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Chris Ares plant Jugend-Treff in Bautzen

Ein „Patrioten-Jugendzentrum“ in der Altstadt von Bautzen: Die Pläne des rechtsextremen Rappers scheinen konkret zu sein. Der OB will sie verhindern.

Der rechtsextreme Musiker Chris Ares plant ein „Patrioten-Jugendzentrum“. Offenbar soll es in Bautzen entstehen.
Der rechtsextreme Musiker Chris Ares plant ein „Patrioten-Jugendzentrum“. Offenbar soll es in Bautzen entstehen. © Foto: SZ/Uwe Soeder, Screenshot: SZ

Bautzen. Entsteht in Bautzen ein Anlaufpunkt für die rechte Szene? Ende Juni kündigte der rechtsextreme Musiker Chris Ares die Gründung eines "patriotischen" Jugendzentrums an. Als Ort nannte er zunächst Bischofswerda, wo sich der Oberbürgermeister und der gesamte Stadtrat jedoch klar gegen das Vorhaben positionierten.

Nun gibt es vermehrt Anzeichen, dass sich der Musiker stattdessen in Bautzen ansiedeln will. Er selbst kündigte im sozialen Netzwerk Telegram die Eröffnung eines Ladens für den 12. September an. Auffällig: Als Standort nennt er nicht mehr Bischofswerda selbst, sondern den „Raum Bischofswerda“.

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Grünen-Stadträtin Annalena Schmidt schrieb bereits am Dienstagabend bei Twitter, es gebe Hinweise, dass damit Bautzen gemeint sei. Gegenüber Sächsische.de konkretisierte sie am Mittwoch diese Aussage: Ihr lägen Informationen vor, wonach Ares und ein befreundeter Tätowierer in der Stadt ein Gewerbe angemeldet hätten. 

Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) erklärte am Mittwochnachmittag im Stadtrat: Die Stadtverwaltung wisse seit Dienstagnachmittag, dass Ares nach Bautzen kommen wolle. Er werde sich deshalb unverzüglich mit dem Eigentümer der Immobilie in Verbindung setzen. Es sei sein Wunsch, dieses Vorhaben zu verhindern.

"Wir tolerieren keine menschenverachtenden, antisemitischen oder homophoben Menschen in der Stadt", stellte Ahrens klar. Für Rechtsextremisten oder Reichsbürger sei in Bautzen kein Platz. "Verfassungsfeinde dürfen die Stadt nicht in Verruf bringen". Der Oberbürgermeister machte allerdings auch deutlich, dass die Handlungsmöglichkeiten der Verwaltung begrenzt sind.

Chris Ares kündigt "Arcadi-Shop" an

Nach Informationen von Sächsische.de geht es konkret um ein Geschäft in der Bautzener Altstadt. Mehrere Quellen nennen ein Haus in der Wendischen Straße. Dort fanden am Mittwoch tatsächlich Arbeiten in einem Laden statt. Vermieter soll eine Bautzener Immobilien-Gesellschaft sein.  

Dies alles passt zu den Informationen, die Ares selbst verbreitet. Demnach geht es nicht mehr um einen „Jugendklub“, sondern um ein Tattoostudio mit Foto-, Ton-Studio und „Platz für heimatverbundene Menschen“. Zudem will der Musiker dort eigene CDs, Kleidung und andere Werbe-Produkte verkaufen. Auch einen "Arcadi-Shop" kündigt er an.  

Dieser Shop wird von der erst im Dezember 2019 gegründeten Arcadi Media UG in Dresden betrieben. Bislang verkaufte es vor allem im Internet Textilien, Bücher und Magazine, die überwiegend dem rechtsradikalen, teils auch dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Das Unternehmen hat seinen Sitz in einem noblem Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert im Dresdner Barockviertel. Zwar hängt dort ein im Innenhof eine Schild der Arcadi Media UG, doch eine Mitarbeiterin der Hausverwaltung sagt, die Firma habe hier nur ein Büro. „Da ist niemand, wir nehmen nur die Post entgegen.“

Die Geschäftsführerin bestätigt das. Es handelt sich um eine 37-Jährige, die im 460 Kilometern entfernten ostwestfälischen Hüllhorst lebt. "Ich kenne Ares nicht persönlich",  sagt sie am Telefon. "Ich erledige zwar die Banksachen und habe eine Vollmacht für das Firmenkonto, aber ich bin absolut unpolitisch. Für die Geschäftsführertätigkeit erhalte sie kein Geld, "das war eine reine Gefälligkeit". Sie betonte, den Posten innerhalb der nächsten Wochen  wieder abgeben zu wollen. Wer sie um die Firmengründung gebeten hat, wollte die Ostwestfälin nicht sagen.

Christoph Aljoscha Zloch wird vom Verfassungsschutz beobachtet

Ebenfalls bei Arcadi im Angebot ist die Musik von Chris Ares. Der 28-jährige Musiker heißt eigentlich Christoph Aljoscha Zloch. Er selbst nennt den geplanten Treffpunkt „unpolitisch“. Der bayerische Verfassungsschutz beobachtet ihn jedoch bereits seit 2016. Zur Begründung heißt es: Zloch unterhalte enge Kontakt zur Identitären Bewegung und verbreite in seinen Texten die Ideologie der rechtsextremen Gruppierung.

Mehrere Streamingdienste wie Amazon, Spotify und ITunes haben Ares deshalb in den vergangenen Tagen von ihren Plattformen verbannt. Spotify teilte zur Begründung mit: Man dulde keine Inhalte, die hauptsächlich zu Hass oder Gewalt aufrufen.

Chris Ares wurde in den vergangenen Wochen mehrfach in Bautzen gesehen: Bilder auf seinem Instagram-Kanal zeigen ihn am Stausee und in der Altstadt von Bautzen. Weitere Fotos und Videos belegen, dass Ares im Mai an einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Bautzen teilgenommen hat. 

Widersprüchliche Informationen zum Vorhaben

Das Hin und Herr in den Ankündigungen des Musikers ist nicht ungewöhnlich. Ares verbreitete schon häufiger wechselhafte und widersprüchliche Informationen. Das betrifft sowohl den Ort als auch den Charakter des Projekts. So sprach er im Juni noch von einem „Patrioten-Jugendzentrum“, später erklärte er: Es gehe eher um ein Geschäft, mit der Möglichkeit, sich zu treffen. 

Ebenso kündigte er an, zeitgleich mit dem rechten Zentrum ein „Dorf“ zu gründen. Die vier Häuser für Gleichgesinnte sollen zwischen Pulsnitz und Dresden angesiedelt sein. 

Der sächsische Verfassungsschutz beobachtet die Pläne von Ares bereits seit Ende 2019. Ähnliche Projekte fänden sich im gesamten Bundesgebiet und passten in die Strategie der Bewegung. Die gute Vernetzung des Musikers zum lokalen Ableger der "Identitären Bewegung" sei ein weiterer Hinweis, dass es sich um mehr handele als nur um Ankündigungen.

Anfang Juli beriet der Verfassungsschutz gemeinsam mit der Kreisverwaltung und den Städten und Gemeinden über Strategien zur Verhinderung des Vorhabens. Landrat Michael Harig (CDU) stellte anschließend klar: „Wir freuen uns eigentlich über jeden Zuzug in unsere Region - für völkische Siedlungsprojekte, patriotische Jugendzentren und dergleichen gilt dieses Willkommen jedoch ausdrücklich nicht.“

Dieser Beitrag wurde am 15. Juli um 16.40 Uhr sowie um 18.45 Uhr aktualisiert. 

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