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Dresden

Nossener Brücke wird zum Nadelöhr

Eine der am stärksten befahrenen Strecken muss teilweise gesperrt werden. Doch es gibt Hoffnung auf eine Lösung.

Auf der stark befahrenen Nossener Brücke wird die rechte Spur in Richtung Löbtau gesperrt.
Auf der stark befahrenen Nossener Brücke wird die rechte Spur in Richtung Löbtau gesperrt. © Archivbild: Rene Meinig

Bereits 55 Jahre alt ist der Verkehrszug der Nossener Brücke. Jetzt gibt es so starke Schäden, dass die Stadt gezwungen ist, schnell zu handeln. Rund 200 Meter der rechten Spur in Richtung Löbtau müssen ab kommender Woche gesperrt werden, kündigte Straßenbauamtschef Robert Franke am Dienstag bei einem Vor-Ort-Termin mit Brückenabteilungsleiter Andreas Gruner an. Der genaue Tag stehe noch nicht fest. Vor allem im Berufsverkehr sind dann lange Staus an der stark befahrenen Brücke programmiert. Durchschnittlich rollen täglich rund 37.900 Autos darüber, was etwa dem Verkehr auf der Carolabrücke entspricht. 

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Die Schäden: Lange Risse durchziehen Stahlbrücke über Eisenbahnstrecke

Der zwischen 1959 und 1964 gebaute Verkehrszug besteht aus vier Brücken, die die Zwickauer Straße, die Gleisanlagen, das Kraftwerksgelände und die Fabrikstraße überspannen. Besondere Probleme gibt es bei der stählernen Brücke über die Eisenbahnstrecke. An vier Stellen in den nur gut einen Meter hohen Hohlkästen gibt es längs verlaufende Risse, erklärt Franke. Die sind bis zu einen halben Meter lang. Ursache dafür sei die zur Bauzeit übliche Schweißtechnik, die heute nicht mehr zulässig ist. Aus mikroskopisch kleinen Kerben an der Schweißnaht haben sich unter der starken Belastung im Laufe der Zeit sichtbare Risse entwickelt.

Einer der Langsrisse in den stählernen Hohlräumen der Brückenkonstruktion über den Bahngleisen.. 
Einer der Langsrisse in den stählernen Hohlräumen der Brückenkonstruktion über den Bahngleisen..  © Repro: Peter Hilbert

Zudem hat der Schwerverkehr auf der stark befahrenen Brücke erheblich zugenommen. Deshalb befinden sich die Risse unter der rechten Fahrspur, die von schweren Fahrzeugen genutzt wird. Zwar wurde bereits im Juni ein Tempo-30-Limit eingeführt. Doch viele Kraftfahrer würden sich nicht daran halten, sodass die Risse länger werden. Wachsen sie noch weiter, müsste die Brücke voll gesperrt werden.

Die Instandsetzung: Wenn Schweißer arbeiten, wird Brücke voll gesperrt

„Jetzt ist eine Notinstandsetzung dringend nötig“, sagt Franke. Sie soll noch dieses Jahr in Angriff genommen werden. Vorgesehen ist der Zeitraum ab Anfang Oktober. Das wird keine einfache Aufgabe für die Spezialisten, erläutert Brückenabteilungsleiter Gruner. Auf Knien müssen sie durch die schmalen Öffnungen zu den Rissen kriechen, um sie wieder ordentlich zu verschweißen.

Während der Arbeiten muss die Nossener Brücke komplett gesperrt werden, kündigt Franke an. Deshalb soll das nachts geschehen, wenn nicht viele Autos unterwegs sind. Etwa vier Stunden werden für die Instandsetzung eines Risses benötigt, sodass insgesamt zwei Nächte für die Arbeiten erforderlich sind, rechnet der Amtschef vor. Derzeit sei noch nicht klar, wann die Vollsperrungen möglich sind. Zuvor müssten die Umleitungen abgestimmt werden.

Sind die Risse beseitigt, kann die rechte Fahrspur wieder freigegeben werden. Die Tempo-30-Beschränkung in dem Bereich wird aber weiter gelten. Allerdings könnten auch künftig wieder Probleme auftreten. Denn an der Verkehrsbelastung ändert sich nichts. Deshalb könnten an den gleichen oder anderen Stellen der Stahlkonstruktion wieder Risse auftreten. Zu erwarten sei auch, dass es im Stahlkasten unter der linken Fahrspur, die jetzt viel stärker belastet wird, zu Rissen kommt. Die müssten wiederum instandgesetzt werden.

Die Überwachung: Vierteljährlich suchen Kontrolleure nach Schäden

Die Stadt hat die Brücke jetzt genau im Blick. Bereits seit Anfang dieses Jahres wird sie viel häufiger als gewöhnlich im Vierteljahres-Rhythmus überprüft, erklärt Abteilungsleiter Gruner. Noch konnte das Bauwerk beim sogenannten Brücken-Tüv mit befriedigend bewertet werden. Den führen Fachleute regelmäßig nach der Richtlinie für Bauwerksprüfungen durch. Würde die Brücke dort mit 4,0 bewertet werden, hätte sie das untere Ende der Notenskala erreicht, denn das bedeutet „ungenügend“. Das war bereits bei der Albertbrücke im Januar 2013 der Fall. Nur die bereits geplante Sanierung konnte damals die Sperrung verhindern. „Deshalb müssen wir die Nossener Brücke weiter beobachten“, sagt Gruner. Die Sonderprüfungen in dreimonatigen Intervallen werden weiter fortgesetzt, um mögliche Schäden schnell aufspüren zu können.

Im Kasten der Brücke über der Eisenbahn gibt es Risse. 
Im Kasten der Brücke über der Eisenbahn gibt es Risse.  © René Meinig

Die Lösung: Über neue Brücke werden auch Straßenbahnen rollen

Allerdings sind die Jahre der Brücke über die Eisenbahnstrecke gezählt. Deshalb ist die große Hoffnung der Neubau im Zuge des Stadtbahnprojekts 2020. Dabei müssen die vier Brücken schrittweise komplett abgerissen und neu errichtet werden. Statt der bisher zwei müssen jedoch drei Verkehrszüge gebaut werden. Schließlich braucht die Straßenbahn eine separate Trasse in der Mitte.

War die Nossener Brücke bisher etwa 26 Meter breit, so werden es künftig 45 Meter sein. Auf der Bahnbrücke ist eine Straßenbahnhaltestelle geplant. Überlegungen gibt es auch für einen S-Bahn-Haltepunkt darunter. Um darauf vorbereitet zu sein, werden bei der Planung schon Treppen und Aufzüge vorgesehen. Frühestens 2025 kann der Brückenbau beginnen. Er wird mindestens drei Jahre dauern und etwa 40 Millionen Euro kosten.