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Meißen

Gibt es Arzneimittel-Hamsterkäufe?

Die Apotheken im Kreis Meißen arbeiten am Limit. Ein Medikament ist derzeit besonders gefragt.

Vor allem Desinfektionsmittel sind bei Oliver Morof in seiner Moritz-Apotheke in Meißen gefragt. Aber auch Erkältungsmittel stehen hoch im Kurs.
Vor allem Desinfektionsmittel sind bei Oliver Morof in seiner Moritz-Apotheke in Meißen gefragt. Aber auch Erkältungsmittel stehen hoch im Kurs. © Claudia Hübschmann

Meißen/Radebeul. Desinfektionsmittel, Mundschutz, Handschuhe. Alles Mangelware derzeit. Apotheker haben rund um die Uhr zu tun. Auch in Meißen, Coswig und Radebeul. Verkaufszahlen kennen sie natürlich noch nicht. Zu ersten Eindrücken können sie aber etwas sagen. Doch die Wahrnehmung unterscheidet sich ein wenig. 

In einem sind sich alle einig. „Desinfektionsmittel sind stark nachgefragt“, sagt Oliver Morof, Inhaber der Moritz-Apotheke in Meißen. Doch das verwundert niemanden. Stündlich werde danach gefragt, sagt eine Mitarbeiterin der Triebischtal-Apotheke. Ebenso nach Mundschutz und Handschuhen. Auch die sind derzeit vergriffen. 

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Schon längst dürfen die Apotheken Desinfektionsmittel selbst herstellen, doch „wir bekommen nicht mehr die Grundstoffe, wie wir sie bräuchten“, sagt Morof. Doch nicht nur die Grundstoffe sind ein Problem, es fehlen auch die großen Flaschen, in die das selbst hergestellte Desinfektionsmittel abgefüllt werden muss“, sagt Elke Kressmann, Inhaberin der Kronen-Apotheke in Coswig.

Der normale Mundschutz ist wie in den anderen Apotheken auch bei Oliver Morof vergriffen, „wir versuchen nächste Woche noch welche zu bekommen“, sagt er. Damit schützt man aber vor allem andere, wenn man selbst infiziert ist. Wenn man husten oder niesen muss, wird nicht gleich alles in der Luft großflächig verteilt.

Ein kleiner Vorrat wird angeschafft

Und wie sieht es mit Arzneimitteln aus? Medikamente, wie sie zur Erkältungszeit benötigt werden, danach fragen Patienten auch verstärkt. So die Aussagen der meisten Apotheker. „Ich habe schon den Eindruck, dass die Leute ein wenig auf Vorrat kaufen“, sagt Morof. Dabei betont der Apotheker, dass es nur sein Eindruck ist. 

Einzelne Arzneimittel wie Grippostad gegen grippale Infekte und Erkältungskrankheiten oder Paracetamol sind besonders gefragt. Morof sagt aber auch, dass sie nicht mehrere Packungen an den Einzelnen verkaufen. Man gebe normale Mengen ab, so als hätte man aktuell Beschwerden. 

Aber prinzipiell, so meint er, „holen die Patienten ganz normal ihre Arzneimittel, also Rezepte für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes.“

Das Schmerz- und Fiebermedikament Paracetamol wird besonders viel benötigt, in Tablettenform oder flüssig. „Für Kinder haben wir keinen Saft mehr da“, sagt eine Mitarbeiterin der Triebischtal-Apotheke. Kronen-Apothekerin Elke Kressmann meint aber: „Es ist eine ganz normale hohe Nachfrage wie in jedem Winter.“ Zudem sagt sie, sei der Bedarf nicht höher als vor zwei Jahren. „Das kennen wir alles schon.“ 

Eine Mitarbeiterin einer anderen Apotheke sagt , dass eine hohe Nachfrage nach Paracetamol mit Tag X auf Y zu spüren war. Und zwar, als in verschiedenen Medien die Nachrichten kursierten, dass Paracetamol dem Schmerzmittel Ibuprofen vorzuziehen sei.

Die Erfahrungen der Apotheker schwanken also. Einige sind verständlicherweise auch ein wenig genervt. Denn die Apotheken sind voll. So meinte beispielsweise eine Mitarbeiterin der Spitzgrund-Apotheke in Coswig auf die telefonische Anfrage der Sächsischen Zeitung: „Wir haben so viel zu tun. Wir haben für solche Fragen keine Zeit. Tut mir leid.“

Doch das große Thema ist nach wie vor: Desinfektionsmittel. Vor allem, weil mit dieser hohen Nachfrage nirgendwo gerechnet wurde. So erzählt eine Apothekerin, dass sie vor der Corona-Krise Desinfektionsmittel schon wegwerfen musste, weil das Verfallsdatum abgelaufen war. Und nun ist es Mangelware. 

Besonders kritisch ist das aber für pflegende Personen, die darauf angewiesen sind. Beispielsweise beim Katheterwechsel: „Es ist schlimm, wenn wir dann angerufen werden und den Leuten mitteilen müssen, dass wir kein Desinfektionsmittel mehr haben.“

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