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Alles offen nach dem ersten Wahlgang

AfD-Kandidat Sebastian Wippel liegt bei der OB-Wahl mit 36 Prozent der Stimmen vorn. Spannend ist das Rennen um Platz zwei.

Er hat im Wirtshaus ,Zur Altstadt’ in der Elisabethstraße allen Grund zur Freunde: AfD-Kandidat Sebastian Wippel liegt im ersten Wahlgang der OB-Wahl vorn.
Er hat im Wirtshaus ,Zur Altstadt’ in der Elisabethstraße allen Grund zur Freunde: AfD-Kandidat Sebastian Wippel liegt im ersten Wahlgang der OB-Wahl vorn. © Nikolai Schmidt

Nach dem ersten Wahlgang der Görlitzer OB-Wahl ist weiter alles offen. Zwar liegt AfD-Kandidat Sebastian Wippel mit 36,4 Prozent der Stimmen vorn, aber für eine absolute Mehrheit reicht es nicht.  Octavian Ursu (CDU) belegt nach Auszählung aller Stimmzettel mit 30,3 Prozent Platz zwei, Franziska Schubert erhielt 27,9 Prozent. Jana Lübeck von der Linkspartei kam auf 5,5 Prozent der Stimmen.  Damit kommt es am 16. Juni zu einem zweiten Wahlgang.

Wippel steht um 21.15 Uhr im Wirtshaus ,Zur Altstadt’ in der Elisabethstraße und strahlt. Zwar ist die OB-Wahl erst in zwei Dritteln der Wahllokale ausgezählt, aber er liegt klar vorn. Den Sieg kann ihm wohl keiner mehr nehmen. „Für mich ist das ein klares Zeichen, dass die Görlitzer den Wechsel wollen“, sagt der 36-Jährige. Doch er vergleicht auch die Ergebnisse der anderen. „Nimmt man AfD und CDU zusammen, so zeigt sich, dass die Leute eine konservative Politik wollen.“ Sollte er tatsächlich zum neuen OB gewählt werden, wolle er im Stadtrat mit allen zusammenarbeiten, verspricht er.

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Gedrückte Stimmung dagegen bei der CDU. OB-Kandidat Octavian Ursu, der kurz vor 18 Uhr im Ratscafé am Untermarkt eingetroffen war und zu diesem Zeitpunkt noch auf 40 Prozent der Stimmen hoffte, sieht drei Stunden später nicht mehr glücklich aus. Sein Blick geht auf die große Leinwand, seine Frau und seine Tochter stützen sich auf ihn. Ursu versucht, gefasst zu wirken. Er hat zu diesem Zeitpunkt erst ein einziges Wahllokal gewonnen. „Wir müssen Geduld haben bis zum Endergebnis“, sagt er. Zwischenstände möchte er nicht kommentieren: „Warten wir´s mal ab.“

Maik Gloge, Leiter der Volkshochschule und CDU-Kandidat für den Stadtrat, wird deutlicher: „Das gibt´s doch nicht, da muss man sich schämen für die Stadt“, kommentiert er die Wahlergebnisse der AfD.

Bei Motor Görlitz im Café Kugel herrscht ähnlich gedrückte Stimmung – bis OB-Kandidatin Franziska Schubert auftaucht. Zu diesem Zeitpunkt liegt sie auf dem zweiten Platz. „Lachen, fröhlich sein“, ruft sie den Anwesenden zu, „kann hier nicht mal jemand Musik anmachen?“ Natürlich sei sie schockiert über das Ergebnis der Europawahl, bezeichnet es als „beschämend“, aber mit Blick auf die OB-Wahl ist sie guter Dinge. „Ich hatte erwartet, dass Wippel weit vorn liegt“, sagt sie: „Aber ich hatte nicht erwartet, dass es mir gelingt, Wahllokale zu gewinnen.“ Warum solle sie da nicht fröhlich sein: „Es ist irre, was wir in den vergangenen Monaten geschafft haben. Wir haben viele Leute einbezogen, die sich zuvor nie politisch engagiert haben.“

Franziska Schubert (links) verfolgt die Auszählung zunächst mit Rolf Weidle (Bürger für Görlitz) und vielen anderen in der Steinstraße, bevor sie später zu Motor Görlitz weiterzieht.
Franziska Schubert (links) verfolgt die Auszählung zunächst mit Rolf Weidle (Bürger für Görlitz) und vielen anderen in der Steinstraße, bevor sie später zu Motor Görlitz weiterzieht. © Nikolai Schmidt

Fröhlich geht es auch bei der Linkspartei in der Schulstraße zu. Linken-Chef Mirko Schultze sitzt drinnen und verfolgt auf dem Bildschirm die Wahlergebnisse, etwa 30 junge Leute sitzen oder stehen draußen auf der Straße, darunter OB-Kandidatin Jana Lübeck. Sie hat zu diesem Zeitpunkt noch keine OB-Wahlergebnisse vorliegen – und auch kein Gefühl für den Wahlausgang: „Das ist schwer zu sagen. Im Wahlkampf habe ich viele Leute getroffen, die gesagt haben, dass sie uns wählen.“ Mirko Schultze hofft, dass der Trend zur AfD kommunal nur abgeschwächt vorhanden sein wird. Für die OB-Wahl rechnet er mit einem zweiten Wahlgang. Wie sich die Linkspartei dort positionieren wird, stehe noch nicht fest: „Wir werden am Montagabend in einer Basiskonferenz entscheiden, wie wir weiter machen.“

Octavian Ursu (Mitte) schaut sich die Wahlberichterstattung im Kreise seiner Familie und seiner CDU-Mannschaft im Ratscafé am Untermarkt an.
Octavian Ursu (Mitte) schaut sich die Wahlberichterstattung im Kreise seiner Familie und seiner CDU-Mannschaft im Ratscafé am Untermarkt an. © Nikolai Schmidt

Auch der bisherige OB Siegfried Deinege verfolgt die Auszählung, besucht mehrere Wahlveranstaltungen. 21.30 Uhr ist er bei den Bürgern für Görlitz in der Schulstraße. Zur OB-Wahl will er nicht viel sagen. Er habe sich nicht in den Wahlkampf eingemischt und wolle auch vor dem zweiten Wahlgang seine Neutralität bewahren. Zur Europawahl wird er deutlicher: „Ich bin bestürzt, dass die Europafeindlichen in einer Dimension in Brüssel einziehen, in der ich es nicht erwartet hatte.“

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Umso fröhlicher geht es bei der AfD zu. Nicht nur Wippel, sondern auch Bundestagsabgeordneter Tino Chrupalla und Landeschef Jörg Urban halten im Wirtshaus zur Altstadt kurze Reden und ernten tosenden Applaus. „Wir haben uns hier gegen den Bundestrend gesetzt, der nicht so gut war“, sagt Chrupalla. Die Medienhetze gegen die AfD habe nichts gebracht. „Jörg, komm ruhig dazu“, ruft er Urban zu, „als Team schaffen wir das.“ Urban bezeichnet das Görlitzer AfD-Ergebnis anschließend als „richtungsweisend für ganz Sachsen.“ Mit Wippel habe Görlitz eine Gallionsfigur.

Ob die sich im zweiten Wahlgang durchsetzt, ist allerdings völlig offen. In den nächsten Tagen müssen sich die anderen Parteien und Wählervereinigungen entscheiden, wer gegen Wippel antritt.

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