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Meißen: Neuer Tierpark dürfte teuer werden

Die Übernahme der Anlage in Siebeneichen könnte sich als komplizierter erweisen als erwartet. Bürgermeister Markus Renner will das Problem lösen.

Durch die Hanglage ist das Gelände des Tierparks Meißen-Siebeneichen schwer zu bewirtschaften. Es müsste viel in Drainage investiert werden, um die Anlage vor Verwüstungen zu schützen.
Durch die Hanglage ist das Gelände des Tierparks Meißen-Siebeneichen schwer zu bewirtschaften. Es müsste viel in Drainage investiert werden, um die Anlage vor Verwüstungen zu schützen. © Foto: Archiv Claudia Hübschmann

Meißen. Unterbliebene Investitionen seitens der Stadt Meißen fallen ihr jetzt möglicherweise auf die Füße. Nach Informationen der Meißner Redaktion von Sächsische.de und SZ können die Gebäude und das Gelände des Tierparks Meißen im derzeitigen Zustand nicht so einfach von der Meißner Lebenshilfe übernommen werden.

Der Verein, welcher in Meißen mehrere Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen sowie die Integrationskita "Hand in Hand" betreibt, hatte sein Interesse an der Anlage in Siebeneichen bekundet, nachdem die Stadt das Pachtverhältnis mit dem jetzigen Betreiber Heiko Drechsler aufgelöst hatte.

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Der Kontakt zu Tieren werde häufig als Wunsch erwähnt, von den betreuten Menschen ebenso wie von den Betreuern, nannte Lebenshilfe-Geschäftsführer Matthias Christoph im Juni dieses Jahres einen wesentlichen Grund dafür, warum der Verein sich um den Tierpark bemüht. Dieser biete gute Möglichkeiten für Tagesstruktur und ausfüllende Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Dass und wie es funktioniert, zeigten die Tierparks in Oschatz und in Bischofswerda, welche bereits in Kooperation mit den dort ansässigen Vereinen der Lebenshilfe betrieben werden. Daran werde man sich in Meißen orientieren.

Ins Wanken kommen könnten diese Pläne durch das Fehlen selbst der einfachsten Voraussetzungen. Das einzige größere feste Gebäude befindet sich in einem desolaten Zustand. Meißen hat als Verpächter der Immobilie seit 18 Jahren nichts in den bereits 2003 stark sanierungsbedürftigen Bau investiert. Dieser hat keinen Fußboden, an den Wänden fehlt teilweise der Putz. Die Heizung ist durch eine Schlammlawine abgesoffen. Ebenso fehlen Waschmöglichkeiten und WCs für eine größere Anzahl von Mitarbeitern, zudem noch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Der scheidende Tierparkchef Heiko Drechsler und seine Frau essen ihre Pausenbrote gewöhnlich im VW-Bus des Tierparkleiters.

Problematisch ist ebenfalls der Zustand einiger Treppen und Wege. Sie erfüllen bei weitem nicht die Standards an Arbeitssicherheit, welche für Mitarbeiter eines Vereins wie der Lebenshilfe gelten. Durch die Hanglage werden Wege und Gehege auf dem Gelände bei Starkregenereignissen regelmäßig stark beschädigt. Das Wasser wird mehr schlecht als recht abgeleitet. Auch in diesem Bereich existiert ein jahrelanger Investitionsstau, da vom Verpächter nur in Notfällen etwas getan wurde.

Damit ein Verein wie die Lebenshilfe Meißen im Tierpark tätig werden kann, fehlen momentan grundlegende Voraussetzungen wie beheizbare Aufenthaltsräume, eine Teeküche und Sanitäreinrichtungen. Ganz zu schweigen von den Tieren.
Damit ein Verein wie die Lebenshilfe Meißen im Tierpark tätig werden kann, fehlen momentan grundlegende Voraussetzungen wie beheizbare Aufenthaltsräume, eine Teeküche und Sanitäreinrichtungen. Ganz zu schweigen von den Tieren. © Heiko Drechsler

BM Renner: Es gibt kein "Weiter so"

Damit nicht genug: Unklar ist auch, wie es überhaupt auf dem Grundstück weitergehen soll. Der scheidende Pächter Heiko Drechsler plant, die Immobilie quasi besenrein zu übergeben. Aus dem Rathaus sei ihm bedeutet worden, dass er für eigene Investitionen wie das Eingangstor oder Zäune um die Teiche keine Entschädigung zu erwarten habe. Unter diesen Umständen werde er sie sehr wahrscheinlich abbauen, so der Tierpfleger.

Zudem habe er das Angebot gemacht, Tiere wie die Ziegen, Stachelschweine und Esel an seine Nachfolger zu übergeben. Es gebe bereits Spender, welche dies möglich machen würden. Aufgrund der ungeklärten Perspektive für Siebeneichen sei die Offerte jedoch verhallt.

Maria aus Moritzburg hat sich mit einer Ziege im Meißner Tierpark angefreundet. Heiko Drechsler und Spender würde einige der Tiere gern an den Nachfolger auf dem Gelände übergeben, doch der winkt vieldeutig ab.
Maria aus Moritzburg hat sich mit einer Ziege im Meißner Tierpark angefreundet. Heiko Drechsler und Spender würde einige der Tiere gern an den Nachfolger auf dem Gelände übergeben, doch der winkt vieldeutig ab. © Heiko Drechsler

Unter diesen Umständen stellt sich die Frage, was überhaupt aus dem Grundstück noch werden kann. Der angespannte Haushalt der Stadt dürfte kaum Investitionen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro zulassen. Der Lebenshilfe-Verein wiederum darf aufgrund seiner Gemeinnützigkeit nicht selbst Geld in das nur gepachtete Gelände stecken. Weitere offene Fragen sind: Woher sollen die neuen Tiere und Gehege kommen? Wer leitet die Schützlinge der Lebenshilfe im artgerechten Umgang mit den Tieren an? Welche Hürden gibt es für eine Betriebsgenehmigung des Tierparks? Drechsler sowie Walter Hannot und Ingolf Brumm von den Bürgern für Meißen hatten immer wieder auf diese kritischen Punkte aufmerksam gemacht. Mit einer Lösung scheinen Rathaus und Lebenshilfe allerdings erst am Anfang zu sein.

Gespräche haben gerade begonnen

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Meißens Bürgermeister Markus Renner versucht Ruhe in die Diskussion zu bringen. Es gebe vertiefte Gespräche mit der Lebenshilfe, sagt er am Mittwoch auf SZ-Nachfrage. "Wir sind da sehr intensiv dran." Die Nachteile des Geländes mit der Hanglage und der Investitionsbedarf seien der Stadt schon länger bekannt. In den laufenden Verhandlungen gehe es darum, Antworten zu finden, wie man diesen Missständen begegnet. Konkret lasse sich derzeit noch nichts sagen.

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Aus dem Beutel des zweijährigen Meißner Bennett-Kängurus Gertrud lugt ein Baby hervor. Der Tierparkchef von Meißen Heiko Drechsler ist Opa beziehungsweise Oma geworden. Erst jüngst berichtete RTL über die Geschichte und verschaffte Meißen bundesweit viel © Heiko Drechsler

Die Lebenshilfe hat Renner zufolge einen anderen Anspruch an den Betrieb des Tierparks, als ihn Heiko Drechsler in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten verfolgt habe. Es werde kein "Weiter so" geben.

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