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Gottleuba: Drei Probleme und die Ideen der Kandidaten

Wie wollen die Bewerber für den Bürgermeisterposten drei schon lange stehende Aufgaben lösen?

Haus des Gastes, Rathaus Berggießhübel, Mafago: Drei Gebäude, die manches verbindet, auch dass sie eine Lösung brauchen.
Haus des Gastes, Rathaus Berggießhübel, Mafago: Drei Gebäude, die manches verbindet, auch dass sie eine Lösung brauchen. © Daniel Schäfer

Mafago, Rathäuser und Haus des Gastes: Gebäude, um die in Bad Gottleuba-Berggießhübel seit Jahren immer wieder diskutiert wird und die irgendwie auch alle miteinander zusammenhängen. Eine wirkliche Lösung ist bisher für keines gefunden. Immer wenn eine nahe war, wurde sie irgendwie wieder gekippt. Welche Idee haben die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt?

In manchem gehen die Auffassungen von Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD) und Madlen Rätze (unabhängig) gar nicht so weit auseinander. So sind sie sich zum Beispiel bei der Mafago einig, dass es derzeit Wichtigeres gibt. Beim Stichwort Rathaus gibt es ebenfalls einen gemeinsamen Nenner: bessere Bedingungen.

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Madlen Rätze hat als CDU-Stadträtin seit 2014 - von 2019 bis vergangenen Dezember auch als CDU-Fraktionsvorsitzende - in Bad Gottleuba-Berggießhübel über Mafago, Rathaus und Haus des Gastes mitentschieden, seit Dezember ist sie Amtsverweserin. Thomas Peters ist seit 2019 Stadtrat, Michael Ullmann sitzt seit den Kommunalwahlen 2019 im Kreistag und im Müglitztaler Gemeinderat. Am 18. April will jeder der drei Bürgermeister von Bad Gottleuba-Berggießhübel werden.

Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD), Madlen Rätze (parteilos) v.l..
Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD), Madlen Rätze (parteilos) v.l.. © Montage-SZ

Mafago: Es gibt Wichtigeres

Die ehemalige Gottleubaer Maschinenfabrik sollte schon alles mögliche sein. Allergikerpark zum Beispiel und Kulturfabrik. Sogar als Rathaus wurde sie mal erwogen. Auch der Abriss war mal eine Option. Der wurde schließlich gestoppt, um die Fabrik für mögliche spätere Ideen zu erhalten. Der Kulturverein hat das Objekt unbefristet gemietet, kann aber auch nicht viel investieren. Die Kulturfabrik ist in weite Ferne gerückt. Und so wird sich an der Mafago so schnell auch nichts ändern. Denn erstens hat der Doppelkurort an verschiedenen Objekten einen Investitionsstau und zweitens kein Geld. Deshalb gibt es aktuell auch weder Planungen noch Gedanken. Entsprechend weitgehend übereinstimmend sind die Aussagen der drei Kandidaten.

Thomas Peters: Es muss somit ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden, um auch betriebswirtschaftlichen Erfordernissen zu genügen. Vorrangig sind andere Gebäude und deren Klärung wichtiger, zum Beispiel die Kindertagesstätte Markersbach.

Michael Ullmann: Eine Kulturfabrik ist ein Projekt mit Potenzial. Wie immer ist es eine Frage der Finanzierbarkeit und die ist bis auf Weiteres nicht gegeben. Die Mafago ist eine Industriebrache, die verkauft, eventuell abgerissen und rekultiviert werden sollte. Ich sehe Schulen, Kindergärten, Straßensanierung und intakte Spielplätze als vorrangig an.

Madlen Rätze: Es gibt aktuell eine langfristig ausgelegte Nutzungsvereinbarung für das Gebäude. Der Kulturverein übernimmt auftretende Notreparaturen. Somit wird ein Verfall ohne Einsatz öffentlicher Mittel verhindert und die Option einer zukünftigen Entwicklung aufrechterhalten. Ein gemeinsames Rathaus auf dem Mafago-Gelände ist für mich, auch wenn es mir hin und wieder unterstellt wird, nicht vorstellbar.

Rathäuser: Das Ende des geteilten Erbes

Kleine Stadt, aber zwei Rathäuser: Das ist ein Erbe aus der Zeit, da Bad Gottleuba und Berggießhübel noch zwei eigenständige Städte waren. Dass es die beiden Rathäuser in beiden Ortsteilen immer noch gibt, ist auch ein Zeichen dafür, dass sie noch immer nicht so richtig zusammengewachsen sind. Hinzukommt der schlimme Zustand des Berggießhübler Rathauses. Anläufe und Ideen, das Problem zu lösen gab es immer mal wieder. Vom Schloss Friedrichsthal bis hin zum Haus des Gastes.

Zu Letzterem war man sich schon mal einig und relativ weit. Im März 2018 beauftragte der Stadtrat die Verwaltung mit einer Standortanalyse. Im März 2019 beschloss der Stadtrat, Fördermittel im Leader-Programm "Vitale Dorfkerne" zu beantragen. Der Antrag wurde erst abgelehnt, weil die Unterlagen nicht vollständig waren. Beim zweiten Mal war die Stadt zu spät. Im Oktober 2019 folgte der Auftrag zur Planung, um danach einen Bauantrag für die Umnutzung stellen zu können. So wurde auch der Haushalt für 2020 beschlossen. Im Oktober 2020, nach dem Rücktritt von Bürgermeister Christian Walter, dann aber die Kehrtwende. Da sollte das Haus des Gastes plötzlich als Bettenhaus vermietet werden. Aktuell wird es als Testzentrum genutzt. Ansonsten ist alles so wie es immer schon war und damit nicht ideal.

Thomas Peters: Ich möchte für diese Frage einen Bürgerentscheid abhalten und natürlich die Verwaltung einbinden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus Berggießhübel verdienen ein vernünftiges Arbeitsumfeld. Aufgrund der zu erwartenden Synergien wäre ein Rathausstandort gewiss vorteilhaft. Ich bin zuversichtlich, dass auch hinsichtlich der Finanzierung gemeinsam eine gute Lösung gefunden werden kann.

Michael Ullmann: Mein Motto lautet ein Rathaus für alle. Damit eine Verwaltung ihre Aufgaben optimal erfüllen kann, müssen entsprechende Arbeitsbedingungen für die Verwaltungsmitarbeiter geschaffen werden. Die alleinige Anlaufstelle muss den Bedingungen der digitalen Zeit entsprechen. Barrierefreiheit, wie aktuell an beiden Standorten nicht vorhanden, ist eine weitere Anforderung. Mit dem „Haus des Gastes“ war man als Stadtrat auf einen guten und richtigen Weg. Unverständlich, warum dieser Weg nicht weiter beschritten wurde.

Madlen Rätze: Das Ziel ist und bleibt, die beiden Rathäuser an einem Standort zu konsolidieren und eine moderne und zeitgemäß ausgestattete Arbeitsumgebung zu schaffen. Für mich wäre das Haus des Gastes ein guter Standort mit dem Potenzial, perspektivisch die erwünschten Verbesserungen herbeizuführen. Hier darf man keine Luftschlösser im Millionenbereich bauen. Da dies in der Vergangenheit geschehen ist, verwundert es nicht, dass die Förderanfrage bisher negativ beschieden wurde. Wichtig wäre, den konkreten Bedarf zu kennen. Denkbar wäre ein gestuftes Vorgehen, mit einem kurzfristigen Umzug der Mitarbeiter des Berggießhübler Standortes. In einem zweiten Schritt könnte die Verlegung des Standortes Bad Gottleuba folgen.

Haus des Gastes: Vom Betten- nun doch zum Rathaus

Ein Haus des Gastes ist für einen Kurort, noch dazu einen doppelten wie Bad Gottleuba-Berggießhübel, gut und wichtig. Deshalb schwenkte der Stadtrat schließlich wieder um. Statt Rathaus sollte es als Bettenhaus vermietet werden. Nun wird es erst einmal als Testzentrum genutzt. Und danach?

Thomas Peters: Das Haus des Gastes muss als Teil des städtischen Immobilienportfolios betrachtet werden. Nach meinem Kenntnisstand war die zuletzt geplante Umnutzung zum Rathausstandort wegen fehlender Förderung gar nicht umsetzbar. Das muss sorgfältiger vorbereitet werden. Ein Leerstand kostet die Stadt allerdings jedes Jahr viele Tausend Euro und ist keine gute Lösung. Es sollte sich gemeinsam eine gute Lösung finden lassen, die finanzierbar ist und vielleicht auch andere Probleme löst.

Michael Ullmann: Machen wir aus dem Haus des Gastes ein Haus des Bürgers. Ich sehe hier den optimalen Standort für ein Rathaus.

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Madlen Rätze: Obwohl nicht absehbar ist, wie lange wir das Testzentrum betreiben werden, müssen wir gemeinsam mit dem Stadtrat die beschriebenen Maßnahmen konsequent zu verfolgen.

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