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Soll der Weinhübler Bahnhalt bleiben?

Wenn der Bahnhalt am Berzdorfer See kommt, soll der Weinhübler wegfallen. Das sorgt für Diskussionen.

© Nikolai Schmidt

Volle Parkplätze am Berzdorfer See. Auf beinahe 30 Grad ging die Temperatur am Wochenende rauf. Entsprechend voll waren die Stellflächen am Nordoststrand wie an der Blauen Lagune im Süden. Die Stadt Görlitz plant zum einen, die Parkkapazitäten zwischen Nordstrand und Deutsch Ossig zu erweitern. Zum anderen soll der See per Bahn leichter erreichbar sein. 

Diskussion geht in sozialen Netzwerken weiter

Schon länger gibt es die Idee eines Bahnhalts Deutsch Ossig. Ebenso lange hängt daran aber eine Bedingung: Der Bahnhalt Weinhübel soll wegfallen. Die Diskussion nahm im jüngsten Stadtrat wieder Fahrt auf - als es darum ging, das Geld für den neuen Haltepunkt in den Haushalt einzustellen. Und letztlich um die Frage, ob dafür der Bahnhalt Weinhübel wirklich schließen muss. Denn, so argumentiert die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne, die Verhältnisse in Weinhübel hätten sich geändert. Die Entwicklung des Kühlhauses, der Behindertenwerkstätten oder auch der DPFA-Regenbogenschule habe dafür gesorgt, dass mehr Menschen den Halt Weinhübel nutzen als einst. Der Stadtrat hat Sommerpause, in den sozialen Netzwerken aber geht die Diskussion weiter.

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Wie stark wird Weinhübel wirklich genutzt?

Mancher ist skeptisch, was die Zahlen in Weinhübel angeht. Die tatsächliche Frequentierung des Haltepunktes wäre zunächst zu untersuchen, schreibt etwa Christopher Weiß auf Facebook. Wenn dafür der Halteplatz Deutsch Ossig kommt, könne er mit einer Schließung von Weinhübel leben. „Schließlich ist Weinhübel an die Straßenbahn angeschlossen.“

Genau andersrum sieht es ein anderer Görlitzer. Er ist skeptisch mit Blick auf einen neuen Haltepunkt Deutsch Ossig: "Es gibt aktuell ein ÖPNV-Angebot, was selten ausgelastet ist", scheibt er. Zum Berzdorfer See fährt der Bus der Linie E. "Dieser bedient sogar den Anfang und das Ende des Nordstrands in Deutsch Ossig." Er fürchtet, mit dem neuen Bahnhalt am See würden letztlich Bus und Bahn gegeneinander ausgespielt werden. Wie sich der neue Bahnhalt auf den Busverkehr auswirken würde, ist noch nicht bekannt. 

Ein Bushalt war jedenfalls bislang geplant als Alternative für den Bahnhalt Weinhübel. Der CDU-Stadtrat Helmut Goltz spricht sich dafür aus, die bisherigen Beschlüsse, die in den vergangenen Jahren bereits häufig debattiert worden seien, nicht über den Haufen zu werfen, "zumal es auch in diesem Fall eindeutige wirtschaftliche Bedingungen gibt, die sich nicht geändert haben für den ZVON und die DB." Der Halt der Eisenbahn am See und die Einbindung Weinhübels in den Busverkehr sei die Zukunft, "die von der Stadt Görlitz finanziert und gestaltet werden muss." An dem Punkt solle der neue Görlitzer Stadtrat ansetzen und weiterführende Ideen einbringen. 

Haltepunkte sprechen unterschiedliches Publikum an

Gegen den neuen Bahnhalt Deutsch Ossig ist die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne in der Debatte ausdrücklich nicht. Aber beide Stationen seien wichtig, so Fraktionssprecher Mike Altmann. "Sie erfüllen völlig unterschiedliche Zwecke und sind nicht vergleichbar."

So würde der Haltepunkt Deutsch Ossig vermutlich überwiegend in der warmen Jahreszeit, an Nachmittagen und Wochenenden frequentiert werden, nimmt ein Görlitzer Facebook-Nutzer an, „während in Weinhübel Schultage und Arbeitszeiten die Fahrgastzahlen bestimmen“.

Zwei Bedarfshalte und gut ist?

Zweimal Bedarfshalt und gut, findet ein weiterer Facebook-Nutzer. Die Schwierigkeit dabei: Muss der Zug an zwei statt einer Stelle halten, braucht er etwa zwei Minuten länger. Neben dem Punkt, dass der Bahnhalt Weinhübel, soll er erhalten bleiben, modernisiert werden müsste, ist die Zeit das Hauptproblem. Das sei der Stadt erst zu Jahresbeginn von Deutscher Bahn und Zvon nochmals bestätigt worden, hatte Bürgermeister Michael Wieler im jüngsten Stadtrat erklärt. Tatsächlich habe es zwar auf der Strecke Görlitz-Zittau Optimierungen gegeben, die in diesem Fall aber nicht weiterhelfen, unter anderem, weil die Strecke zu großen Teilen einspurig ist. Dann gehe es auch um nicht mehr passende Zug-Anschlüsse. 

Bereits im Stadtrat gab es den Einwand, dass sich Fahrpläne in den vergangenen Jahren aber immer wieder verändert haben. Thomas Baum, für die SPD im Kreistag und früher Mitglied im Landesausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, bestätigt die Problematik aber: "Diese zwei Minuten fehlen auf der eingleisigen Strecke in der Tat auf der Gesamtrelation Zittau-Görlitz", schreibt er. "Zittau und Cottbus sind beide Nullknoten, das heißt,  Ankunft kurz vor der vollen Stunde und Abfahrt direkt zurück wenige Minuten nach der vollen Stunde", erklärt er. "Die Oberlausitzer Pendler in Richtung Berlin müssen fast immer Sorge haben, ob der Anschluss in Cottbus von/nach Berlin geschafft wird." Mike Altmann hält dagegen: "Allein im Vergleich der Fahrpläne 2017 bis 2020 variiert die Fahrzeit auf der Strecke Horka-Zittau um bis zu vier Minuten."

Wie er auf Facebook mitteilt, will die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne nun Fakten sammeln. Zum Beispiel zu den tatsächlichen Nutzerzahlen in Weinhübel und welche Möglichkeiten es zeitlich geben könnte, Weinhübel als Bedarfshalt zu erhalten. 

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