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Fette Spende für Schmales Haus

Der Kinder- und Jugendtreff in Meißen hat unter der Pandemie stark gelitten. Eine verrückte Idee kommt gerade zur rechten Zeit.

Ladenhüter zu Spenden: Familie Geisler aus Nossen informiert sich auf dem Fensterflohmarkt der Meißner Fenstertechnik im Gewerbepark Heynitz-Lehden über die Angebote. Das Schmale Haus in Meißen profitiert.
Ladenhüter zu Spenden: Familie Geisler aus Nossen informiert sich auf dem Fensterflohmarkt der Meißner Fenstertechnik im Gewerbepark Heynitz-Lehden über die Angebote. Das Schmale Haus in Meißen profitiert. © Norbert Millauer

Von Maria Knorr

Meißen/Nossen
. Das Ehepaar Geisler aus Nossen ist noch am Suchen. Eine Fenstertür für ihre Laube soll es sein. 50 statt 500 Euro sind ausgepreist. Jetzt muss nur noch die Größe passen. "Die alten sind noch aus DDR-Zeiten. Die wollen wir auswechseln – damit unsere Kinder auch noch lange etwas davon haben", sagen sie. Andere fahren ihre Schnäppchen schon vom Parkplatz des Gewerbeparks Heynitz/Lehden, auf dem der Flohmarkt stattfindet und der kurz nach Öffnung bereits voll ist.

Lutz Hiller, der Geschäftsführer der Meißner Fenstertechnik GmbH, hatte die Idee zu dieser außergewöhnlichen Aktion. Er bat seine Lieferanten aus ganz Deutschland, ihm Fenster, die schon länger auf Lager liegen, zu spenden, um sie auf einem Fenster-Flohmarkt zum Verkauf für einen guten Zweck anzubieten. Die Resonanz war groß. "Ein Lieferant spendete sogar Geld, weil er kein Fenster auf Lager hatte, aber die Aktion toll fand", freut sich Hiller. Am Ende kamen 3.615 Euro zusammen. Der Erlös geht zu 100 Prozent an das Schmale Haus in Meißen.

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Henry Höhne, Leiter der Einrichtung für Kinder und Jugendhilfe, möchte mit dem Geld ein Baumhaus im Jahnhallen-Areal teilfinanzieren. Seit 1996 steht die Begegnungsstätte in der Meißner Neugasse für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren offen. Das Schmale Haus bietet ihnen vielfältige Tagesangebote, wie kochen und backen, eine Kreativwerkstatt und Gesellschaftsspiele. Auch Ferienfreizeiten werden angeboten und die Möglichkeit in Ruhe Hausaufgaben zu erledigen. "Hier finden die Kinder das, was manchen zu Hause oft fehlt: Ein Rückzugsort und klare Strukturen", sagt Höhne.

Ein Baumhaus auf dem Jahhallen-Areal

Das Schmale Haus sei für die Kinder zum festen Anlaufpunkt geworden und Höhne eine wichtige Bezugsperson. Die Schließung des Hauses während des Corona-Lockdowns habe sich negativ auf dieses Verhältnis ausgewirkt. "Ein Drittel der Stammgäste sind uns abhandengekommen. Die sind über WhatsApp oder soziale Medien nicht mehr erreichbar", bedauert Höhne. Sie hätten sich in der Zeit in den öffentlichen Raum zurückgezogen und sind in Kontakt mit anderen gekommen, bei denen auch Drogen eine Rolle spielen. Dort hätten sie neue Vorbilder gefunden. "Wenn die Strukturen wegbrechen, sind die alleine sich selbst überlassen", so Höhne.

Das Baumhaus ist eine Idee, mit der Höhne die Kinder nun wieder zurückgewinnen möchte. Sportliche Angebote im Freien würden neuerdings besonders gut angenommen, hatte er bemerkt. Die Kinder wurden von Beginn an in den Entstehungsprozess des Baumhauses einbezogen. Mit Zeichenpapier, Schuhkarton und Naturmaterialien haben sie in einem ersten Schritt, zusammen mit einem Fachplaner, ein Modell entwickelt.

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Etwas Ähnliches wie das Baumhaus-Hotel der Kulturinsel Einsiedel bei Görlitz schwebt Höhne vor. Für die Finanzierung des Projektes hat der Leiter des Schmalen Hauses bereits Förderanträge geschrieben. "Mit 20.000 Euro für Planung und Bau des Baumhauses müssen wir rechnen", sagt er. Mit dem Pächter des Jahnhallen-Areals, der Bürgerstiftung Meißen, strebt Höhne einen Kooperationsvertrag an, der dem Schmalen Haus regelmäßigen Zugang sichert. Mit dem Erlös aus dem Fenster-Flohmarkt ist ein guter Anfang gemacht. Jetzt fehlen noch 16.385 Euro zur Realisierung des Projektes. Neben Fördergeldern hofft er nun auf weitere Spenden.

  • Spendenkonto Schmales Haus e. V.: Volksbank Raiffeisenbank Meißen Großenhain: IBAN: DE 34 8509 5004 4514 8110 03, BIC: GENODEF1MEI

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