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Großenhain

Großenhainer Geschäfte in Zwangspause

Die Händlergemeinschaft "Großenhain aktiv" muss sich wie die Kunden auf eine lange Durststrecke einstellen. Wie kann der Einzelhandel überleben?

Falk Majok-Bökelmann, Citymanager Alexander Ehrke und Jan Dingfelder hoffen für die Innenstadthändler auf Kundentreue.
Falk Majok-Bökelmann, Citymanager Alexander Ehrke und Jan Dingfelder hoffen für die Innenstadthändler auf Kundentreue. © Kristin Richter

Großenhain. Eigentlich wollten Jan Dingfelder als neuer zweiter Vorsitzender und Falk Majok-Bökelmann als neuer Beisitzer von "Großenhain aktiv" gleich durchstarten. Doch schon bei der  Wahlversammlung des Vereins stellte sich heraus, dass Einkaufsnacht und Stadtkunstfest als Großveranstaltungen abgesagt werden müssen. Und nun folgt wegen Corona auch noch die Schließung aller Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren verkaufen. Ab Donnerstag bis 20. April. Ausgenommen ist der Wochenmarkt. "Die Stadtverwaltung stellt gerade eine Liste aller Gewerbe zusammen, die geöffnet bleiben können", so Citymanager Alexander Ehrke am Dienstagnachmittag. 

Eine Vorankündigung bei Facebook auf "Einkaufen in Großenhain" wurde schon bis zum Mittag fast 100 Mal geteilt. "So eine große Reichweite hatten wir noch nie", sagt der Citymanager. Doch freuen kann er sich darüber kaum, ist doch der  Onlinehandel nicht so betroffen wie die meisten Innenstadtgeschäfte. "Kauft nicht im Internet ein, sondern unterstützt nach der Aufhebung der Schließung UNSERE Läden, Gewerbetreibende, Dienstleister und Gastronomen in der Stadt", bittet Alexander Ehrke. Jan Dingfelder und Falk Majok-Bökelmann, beide Ladenbetreiber, pflichten ihm bei. Vielleicht rückt die Gesellschaft in dieser Ausnahmesituation wieder näher zusammen, wünschen sie sich.

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Der eine verkauft im "Selectorz" Bekleidung und Accessoires, der andere Uhren und Schmuck. "14 Tage Schließung kann ich mir vorstellen, aber mehr als vier Wochen - das ist der schlimmste Ernstfall", ist Jan Dingfelder vom unteren Frauenmarkt entsetzt. Beide Händler  glauben, dass dieser Verlust nicht zu kompensieren ist. Auch die Kunden seien ja finanziell betroffen, denn für viele Selbstständige fallen ebenfalls Einnahmen weg, so Falk Majok-Bökelmann. Ein langer Atem wird jetzt nötig sein. Und vielleicht rückt die Gesellschaft in dieser Ausnahmesituation wieder näher zusammen. Viel länger als 2002 nach der Flut.

Das Reizwort Coronoa hat dieser Großenhainer Laden am Frauenmarkt auf ganz eigene Weise buchstabiert. 
Das Reizwort Coronoa hat dieser Großenhainer Laden am Frauenmarkt auf ganz eigene Weise buchstabiert.  © Kristin Richter

Jan Dingfelder sagt, er hat Ware bestellt, die er nicht so einfach stornieren kann: Saisonware. "Ich muss jetzt Pläne mit den Großhändlern machen und mit den Herstellern reden, damit wir eine Lösung finden", so der Großenhainer. Zum Tornado 2010 haben ihn seine Partner unterstützt. Doch jetzt ist das kein lokal begrenzter Ausfall, sondern flächendeckend.

Sollen sie nun Kredite aufnehmen, fragen sich die Inhaber der Geschäfte. Doch diese Kredite müssten irgendwann zurückgezahlt werden. Was kann die Umsatzeinbußen auffangen? Falk Majok-Bökelmann hat schon versucht, sich bei der Arbeitsagentur zu melden. "Der Server war überlastet", sagt er. Jan Dingfelder weiß, dass man Formulare für Kurzarbeitergeld auch ohne Anmeldung herunterladen kann. Er will den Link weiterleiten, doch die nötige PIN werde von Arbeitsagentur mit der Post verschickt. In Majok-Bökelmanns Geschäft arbeiten nur Familienmitglieder, Dingfelder hat einen Angestellten schon nach Hause geschickt, Überstunden abbummeln. Doch eine zweite Angestellte ist noch da.

"Bei der Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung entsteht gerade ein Newsticker mit allen nötigen Informationen", sagt Alexander Ehrke. Diese Infos sind als Handreichung für die von der Schließung betroffenen Geschäfte gedacht. Schon ist der Ticker online. "Wir müssen schnell und kurzfristig handeln", weiß Ehrke. Riesige Rücklagen hat in Großenhain wohl kein Händler. Doch unterkriegen lassen will man sich bei "Großenhain aktiv" auch nicht. 

Wäre es nicht so dramatisch, würde das Ziel, mehr Ruhe zu haben, sogar dem angestrebten Leitbild der Stadt "Citta slow - langsame Stadt" entsprechen. "Wir haben viele Dresdner als Kunden, die am Wochenende nach Großenhain kommen, um hier Fahrrad zu fahren", sagt Falk Majok-Bökelmann. Großenhain ist touristisch attraktiv, auch im Einzelhandel. "Einmal den Frauenmarkt rauf und runter, und du hast alles", ergänzt Jan Dingfelder.

Auf ihren Servicevorteil und die Gemütlichkeit des hiesigen Einkaufens wollen die neuen Macher der Fördergemeinschaft setzen, wenn die Corona-Krise hoffentlich bald vorbei ist. Auch auf nachhaltige, faire Produkte. Jan Dingfelder hat bis dahin den Vorteil, dass er zusätzlich einen Ebay-Shop im Internet betreibt. 

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"Bei uns können die Kunden auch Waren reservieren", sagt dazu Falk Majok-Bökelmann. Die Händler gehen davon aus, dass den Menschen in der bevorstehenden Zwangspause die sozialen Kontakte fehlen werden. "Die Leute werden die Einschränkungen merken", ist Alexander Ehrke überzeugt. Auf der Internetseite "Einkaufen-in-Großenhain" sollen sie dennoch alle nötigen Informationen erhalten. Die Seite wird auch demnächst überarbeitet.

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