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Rangierlärm nervt die Nieskyer immer noch

Die Deutsche Bahn wollte das Problem bereits im September gelöst haben. Nun soll es zumindest im November ruhiger werden.

Für die Anwohner der Spremberger Straße ist der Rangierlärm immer noch ein Thema. Denn Abhilfe wurde für sie noch nicht geschaffen.
Für die Anwohner der Spremberger Straße ist der Rangierlärm immer noch ein Thema. Denn Abhilfe wurde für sie noch nicht geschaffen. © André Schulze

Familie Mitschke schläft weiterhin bei geschlossenen Fenstern im Schlafzimmer. "Der Lärm ist belastend", sagt Frank Mitschke. Die Familie wohnt in Niesky in der Spremberger Straße. Vom Schlafzimmer aus geht der freie Blick über Wiesen zu vier Gleisen am Bahnhof Niesky. Auf zwei davon wird regelmäßig rangiert, auch nachts.

Was Mitschkes stört, seit die ausgebaute Niederschlesische Magistrale in Betrieb ist, sind die fehlenden Lärmschutzbauten. Der Rangierlärm mit dem Ab- und Ankoppeln der Lokomotiven ist das eine. Das andere, dass die Dieselloks bei laufenden Motoren auf ihre Weiterfahrt warten. Erst am Dienstag stand eine Diesellok geschlagene 40 Minuten mit laufendem Motor auf dem Gleis. Das ist auch Rummlers aufgefallen. Sie wohnen nur drei Häuser entfernt von Mitschkes.

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Lärm und Umweltbelastung

Zu dem Lärm kommt auch noch die Belastung der Umwelt, wenn ein Dieselmotor eine dreiviertel Stunde im Leerlauf vor sich hin tuckert. Und was unter den Loks steckt, ist nicht das Antriebsaggregat eines Kleinwagens. Dass die Motoren am Laufen gehalten werden müssen, kommt daher, dass die Betriebssysteme einer Lokomotive damit in Funktion gehalten werden müssen. Das geht aber auch anders: indem den Loks Strom von außen zugeführt wird.

Elektranten nennen sich die kleinen Geräte, die die notwendige Energie in die Loks einspeisen. Ähnlich wie bei einem Elektroauto hängt die Lok an einem Stromkabel ohne, dass der Motor laufen muss. Als die SZ im August über den Rangierlärm berichtete, versprach die Deutsche Bahn, im September Abhilfe mit Elektranten zu schaffen. "Davon habe ich bisher nichts mitbekommen", sagt Michael Rummler. Wenn Dieselloks auf den Gleisen stehen, dann mit laufendem Motor. Daran hat sich nichts geändert, so der Nieskyer.

Das Heißläufergleis am Bahnhof Niesky auf der Neuhofer Seite ist oft mit Güterzügen belegt, obwohl es für Notfälle freizuhalten ist. Die Anwohner stört vor allem das lautstarke Rangieren und Umkoppeln der Waggons in der Nacht.
Das Heißläufergleis am Bahnhof Niesky auf der Neuhofer Seite ist oft mit Güterzügen belegt, obwohl es für Notfälle freizuhalten ist. Die Anwohner stört vor allem das lautstarke Rangieren und Umkoppeln der Waggons in der Nacht. © André Schulze

Technische Abnahme noch notwendig

Auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn teilt Pressesprecher Jörg Bönisch mit, dass im Bahnhof Niesky im August ein Elektrant aufgebaut wurde. Dieser ermöglicht eine externe Stromversorgung für stehende Triebfahrzeuge in der dortigen Nebengleisanlage. Aber: "Der Elektrant muss noch technisch abgenommen und in Betrieb gesetzt werden. Zur Nutzung steht er voraussichtlich ab November zur Verfügung", so der Sprecher. Der Aufbau der Elektranten habe sich durch Gründe, auf welche die DB keinen Einfluss nehmen konnte, verzögert.

Neben Niesky ist ein solcher Stromspender auch im Güterbahnhof Horka installiert worden. Nach erfolgreicher Prüfung und Abnahme soll er voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen, heißt es von der Bahn. In Horka stört der Rangierlärm weniger, weil der Güterbahnhof außerhalb des Ortes liegt. Aber in Niesky stehen Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe. Die Psyche der Gleisanwohner ist entsprechend angekratzt. "Wenig Schlaf führt zu Unkonzentriertheit und man ist schneller reizbar", sagt Michael Rummler. Noch dazu, wenn die Lokführer nachts ein Hubkonzert anstimmen.

Verkehrsunternehmen sind informiert

Sind die Geräte zur mobilen Stromversorgung in Betrieb, heißt das, dass sie auch zu benutzen sind. "Die Güterverkehrsunternehmen sind informiert und werden noch einmal explizit dazu angehalten, die Elektranten zu nutzen", sagt der Bahnsprecher. Nach seiner Erfahrung werden an anderer Stelle die Elektranten rege genutzt. Am Ende helfen sie mit, Dieselkraftstoff einzusparen.

Im Fall Niesky geht es vorrangig um die "Holzzüge", die mit einer Diesellok von Niesky aus ins Sägewerk nach Kodersdorf rollen und leer wieder zurückgeführt werden müssen. Da dieser Streckenabschnitt nicht elektrifiziert ist, müssen Dieselloks die Waggons ziehen. Ab Niesky sorgt eine Elektrolok für die Weiterfahrt des entleerten Zuges. Daran können die Bewohner der Spremberger Straße nichts ändern. Aber dass das ganze Prozedere ruhiger zugeht, das fordern sie weiterhin auch auf ihren Transparenten an der Bahnstrecke.

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