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Feuilleton

Corona: Dresdner spielen "Ode an die Freude"

Dutzende Musiker verbreiteten am Sonntag mit Mini-Konzerten auch in Dresden einen Hauch Optimismus. Auch wenn die Finger schnell kalt wurden.

Mit dem Saxofon gegen den Corona-Frust: Auch in der Dresdner Alaunstraße wurde am Sonntag die "Ode an die Freude" gespielt.
Mit dem Saxofon gegen den Corona-Frust: Auch in der Dresdner Alaunstraße wurde am Sonntag die "Ode an die Freude" gespielt. © Karl-Ludwig Oberthür

Populärste Musik, beste Akustik, aber keinerlei erkennbares Publikum. Stört’s den Musiker? „Nein, das ist völlig okay so. Die Geste zählt schließlich.“ Toni Fehse ist freier Trompeter und spielte am Sonntag ganz allein gegen die Kälte an. Deutschlandweit hatten Musiker dazu aufgerufen, Punkt 18 Uhr die „Ode an die Freude“ zu spielen und so etwas Optimismus in der Corona-Krise zu verbreiten. Genau das tat auch Fehse. 

Vom Balkon seiner Wohnung in Dresden-Cotta aus setzte er exakt um 18 Uhr mit den bekannten Beethoven-Klängen ein, um sich dann über die Eurovisions-Hymne bis zu Mendelssohns „O Täler weit, o Höhen“ vorzuarbeiten. Ein heller, klarer Schall zwischen den Hinterhöfen. Manche Säle bieten da deutlich schlechtere Klangverhältnisse.

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Ein bisschen Applaus zwischen den einzelnen Nummern gab es immerhin. Bei knapp zwei Grad Außentemperatur hielt sich das Interesse der Nachbarn an Live-Musik jedoch in engen Grenzen.

In der Dresdner Neustadt schafften es immerhin drei Musiker mit Saxofon, Horn und Melodica, ein interessiertes Publikum entlang der Alaunstraße zu vereinen. Trotz einiger Entfernung zwischen den einzelnen Instrumentalisten, funktionierte die eher ungewöhnliche Kombination bestens. Den wiederholten Zugabe-Rufen kamen die Musiker nach und spielten die „Ode an die Freude“ gleich dreimal hintereinander. Ein paar Ecken weiter wurde sogar vergleichsweise überzeugend gesungen. 

Weniger koordiniert lief das Ganze in der Johannstadt ab, wo ein Pianist sich an der Mozartkomposition „Komm, lieber Mai, und mache“ versuchte, während ein Trompeter dazu „Der Mond ist aufgegangen“ hupte. Da ist eindeutig mehr drin, wenn man sich auf ein gemeinsames Repertoire verständigen kann. Die nächsten Abende bieten dafür zweifellos Gelegenheit.

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Ein paar Kilometer weiter im Osten der Stadt hielten sich die meisten beteiligten Musiker ans vorgegebene Programm, variierten zudem kräftig. So gab Benjamin Schwarz, Solo-Cellist der Staatsoperette Dresden, von seinem kleinen Balkon in der Jacobistraße obendrein noch das Prelude aus der Cello-Suite Nr. 1 von Bach zum Besten. Zufällige Passanten waren regelrecht entzückt. Was diese Aktion, die von den zunächst in Italien gestarteten Balkonkonzerte inspiriert wurde, zu einem prinzipiellen Erfolg macht. Bei weniger frostigen Temperaturen und besser aufeinander abgestimmten Teilnehmer könnten diese Mini-Konzerte tatsächlich zu beständigen kleinen Lichtblicken für die krisengeplagte Dresdner werden.