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Zwei Vorschläge zur Dampfer-Rettung

Schiffe als "Wasserbusse" oder der Freistaat als Eigentümer: Es gibt mehrere Ideen, wie die Dresdner Flotte wieder auf Kurs kommen kann. So realistisch sind sie.

Rudern für die Rettung? Die Dampferflotte braucht Hilfe, um zu überleben.
Rudern für die Rettung? Die Dampferflotte braucht Hilfe, um zu überleben. © dpa/Robert Michael

Dresden. Dampfer fahren wie mit der Straßenbahn, die Tickets gibts beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und der Freistaat hilft mit viel Geld, wenn mal wieder nichts mehr geht, weil die Elbe zu wenig Wasser führt. So könnte die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) langfristig überleben. Nichts anderes hat Oberbürgermeister (OB) Dirk Hilbert (FDP) zur Rettung der Flotte vorgeschlagen

Schon im vergangenen Jahr, als das Unternehmen im Sommer ums Überleben kämpfte, hat der OB diese Idee ins Spiel gebracht. Sie hätte zur Folge, dass über den VVO künftig auch die Städte und Landkreise an der Elbe mitreden könnten, wenn es um die Flotte geht. Und dass sie nicht nur von den Touristen profitieren, die die Dampfer und Salonschiffe zu ihnen schaufeln, sondern auch Verantwortung für die Flotte übernehmen müssten.

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Am Mittwoch mussten Geschäftsführerin Karin Hildebrand und ihr Kollege Jeffrey Pötzsch Insolvenz anmelden. Noch läuft der Schiffsbetrieb, das Salonschiff "Gräfin Cosel" und der Dampfer "Dresden" sind im Einsatz. Doch die Flotte braucht dringend Geld: für die Mai-Gehälter und für die Bezahlung von Lieferanten. Sonst ist es mindestens vorübergehend vorbei mit den beschaulichen Ausflugsfahrten auf der Elbe. Am Freitag wollen Hildebrand und Pötzsch erklären, wie sie mit ihren Rettungsbemühungen vorangekommen sind.

Burkhard Ehlen, der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe, versteht den Vorschlag von OB Hilbert. Vor allem deshalb, weil das Einsatzgebiet der Flotte dem Gebiet entspricht, in dem auch der VVO aktiv ist. Das sind die Landkreise Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Meißen sowie die Stadt Dresden, ausgenommen ist der VVO-Landkreis Bautzen. "Rechtlich und organisatorisch" könne er sich die Dampfschifffahrt unter dem Dach des VVO vorstellen, sagt Ehlen. 

Das könne wie bei der Dampfeisenbahngesellschaft funktionieren, erklärte OB Hilbert vergangene Woche seinen Vorschlag. Das Unternehmen betreibt die Kleinbahnen auf dem Fichtelberg, im Lößnitzgrund und im Weißeritztal. Ein Drittel der GmbH gehört dem Verkehrsverbund Mittelsachsen, auf dessen Gebiet die Fichtelbergbahn fährt. Zwei Drittel sind VVO-Eigentum, weil im VVO-Bereich die Weißeritztalbahn und die Lößnitzgrundbahn fahren.

Damit es hier weitergeht, muss sich für die Flotte ein Weg aus der Insolvenz finden.
Damit es hier weitergeht, muss sich für die Flotte ein Weg aus der Insolvenz finden. © Sven Ellger

Finanziert werden die kostspieligen Kleinbahnen durch sogenannte Regionalisierungsmittel. Das ist Geld, das vom Bund kommt und im Rahmen der Bahnreform durchgereicht wird, um den früher zentral organisierten Schienenverkehr zu regionalisieren. Für die Kleinbahnen darf es verwendet werden, weil die Züge vor allem früher auch als Alltagsverbindungen zwischen den Städten und Gemeinden an den Strecken dienten.

Für den Schiffsverkehr auf der Elbe dürfte das Geld nicht verwendet werden, gibt VVO-Chef Ehlen zu Bedenken. Auch dann nicht, wenn es wie vom OB vorgeschlagen einen Linienverkehr auf dem Fluss geben würden, den die Dampfschifffahrt anbietet und der so ähnlich wie Bus und Bahn in Dresden funktioniert. Wasserbusse, sozusagen. Denn es darf ihm Rahmen der Bahn-Regionalisierung nur für den Schienenverkehr ausgegeben werden.

Doch bis der VVO tatsächlich das Steuer übernehmen könnte, wäre es ein weiter Weg. Zuerst müsse ein Konzept dazu her, sagt Ehlen. Dabei stellt sich die Frage, wie die neue Organisationsform sein könnte und wer das finanzielle Risiko trägt. "Ohne Wasser kein Geschäft und ohne Geschäft lässt sich kein Geld verdienen, das wird auch immer die Problematik in der Zukunft sein." 

Dass dabei am Ende die rund 500 Kommanditisten, die Privateigentümer der Flotte, an Bord bleiben, kann sich Ehlen nicht vorstellen. "Für Privateigentümer der Schiffe wird man keine öffentlichen Zuschüsse geben." Am Ende der vielen Fragen, auf die es noch Antworten braucht, sieht Ehlen den Verkehrsverbund aber durchaus gerüstet für die Flotte. "Ich glaube, organisatorisch kann der VVO das schon", stellt er fest.

VVO wäre "heillos überfordert"

Das sieht Michael Lohnherr ganz anders. Er war selbst Chef der Flotte. Der Verkehrsverbund ist dafür die falsche Adresse, ist er überzeugt. Er wäre damit "heillos überfordert, weil er von diesen Dingen nichts versteht", meint Lohnherr, das sei gar nicht Sache des VVO. Um seine Ablehnung richtig zu deuten, fügt er hinzu, das sei nicht als Kritik am VVO zu verstehen. 

Und Lohnherr beerdigt noch einen Vorschlag: den, dass der Freistaat so wie bei der Porzellanmanufaktur in Meißen als alleiniger Eigentümer die Geschicke der Dampferflotte in die Hand nehmen könnte. Schon jetzt funktioniert die Zusammenarbeit nicht gut, meint Lohnherr. "Bei der Dampfschifffahrts-GmbH und im Verwaltungrat der Dampfschifffahrts-KG hat der Freistaat die Mehrheit", erklärt er. "Und wenn der Freistaat als Unternehmer tätig wird, ist da - glaube ich - nie was Gutes bei rausgekommen." 

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