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Trotz Verbesserungen: Kreuzung bleibt ein Nadelöhr

Der Jänkendorfer Kreuzung an der B 115 bei Niesky ist vor zwei Jahren ein Bypass gelegt worden. Das Amt spricht von einem Erfolg, Anlieger sind skeptisch.

Die Jänkendorfer Kreuzung bei Niesky. Ist der Tunnel dicht, staut es sich in Richtung Kodersdorf auf der rechten Spur. Sie wurde vor zwei Jahren als Bypass angelegt.
Die Jänkendorfer Kreuzung bei Niesky. Ist der Tunnel dicht, staut es sich in Richtung Kodersdorf auf der rechten Spur. Sie wurde vor zwei Jahren als Bypass angelegt. © André Schulze

Es ist gut zwei Jahre her, da hat die Jänkendorfer Kreuzung einen Bypass bekommen. In Form einer zusätzlichen Fahrbahn. Sie soll den Verkehr von der Autobahnanschlussstelle Nieder Seifersdorf  zügig auf die B 115 in Richtung Kodersdorf abfließen lassen. Besonders in den Zeiten, wenn der Autobahntunnel durch die Königshainer Berge gesperrt ist. Wie hat sich die veränderte Verkehrsführung bewährt? Die SZ fragte nach. 

Verkehrs-Landesamt: "Wir werten den Bau positiv"

"Die Erfahrungen mit dem errichteten Bypass sind wie erwartet gut", heißt es aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Das Amt war der Bauträger für die Umgestaltung der Kreuzung an der Aral-Tankstelle. Pressesprecherin Rosalie Stephan ergänzt: "Uns sind keine Auffälligkeiten oder Beschwerden zu dem errichteten Bypass bekannt. Wir werten dessen Bau daher positiv." Im Vorfeld des Bauvorhabens gab es viele kritische Stimmen, die einen Kreisverkehr als die bessere Lösung gesehen haben. Sogar eine Bürgerinitiative gründete sich und sammelte über 2.000 Stimmen für einen Kreisverkehr. Aber diese Variante kam aus Kostengründen im Lasuv nicht in Betracht. 

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Die Jänkendorfer Kreuzung vor fünf Jahren. Schon damals wurde für einen Kreisverkehr plädiert. Drei Jahre später bekam die Kreuzung nur einen Bypass auf der Fläche links oben im Foto verpasst. Dazu eine neue Ampelanlage und Fahrbahn.
Die Jänkendorfer Kreuzung vor fünf Jahren. Schon damals wurde für einen Kreisverkehr plädiert. Drei Jahre später bekam die Kreuzung nur einen Bypass auf der Fläche links oben im Foto verpasst. Dazu eine neue Ampelanlage und Fahrbahn. ©  Archiv/André Schulze

Es ist nicht allein der Bau einer zusätzlichen Fahrspur gewesen, die die Kreuzung für die Zeit zwischen Februar und Juli 2018 für den Fahrzeugverkehr lahmlegte. Die Lichtzeichenanlage ist komplett erneuert worden, einschließlich der Fahrbahn, die im Volksmund jetzt den Namen "Schanze" hat. - Aufgrund des Gefälles, damit das Regenwasser abfließt. Kritik gab es auch an der Ampel, die ihr Regime abarbeitete, ganz gleich, ob viele oder nur wenige Fahrzeuge die Kreuzung passieren. Wie das Lasuv dazu mitteilt, ist die neue Ampelanlage mit mehreren verkehrsabhängigen Programmen ausgestattet. Sie reagieren sowohl für den normalen Verkehr als auch für den Umleitungsverkehr bei Sperrung der Autobahn. 

Die alte Anlage war damit überfordert. Das zeigte sich bereits im Jahr zuvor. Am 23. August 2017 stand ein Verkehrspolizist auf der Jänkendorfer Kreuzung und regelte den Verkehr per Hand. Grund waren Wartungsarbeiten im Autobahntunnel, sodass der Verkehr über die B 115 umgeleitet werden musste. Mit der Folge, dass sich die Fahrzeuge von der Jänkendorfer Kreuzung bis nach Kodersdorf in den Ort stauten. Damals war es technisch nicht möglich, die Ampelschaltung flexibel zu gestalten.  

Im August 2017 wurde entschieden, die Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung abzustellen und den Verkehr per Hand durch einen Verkehrspolizisten zu regeln. Auch da hatte sich ein Kilometer langer Stau aus Richtung Kodersdorf gebildet, weil der Tunnel gewartet
Im August 2017 wurde entschieden, die Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung abzustellen und den Verkehr per Hand durch einen Verkehrspolizisten zu regeln. Auch da hatte sich ein Kilometer langer Stau aus Richtung Kodersdorf gebildet, weil der Tunnel gewartet © Archivfoto: André Schulze

Aber mit der neuen Anlage soll das möglich sein. Wenn Lkw an Lkw von der Autobahn rollen, dann möchte es trotzdem zügig über die Kreuzung gehen. Nachteilig wirkt sich das aus, wenn in der Tunnelbetriebsstelle in Dresden die Ampelanlage an der Jänkendorfer Kreuzung nicht rechtzeitig oder gar nicht auf "Umleitungsbetrieb" umgestellt wird.  So geschehen am 5. Mai im vergangenen Jahr, es war ein Sonntag. Die Fahrzeuge standen bis zu zwei Stunden zwischen der Anschlussstelle Kodersdorf und Niesky im Ampelstau. Dabei wurde der Ruf nach einem Verkehrspolizisten wieder laut, der den Verkehr regelt. Aber der Polizei war die Verkehrslage zu unübersichtlich, zumal die Ampel in Betrieb war. Der Grund für die Umleitung sind Wartungsarbeiten im Tunnel gewesen.   

Anlieger: Stau, wenn der Tunnel gesperrt ist

Dass es an der Kreuzung zu langen Staus kommt, auch wenn die Ampeln darauf eingestellt sind, kann das Personal der Aral-Tankstelle regelmäßig beobachten, wenn der Tunnel mal wieder zu ist. "Am besten funktioniert die neue Verkehrsführung, wenn der Tunnel nicht gesperrt ist", sagt Mitarbeiterin Carmen Hermann. Aber wenn die Lkw wie auf eine Perlenschnur gefädelt ankommen, dann staut es sich. Und das in beide Richtungen, je nachdem, welche Tunnelröhre gesperrt ist.   

Dass bei gesperrtem Tunnel mehr auf der Kreuzung los ist, spüren auch Sonntags  in ihrer Pension und Gaststätte neben der Tankstelle. "Dann wird es laut und die Autos stauen sich in Richtung Kodersdorf, beziehungsweise Nieder Seifersdorf", sagt Inhaberin Katharina Sonntag. Ihre Gäste nehmen das so hin. Bisher sei das kein Thema gewesen, wenn es sich an der Jänkendorfer staut, sagt die Gastronomin.

Tunnel ist im November gesperrt

Die nächsten Staus kündigen sich bereits an, mit den nächsten Sperrungen des Autobahntunnels. "Die Arbeiten zur Erneuerung der Brandmeldeanlage im Tunnel sollen voraussichtlich vom 16. bis zum 19. November fortgeführt und abgeschlossen werden", informiert die Lasuv-Sprecherin. Konkret heißt das, dass am 16. November die Südröhre Richtung Görlitz von 6 bis 15 Uhr gesperrt ist. Den Tag darauf in der gleichen Zeit die Nordröhre Richtung Dresden. Am 18. und 19. November sind jeweils von 23 bis 5 Uhr beide Röhren gesperrt für den Test und die Inbetriebnahme der Brandmeldeanlage.  

Dann müssen sich nicht nur die baulichen Veränderungen auf der Jänkendorfer Kreuzung erneut bewähren. Die Einwohner von Kodersdorf und Nieder Seifersdorf werden wieder auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Denn auf die Entlastung bringende Ortsumfahrung müssen die Kodersdorfer noch warten. Das Vorhaben befindet sich in der Phase der Vorplanung, teilt das Lasuv mit.  Aktuell werden die Unterlagen zur Ausschreibung der Planungsleistungen erarbeitet. Sind diese vergeben, wird die Straße erst einmal geplant. 

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