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Corona: Wie verkraften Rödertaler die Krise?

Die Psychotherapeutin Leonore Bachler arbeitet seit einigen Wochen in Radeberg. Sie hat verschiedene Tipps, um der Krise auch persönlich Herr zu werden.

Leonore Bachler, arbeitet seit April im Medizinischen Versorgungszentrum neben dem Asklepios-Krankenhaus Radeberg. Zuvor war sie am Städtischen Klinikum in Dresden tätig.
Leonore Bachler, arbeitet seit April im Medizinischen Versorgungszentrum neben dem Asklepios-Krankenhaus Radeberg. Zuvor war sie am Städtischen Klinikum in Dresden tätig. © René Meinig

Radeberg. Das hatte sich Dr. Leonore Bachler anders vorgestellt: Anfang April, gerade auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, fand das erste Therapiegespräch mit einem Patienten in Radberg statt. Die Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie war vom Städtischen Klinikum Dresden ans Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) nach Radeberg gewechselt. „Die ersten Sitzungen mit Mundschutz waren ungewöhnlich. Gerade bei Therapiegesprächen ist es ja wichtig, auch die Mimik des Gegenübers zu erkennen, seine Reaktionen."

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Auch aus einem anderen Grund war es ein ungewöhnlicher Beginn. „Möglicherweise bestand Unsicherheit, ob während der Corona-Krise überhaupt Behandlungen im gewohnten Umfang stattfinden können, deshalb war die Nachfrage nach Terminen anfangs zurückhaltend.“ Vor allem aber wurde für sie deutlich, wie unterschiedlich die Reaktionen auf den Lockdown ausfielen. „Auf Homeoffice beispielsweise haben die einen mit Stressreaktionen reagiert. Plötzlich fiel der gewohnte Tagesablauf weg, jeder musste sich selber um seine Arbeitsorganisation kümmern, vielleicht noch zusätzlich um Kinder“, sagt die Psychotherapeutin. „Für andere wiederum ist es eine bereichernde Erfahrung: Ich kann meine Zeit selber einteilen. Ich spare mir den Arbeitsweg. Bei einigen Menschen, die auf die ungewohnte Situation mit Stress reagieren, kommt es zu Angstzuständen, zu Depressionen oder anderen Leiden.“

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Freilich kann sie niemandem, der seinen Arbeitsplatz verloren hat, einen neuen besorgen. „Darum geht es in einer Therapie ja auch nicht. Manchmal sitzen die Probleme ja auch tiefer und die Krise war der Auslöser, manchmal hilft aber auch ein anderer Blick auf die Umstände. Das kann eine Therapie durchaus leisten.“Mitunter helfen einfache Dinge, die schwierige Zeit gut zu meistern, sagt sie. „Jeder sollte seine Tagesstruktur beibehalten, sollte zu festen Zeiten aufstehen, die Mahlzeiten einnehmen und eben nicht Nächte lang vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen. In jeden Tagesablauf sollte auch Bewegung gehören, ein Spaziergang oder eine viertel Stunde Gymnastik.“, sagt Lenore Bachler.

Die positiven Seiten der Krise

Wichtig gerade in dieser Zeit: nicht ununterbrochen Nachrichten schauen. „Dann drehen sich die Gedanken nur um die Krise. Vielmehr sollte sich jeder auch anderen Dingen widmen. Vielleicht gibt es einen Garten, oder es kann etwas Leckeres gekocht werden.“ Das Aufkommen von Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Krise hat möglicherweise mit Stress und Angst zu tun, so die Medizinerin. „Jeder sucht nach Erklärungen für das Ereignis, und solche Theorien wirken auf den ersten Blick auch schlüssig. Oft kommt auch eine Unzufriedenheit mit den Umständen hinzu, die zu solch radikalen Ansichten verleitet.“ Die Medizinerin sieht auch positive Seiten der Krise. „Viele Menschen machen die Erfahrung, wie gut es tut, andere zu unterstützen. Nachbarn vielleicht, Familienangehörige oder Freunde. Andere haben den Corona-Stillstand sicher auch als Entlastung empfunden, als Zeit, zur Ruhe zu kommen, gemerkt, dass es etwas anderes gibt, als in der Freizeit beispielsweise immer mehr erleben zu müssen, dem Freizeitstress mal zu entkommen.“

Eine Arbeitsstelle mit Vorteilen

Dass Leonore Bachler nach Radeberg gekommen ist, hat einen einfachen Grund. Das MVZ, das zum Asklepios-Konzern gehört, hatte die Stelle ausgeschrieben. „Ich habe in Marburg studiert und dann im Städtischen Klinikum Dresden, im Zentrum für seelische Gesundheit Weißer Hirsch und im Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf gearbeitet. Nach meinem Facharztabschluss im Städtischen Klinikum wollte ich mich beruflich neu orientieren“, sagt sie.Die Stelle am MVZ hat für sie viele Vorteile. „Im Gegensatz zu einer eigenen Praxis arbeite ich hier im Team. Das bin ich vom Krankenhaus gewohnt, das war mir wichtig. Meine Kollegen sind drei Internisten, mit ihnen kann ich Fachfragen klären.“ Das ist gerade bei psychosomatischen Leiden wichtig. „In diesem Fachgebiet geht es ja um körperliche Beschwerden, bei denen oft nicht nur körperliche Ursachen zu finden sind. Rückenschmerzen beispielsweise, Hautveränderungen oder auch Zahnschmerzen. Ich versuche dann, das seelische Problem, das mitunter dahintersteckt, deutlich zu machen.“

Ihre Patienten kommen überwiegend aus Radeberg und der Umgebung. Es sind aber auch Dresdner darunter. „Sie werden meist von der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung vermittelt.“ Meist kommen ihre Patienten selbst in ihre Praxis zu einem Erstgespräch. Dabei wird entschieden, ob eine Therapie notwendig ist oder andere Beratungen geeigneter sind. Patienten mit psychosomatischen Leiden werden meist von anderen Fachärzten überwiesen.

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