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Pirnas "tierische" Gasthöfe

Viele Gasthäuser mit viel Tradition werden nicht mehr als Lokal betrieben. Eine Ausnahme gibt es aber.

Gerd Rothländer betreibt den Gasthof Weiße Taube in Pirna-Zatzschke. Er mag seinen Job.
Gerd Rothländer betreibt den Gasthof Weiße Taube in Pirna-Zatzschke. Er mag seinen Job. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Pirnaer Gastronomie-Szene hat eine Besonderheit. Es gibt mehrere große historische Gasthöfe, die einen farbigen Tiernamen tragen. Längst schenken nicht mehr alle dieser Lokale Bier aus oder tischen deftigen sächsischen Sauerbraten auf. Die Nutzung ist unterschiedlich. Manche Häuser stehen leer, für andere gibt es Pläne. Sächsische.de listet vier große Gasthäuser auf.

Eine Legende: Die Weiße Taube in Pirna-Zatzschke.

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Der Gasthof ist noch in Betrieb und in den guten Händen des Besitzers Gerd Rothländer. Woher der Name Weiße Taube kommt? "Da kann ich nur spekulieren. Das Haus war immer weiß angestrichen, das haben wir jetzt nochmal erneuert", sagt Rothländer. Erbaut wurde das Gebäude 1843. "Damals als Pferdewechselstation. Die Reisenden wurden hier versorgt und die Pferde ausgetauscht. Ich denke, dass es vielleicht hieß: Von hier aus fliegen wir in die weite Welt. Schließlich liegt das Haus auf einem Berg", überlegt Rothländer laut. Seine Vorgänger konnten ihm zur Namensgebung des Gasthauses leider auch nichts sagen. "Aber früher war es durchaus üblich, dass die Gasthöfe nach Tieren benannt wurden", berichtet Rothländer.

Seit 1977 managt er die Weiße Taube. Damals noch als Objektleiter; das Haus gehörte zu DDR-Zeiten dem VEB Metallguss Berlin. Im Gebäude fanden unter anderem Schulungen und Kinderferienlager statt. Allerdings machte Rothländer schon früh Druck gegen eine geschlossene Gesellschaft aus der Hauptstadt der DDR. Mit Erfolg. "Ich konnte dann die Taube als Gaststätte für die Bevölkerung öffnen", berichtet der Pirnaer. Und gefeiert wurde ordentlich!

1991 erwarb er das Gebäude von der Treuhand. Heute hat das Restaurant 150 Sitzplätze. Im Biergarten finden 80 Gäste einen Stuhl. Die Gäste kommen aus Pirna, aber auch von weiter her, nämlich aus Dresden und Chemnitz.

Während andere Gastronomen in der Region ächzen, ist Rothländer relativ gut durch den Lockdown gekommen. "Ich möchte nicht klagen. Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfe wurden anstandslos gezahlt", so der Gastwirt. Vier Angestellte arbeiten in der Weißen Taube.

Und wie geht es weiter? Da macht sich Gerd Rothländer wenig vor. "Ich denke, die Weiße Taube wird mit mir sterben. Aus meiner Familie wird keiner das Haus übernehmen", sagt der 76-Jährige. Schade, vielleicht findet sich ja doch jemand, der das Traditionsgasthaus später führen wird?

Im ehemaligen Gasthof Grauer Storch in Pirna-Mockethal ist Betreutes Wohnen entstanden.
Im ehemaligen Gasthof Grauer Storch in Pirna-Mockethal ist Betreutes Wohnen entstanden. © Daniel Schäfer

Aus dem Grauen Storch in Mockethal wurde ein modernes Seniorenzentrum

Geschwoft und getanzt wird in dem großen Gasthaus Grauer Storch in Mockethal schon lange nicht mehr. Das markante Gebäude an der Arthur-Thiermann-Straße ist heute ein modernes Seniorenheim mit barrierefreien Wohnungen sowie einem Therapiezentrum und Tagespflege im Erdgeschoss. Es wurde erst vor Kurzem eröffnet. Betreiber Igor Ratzenberger plant, auch den großen Ballsaal zu Wohnungen für Menschen mit einem Handicap auszubauen.

"Schön, dass wieder Leben in den Grauen Storch einzieht", sagt ein Nachbar, der sich früher gerne mit Freunden und Bekannten in dem Gasthaus getroffen hat. Auch ein Biergarten gehörte damals zum Lokal.

Das Grundstück an der Kreuzung Wehlener Straße, Arthur-Thiermann-Straße wurde bereits 1897 mit dem Gasthof „Zum Grauen Storch“ im Erdgeschoss und Wohneinheiten darüber von Curt Hesse für den damaligen Besitzer Max Rühle geplant.

Am benachbarten Tanzsaal waren Anbauten mit mittiger Musikhalle und seitlichen jeweils getrennt-geschlechtlichen Garderoben vorgesehen. Der Tanzsaal und der Gasthof wurden vorerst über einen Verbinderbau, der die Ausgabe beinhaltete, miteinander verknüpft, jedoch in der weiteren Planung, drei Jahre später, in seiner heutigen Form entwickelt. Der ursprüngliche Dreiseitenhof wurde durch eine Stallung für die Nutztiere inklusive Heuboden gefasst.

Das Dachgeschoss vom Hotel Schwarzer Adler wurde bereits Notgesichert.
Das Dachgeschoss vom Hotel Schwarzer Adler wurde bereits Notgesichert. © Daniel Schäfer

Ehrgeizige Pläne für den Schwarzen Adler

Nur nicht genau hinschauen, es lohnt sich nicht wirklich: Das Hotel und Gaststätte Schwarzer Adler am Dohnaischen Platz hat eindeutig schon mal bessere Tage gesehen. Scheiben fehlen, Balken sind durchgebrochen und die Fassade mit dem hässlichen Braunton ist alles andere als schön.

Seit über 15 Jahren wird der Schwarze Adler nicht mehr als Hotel und Gaststätte genutzt. Früher war es das erste Hotel am Platze, der damals noch Königsplatz hieß. 1550 zunächst als Gasthaus erbaut, wurde es 1744 erstmals unter dem Namen "Zum Schwarzen Adler" erwähnt.

Es schloss sich eine wechselvolle, aber überwiegend erfolgreiche Geschichte an - bis zum Niedergang in jüngerer Zeit. Ab 1971 betrieb der HO-Gaststättenverband Sächsische Schweiz/Pirna/Sebnitz das Haus, 1990 ging es in den Besitz der Treuhand über. Danach wechselten die Eigentümer mehrfach. Zum Schluss bot ein vietnamesisches Geschäft Blumen und Lebensmittel im Erdgeschoss an, der Laden zog 2020 aus dem Objekt aus.

Allerdings gibt es ehrgeizige Pläne für das Gebäude in der Stadtmitte. Die Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) hat den Schwarzen Adler erworben, um ihn unter der Ägide eines Investors als Hotelkomplex ausbauen zu lassen. Ein konkreter Zeitplan liegt jedoch noch nicht vor.

Es gibt Pläne für den Gasthof Weißes Roß. Die Gaststätte hieß früher Volkshaus.
Es gibt Pläne für den Gasthof Weißes Roß. Die Gaststätte hieß früher Volkshaus. © Daniel Schäfer

Was wird aus dem Weißen Roß?

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Der ehemalige Gasthof in Mockethal wird zu Betreutem Wohnen ausgebaut. Nicht nur Senioren sind angesprochen.

Ein Haus mit viel Geschichte: Schon bevor schwedische Horden im 17. Jahrhundert die Vorstadt niederbrannten, soll es an dieser Stelle ein Lokal und eine Herberge gegeben haben. Seit 1678, so hatte der frühere Besitzer Klemens Kosok recherchiert, heißt das Haus Weißes Roß. Engverbunden ist das Roß mit der früheren örtlichen Arbeiterbewegung. 1901 wurde es von den Arbeiterorganisationen Pirna gekauft und ein Jahr später nach einem Umbau als sogenanntes Volkshaus neu eröffnet. Am 9. November 1919 fand hier die Konstituierung des Arbeiter- und Soldatenrates statt. Im März 1933 stürmten SA-Truppen das Gebäude und besetzten es. Während des Zweiten Weltkrieges waren hier Zwangsarbeiter untergebracht. Nach 1945 wurde die Gaststätte mit dem großen Saal von der SED für kulturelle und festliche Anlässe genutzt. Nach der politischen Wende kaufte Klemens Kosok aus Pirna das Weiße Ross von der Treuhand und betrieb die Gaststube bis 2017, um dann in den Ruhestand zu gehen. Laut Informationen von Sächsische.de gibt es inzwischen wieder Pläne für das Haus. (SZ/mö)

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