kapazitäten würden dringend benötigt, heißt es.

Auch Hotels, Hostels, Pensionen und Ferien- oder Monteurswohnungen würden genutzt. Das Sozialamt suche in der ganzen Stadt ständig nach geeigneten Häusern und Flächen. Laut aktuellen Prognosen muss Leipzig allein dieses Jahr bis zu 2.200 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften neu schaffen, um etwa 3.300 Menschen aufnehmen zu können. Ziel der Stadt Leipzig sei es aber, neu gebaute Gemeinschaftsunterkünfte gleichmäßig im Stadtgebiet zu verteilen. So will das Rathaus bis Ende 2027 auf einem unbebauten Grundstück in Kleinzschocher eine neue Gemeinschaftsunterkunft mit drei Wohngebäuden für rund 370 Flüchtlinge errichten.

Ende Januar waren in Leipzig rund 5.500 Geflüchtete registriert, davon lebten 3.880 Menschen in Gemeinschafts- und Notunterkünften, rund 1.200 in Gewährleistungswohnungen und 400 Menschen in Hotels, Hostels, Pensionen oder Ferienwohnungen. Insgesamt lebten Ende Januar in Leipzig 3.600 Asylbewerber und rund 8.500 Geflüchtete, darüber hinaus 10.000 Schutzsuchende aus der Ukraine.