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Radeberg

Corona: Firma Meentzen erweitert Produktion

Das Radeberger Unternehmen bietet jetzt Desinfektionsmittel an. An einem neuen Produkt wird geforscht.

Die Firma Charlotte Meentzen an der Carl-Eschebach-Straße in Radeberg ist bekannt für Naturkosmetik. Jetzt bietet das Unternehmen ein untypisches Produkt an. Grund ist die Corona-Pandemie.
Die Firma Charlotte Meentzen an der Carl-Eschebach-Straße in Radeberg ist bekannt für Naturkosmetik. Jetzt bietet das Unternehmen ein untypisches Produkt an. Grund ist die Corona-Pandemie. © Sven Ellger

Radeberg. Das Unternehmen Charlotte Meentzen ist bekannt für Naturkosmetik: Aloe Vera Sensitive Bodylotion, Sandorn-Schisandra-Körperöl oder Aqua-Minerals-Pflegeset stehen im Produktkatalog der Radeberger Firma. Mittendrin taucht jetzt eine neue schlichte Flasche auf: "Handdesinfektion flüssig" ist auf dem Etikett zu lesen. Das Mittel kann ab sofort gekauft werden, maximal zehn Flaschen sind pro Bestellung möglich. Geliefert wird an Privatkunden innerhalb Deutschlands und an Geschäftspartner in mehr als 20 Länder. "Wir haben das Produkt aus Anlass der aktuellen Situation in unser Programm genommen", sagt Susann Bethge von der Firma. Es besteht vor allem aus Ethanol und tötet Viren ab. 

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"Seit Mitte April können Kunden das Desinfektionsmittel beziehen", sagt sie. Die Menge, die das Unternehmen an der Carl-Eschebach-Straße herstellt, ist enorm. "Bis zu 25.000 Flaschen sind jährlich möglich, das entspricht einer viertelmillion Liter." Neue Anlagen mussten nach Angaben der Mitarbeiterin nicht angeschafft werden. "Dazu konnten wir unsere vorhandene Infrastruktur nutzen." Denn das Unternehmen Charlotte Meentzen stellte bereits zuvor Desinfektionsmittel her, allerdings ausschließlich für gewerbliche Abnehmer und Geschäftskunden. Das neue Desinfektionsmittel soll nur vorübergehend produziert werden. "Es ist ausschließlich zum Schutz in der derzeitigen Situation gedacht und kein dauerhafter Artikel", sagt Susann Bethge. 

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Nach ihren Angaben arbeitet die Forschungsabteilung an der Entwicklung eines weiteren Desinfektionsproduktes, das noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und fester Bestandteil des Sortiments werden soll. Trotz der großen Menge Desinfektionsmittel läuft die Produktion der Kosmetika weiter, teilt das Unternehmen mit. Kurzarbeit oder einen Herstellungsstopp gibt es offenbar nicht. "Im März wurden die Abläufe in Produktion, Abfüllung und Versand an die Hygiene- und Abstandsrichtlinien angepasst, so dass die Sicherheit und Gesundheit aller Mitarbeiter gewährleistet ist." 

Allerdings räumt "Charlotte Meentzen" ein, von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen zu sein. Insbesondere die Schließungen der Kosmetikstudios würden sich auf den Absatz auswirken. Dort werden zahlreiche Produkte angeboten. Wie stark die Belastungen sind, teilt die Firma nicht mit. Nur, dass verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Studios eingeleitet wurden.

Seit 2002 in Radeberg

Das Unternehmen hat seit 2002 seinen Sitz in Radeberg, zuvor wurde in Dresden produziert. Mit Naturkosmetik begründete die Firma 1930 einen weltweiten Trend. Damals eröffnet Charlotte Meentzen an der Prager Straße in Dresden ihren ersten Kosmetiksalon als "Institut für Schönheitspflege". Noch im selben Jahr gründete sie mit Schwester Gertrude den ersten kleinen Produktionsbetrieb in der Prager Straße 24, und bereits ein Jahr später eröffneten sie für die Ausbildung von Kosmetikerinnen die "Schule für natürliche Kosmetik".Charlotte Meentzen verstarb unerwartet am 26. Februar 1940. Sie wurde nur 35 Jahre alt. 

Das Weiterbestehen der Firma ist dann Gertrude zu verdanken. Am 13. und 14. Februar 1945 wurde bei den Luftangriffen auf Dresden die gesamte Prager Straße zerstört, damit auch Institut, Produktionsstätte und Schule. Die Hälfte der Belegschaft kam ums Leben. 1946 begann ein erneuter Manufakturbetrieb im Kellergeschoß der Villa an der Wiener Straße. 1968 wurde der Betrieb halbstaatlich und 1972 erfolgte dann die Zwangsenteignung. Der Name Charlotte Meentzen wurde verboten und die Firma in "VEB Kräutervital-Kosmetik Dresden" umbenannt. Nach der Wende konnten die Söhne und ein Enkel der Meentzen-Schwestern den Betrieb reprivatisieren.

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