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Die TU Dresden ist Elite, was nützt es uns?

Die Universität bekommt viele Millionen Euro zusätzlich. Wie ganz Sachsen profitieren könnte, kommentiert SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön.

© dpa/SZ

Die TU Dresden bekommt mehr als 100 Millionen Euro – zusätzlich. Das meiste vom Bund. Sie zählt zu den besten Universitäten Deutschlands, und sie darf deshalb noch einmal kräftig investieren als Elite-Uni. Sie wird das Geld ausgeben für teure Geräte, für neue Gebäude, für beste Köpfe – für die vor allem. Für Professoren, Laboranten und Studenten. Die entscheiden letztlich darüber, ob die TU Dresden das ist, was jetzt auf dem Etikett drauf steht: Elite. Oder exakter: Exzellenz.

Zur besseren Uni wird sie allein durch das Elite-Siegel ganz sicher nicht. Die 100 Millionen Euro helfen da schon eher. Aber auch das macht nicht den Unterschied. Nur, wenn diese Universität dauerhaft und glaubhaft überzeugen kann, dass die Dinge hier besser laufen als anderswo, dann hat sie gewonnen. Das ist hart. Und so bleibt die Elite zwar ein schöner Titel; wie gut oder wie schlecht es hinter der Fassade aussieht, wird sich letztlich aber nicht verbergen lassen. Die internationale Jury hat in diesem Jahr weit hinter die Fassade der TU geschaut, und sie war überzeugt.

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Elite ist indes nicht nur schön und hilfreich. Sie verpflichtet, ein Stück besser zu sein als andere. Sich mehr um die Studenten zu kümmern als andere, die besseren Forschungs- und Arbeitsbedingungen zu haben. Also auch weg von lebenslangen Patchwork-Zeitarbeitsverträgen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Von nun an sind es die Spitzenforscher, die Top-Doktoranden und besten Abiturienten, die die Uni haben will und braucht. Da muss sie ihnen schon etwas bieten. Sie werden hinter die Fassade schauen und schnell merken, ob es sich hier gut forschen oder studieren lässt. 

Exzellenz bekommt man halt nicht einfach mal so verliehen, die muss ständig nachgewiesen werden. Erst recht in der Wissenschaft. Da zählen keine Befindlichkeiten, da zählen Ergebnisse, Patente, Nobelpreise. Okay, ganz so weit ist es noch nicht. International haben Elite-Unis eben einen noch ganz anderen, viel höheren Standard mit Milliarden-Budgets. Angesichts dessen wäre es schon herausragend, wenn es denn der TU Dresden gelänge, nicht nur zu den zehn besten Unis Deutschlands zu gehören, sondern künftig auch unter die Top einhundert weltweit aufzusteigen.

Dass es Dresden als einzige Universität in einem ostdeutschen Bundesland bis hierher geschafft hat, das hat sehr viel mit den Jahren und Jahrzehnten davor zu tun. Zu den Chips kamen Gene, zu denen die Zellen, dann eine Spitzenmedizin, letztlich eine neue Art von organischer Chemie. Und die ist wiederum auch für neuartige Chips nutzbar. Da schließt sich der Kreis – nicht ganz. Den Superrechner, einst vor allem für die Physiker gebaut, nutzen heute die Literaturwissenschaftler und Historiker ebenso.

Die TU will als Elite-Uni namhafte Wissenschaftler nach Dresden holen.
Die TU will als Elite-Uni namhafte Wissenschaftler nach Dresden holen. ©  Christian Juppe (Symbolbild)

Die jetzige Elite-Entscheidung für Dresden bleibt auf unbefristete Zeit, so sich die Uni nicht selbst durch Fehlleistungen disqualifiziert. Dieser Wettbewerb wird vorerst nicht wiederholt. Auch deshalb ist die Entscheidung so wichtig. Für die TU, wie für Dresden, für Sachsen. Kleine wie große innovative Firmen hier, jetzige und künftige werden dies zu nutzen wissen. Eine Top-Uni in der Region zählt so viel, manchmal sogar mehr als Fördergelder. Und die Region, die davon profitiert, endet eben nicht an Dresdens Stadtgrenze.

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