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Riesa

Goltzschaer peppelt Bussard wieder auf

Aus Liebe zu Tieren hat Winfried Müller den Jagdschein gemacht. Doch jagen will er sie nicht.

Winfried Müller kümmert sich um Bussard Bussi. Die beide respektieren sich.
Winfried Müller kümmert sich um Bussard Bussi. Die beide respektieren sich. © Sebastian Schultz

Goltzscha. Es ist ein eher schlichter Name für so  einen majestätischen Greifvogel. Bussi heißt der Mäusebussard, den Winfried Müller in seinem Garten pflegt. Der Goltzschaer war nicht unbedingt begeistert, dem Wildtier einen Namen geben zu müssen. Den habe der Vogel beim Tierarzt erhalten. Meerschweinchen Fridolin, Hund Bello oder Kater Hugo - alle müssen einen Namen erhalten, sonst werden sie in der Kartei nicht registriert. So wurde aus dem Bussard namenlos kurzerhand der Bussard Bussi.

Seit fast einem Jahr lebt Bussi nun schon bei Winfried Müller. "Er war ganz jung , vielleicht acht Wochen, und konnte nicht mal richtig fliegen", erinnert er sich. Leute aus Leckwitz hatten ihn im vergangenen Sommer bei einem Spaziergang auf Goltzschaer Flur gefunden. "Sie hatten sich gewundert, warum er nicht wegfliegt", sagt Müller. 

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Für ihn war das Verhalten des Tieres jedoch wenig verwunderlich, denn dabei handelte es sich um einen sogenannten Ästling. Falkner bezeichnen so noch nicht flügge gewordene Greifvögel oder Eulen, die Nest oder Bruthöhle zwar verlassen haben, jedoch auf Ästen sitzend von den Altvögeln weiter gefüttert werden.

Mäusebussard Bussi hat durch die falknerische Anbindehaltung relativ freien Ausflug im Garten.
Mäusebussard Bussi hat durch die falknerische Anbindehaltung relativ freien Ausflug im Garten. © Sebastian Schultz

Bussi muss bei einem seiner ersten Flugversuche zu Boden gefallen sein, wo ihn die Spaziergänger entdeckten und zu Müller brachten. Es hat sich in Nünchritz und Umgebung herumgesprochen, dass sich der ehemalige Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik mit Greifvögeln sehr gut auskennt. 

Bis zu seiner Rente war Winfried Müller Anlagenleiter im Chemiewerk Nünchritz. Dort wurde eines Tages seine Leidenschaft für die Tiere geweckt. Ein Mitarbeiter brachte ihm einen Turmfalken ins Büro, den er auf dem Werksgelände fand. Müller kümmerte sich um den Jungvogel, fuhr ihn zum Tierarzt und wilderte ihn gesund wieder aus. Seitdem hieß es, wenn irgendwo im Chemiewerk ein verletztes Tier gefunden wurde: Erstmal zu Müller! 

"Tiere hatte ich schon immer", erinnert sich der 68-Jährige. In seinem Garten gibt es neben Greifvögeln Schildkröten, Kaninchen und einen Teich mit Koi-Karpfen. Eine Zeit lang habe er auch Schlangen besessen. In den 1990er Jahre habe er dann seinen ersten Falken aufgepeppelt.

Hilfe auch für Wildtiere

Als er vor ein paar Jahren in den Vorruhestand ging, absolvierte er eine Falkner-Ausbildung. Doch um Falkner zu werden, musste er erst einen Jagdschein machen. Denn die Falknerei gilt als Jagd mit Greifvögeln. "Aber ich jage nicht, sondern will den Tieren nur helfen", sagt der Goltzschaer. 

Dabei kümmert er sich nicht nur um die Tiere in seinem Garten, sondern auch die Wildtiere in der Umgebung. Wie zum Beispiel um ein Rotmilan-Pärchen, das in etwa 300 Meter Entfernung in einem Baumwipfel seinen Horst gebaut und zurzeit Junge hat.  Wenn der Rotmilan-Vater über sein Haus kreist, wirft Müller ihm ab und zu einen Happen Fleisch auf den Rasen. Der Milan schnappt es und bringt es zu seinem Nachwuchs. "Die finden ja sonst nichts auf den ganzen Rapsfeldern ringsherum", sagt er. Müller hofft, seinen Teil am Erhalt des Milan-Population beizutragen. 

Es gelingt ihm aber nicht immer, Vögel zu retten. Ein ehemaliger Kollege brachte ihm einen Mauersegler. Sechs Wochen lang habe er sich um den kleinen Vogel gekümmert. "Ich habe ihn in den Wind gehalten und gesagt: Flieg los!", erzählt Müller. "Aber er wollte nicht." Der Mauersegler erholte sich nicht und starb. 

Auch Schildkröten besitzt Winfried Müller in seinem Garten.
Auch Schildkröten besitzt Winfried Müller in seinem Garten. © Jörg Richter

Das soll mit Bussard Bussi nicht passieren. Auch wenn sein Federkleid zurzeit ziemlich gerupft auszieht. Er leidet an der Federkielmilbe, die sein Gefieder abbrechen lässt. Zudem erhält Bussi Medizin gegen die Kropfseuche und gegen Madenwürmer auf der Zunge. "Ich hoffe, dass er sich erholt", sagt Müller.

Wenn der Mäusebussard wieder fit sei, will er ihn zurück in die Natur lassen, auch wenn er weiß, dass es schwer sein wird. Denn der Wildvogel könnte sich auch an die Gefangenschaft gewöhnt haben, frisst neben Mäusen und Kücken auch sehr gern Brotstücke.   

Einmal im Jahr organisiert Winfried Müller eine Dankeschön-Veranstaltung für Unterstützer, Freunde und Familie. Bis 25 Leute lädt er zu sich in den Garten ein und berichtet dabei, welche Tiere er gerade betreut. Auch für den 6. Juni war wieder so ein geselliger Abend geplant. Doch wegen der Corona-Pandemie musste er ihn leider absagen.  

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