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In Meißen gibt es wieder Essen am Tisch

Natürlich nur inoffiziell: Warum sich der erste illegale Restaurantbesuch nach über einem halben Jahr schlecht anfühlt.

Serviert auf einem Porzellanteller: Ein Bild wie aus einer anderen Zeit.
Serviert auf einem Porzellanteller: Ein Bild wie aus einer anderen Zeit. © SZ

"Zum hier Essen oder zum Mitnehmen?" Diese Frage habe ich wirklich nicht erwartet. Obwohl sich der Anblick von heruntergezogenen Masken häuft, hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Resignation so weit fortgeschritten ist, dass drinnen wieder Essen serviert wird. Trotzdem sitze ich nach über sechs Monaten in einem Restaurant und warte mit einem Cola-Glas in der Hand auf meine Bestellung.

Und das an einem Montag, an dem die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis auf 171 anstieg, sich Familien nicht mal zu Ostern treffen durften und Aerosolforscher in einem offenen Brief vor geschlossenen Räumen warnen. Bei der Kontrolle dieser Innenräume setzt das Gesundheitsamt trotzdem auf Einsicht. Wie das Landratsamt Meißen vergangene Woche mitteilte, unterliegt die Überprüfung der negativen Schnelltests zur Nutzung des Click & Meet-Angebots ganz bei den Einzelhändlern - Kontrollen durch das Gesundheitsamts gebe es nicht.

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Kann es sein, dass fast alle Gastronomen ganz behutsam die Öffnung der Außengastronomie fordern, während andere drinnen einfach abstuhlen? Es bleibt nämlich bei dem einen Restaurantbesuch: In einer anderen Gastwirtschaft in Meißen wird der Besitzer bereits panisch, als ich mich an seiner Speisekarte vorbei ins Restaurant schiebe. Auch andere Restaurants vertrösten mich betrübt: Die aktuelle Verordnung lässt schließlich keinen Spielraum für Interpretationen zu, selbst bei der Abholung von Speisen und Getränken sei der Verzehr unmittelbar vor Ort untersagt. Macht nichts. Mir ist der Appetit schon im ersten Restaurant vergangen.

Obwohl ich diesen Moment herbeigesehnt habe – endlich wieder entspannt in einem Restaurant zu sitzen, statt lauwarmes Essen aus einer Styroporbox zu kratzen – genießen kann ich meine dampfende Kokospfanne trotzdem nicht. Denn während ich über meinem Teller hänge, tritt ein älterer Mann mit hochgezogener OP-Maske ein, sieht mich verwundert an und fügt zu seiner Bestellung sicherheitshalber ein eingerostetes 'zum Mitnehmen' hinzu. Die nächste Person verdrückt sich nach dem Bestellen in der letzten Ecke des Restaurants.

Keine Frage, die Verzweiflung der Einzelhändler ist mehr als nachvollziehbar: Trotz so vieler Essensbestellungen wie noch nie würde sich das To-Go-Geschäft für einen Großteil der Gastronomen gar nicht rentieren, schätzt Dehoga-Chef Axel Klein die Dramatik der Lage ein. "Viel mehr geht es darum, den wichtigen Kontakt zum Kunden zu halten und die Mitarbeiter weiter zu beschäftigen."

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