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Grüner Neubau am Neustädter Bahnhof

Neben dem Porsche-Autohaus entstehen an der Großenhainer Straße Büros. Welche Besonderheiten in dem Gebäude geplant sind.

So wird der neue Bürokomplex aussehen, der Ende dieses Jahres fertig werden soll.
So wird der neue Bürokomplex aussehen, der Ende dieses Jahres fertig werden soll. © Visualisierung: TLG Immobilien AG

Dresden. Fast 20 Jahre lag die Fläche neben dem heutigen Porsche-Autohaus am Neustädter Bahnhof brach. Doch seit Sommer vergangenen Jahres drehen sich auf dem einstigen Areal des VEB EAW-Elektronik Dresden, dessen Gebäude zur Jahrtausendwende abgebrochen worden waren, Kräne. Die TLG Immobilien AG errichtet an der Großenhainer Straße 5-7 den Bürokomplex Neustadt Effizienz Offices (Neo), der vier Stockwerke und ein Dachgeschoss bekommt. Im Juli vergangenen Jahres hatte die Stadt die Baugenehmigung für das knapp 25 Meter hohe Gebäude mit sechs Treppenhäusern erteilt. Im August waren die Bauleute angerückt.

Grüne Panoramaterrasse und versickerndes Regenwasser

Bereits bei der Planung war besonderer Aufwand betrieben worden. Eine kleinteilige Klinkerfassade und teilweise Fenster über zwei Etagen werden die Ansicht prägen. Dem hatte auch die Gestaltungskommission der Stadt zugestimmt. „Mit Neo entwickeln wir ein dringend in der Stadt benötigtes Bürohaus für moderne Raumansprüche, das höchsten Nachhaltigkeitskriterien entspricht“, erklärt Benjamin Albrecht, der bei TLG Immobilien für die Projektentwicklung leitet. In dem Gebäudekomplex sollen auf 15.000 Quadratmetern Büros entstehen. „Der Neubau kommt gut voran“, so Albrecht. „Bereits vor der Fertigstellung haben wir nun schon 43 Prozent der verfügbaren Flächen an klassische Büromieter vermietet.“

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Neben dem Ziegeldach bekommt der Komplex eine grün gestaltete Panoramaterrasse mit Bänken, auf der die Mitarbeiter der Firmen auch Pausen verbringen können. Von dort aus sind die Radebeuler Weinberge und auch die Silhouetten der Innenstadt zu sehen. Geplant ist, dort auch Moose und Farne anzupflanzen sowie Bienenkörbe aufzustellen.

Ganz ökologisch wird auch der Hof angelegt. Bäume, Rasen und Bänke werden dort das Bild prägen, erläutert Polier Silvio Jäschke von Köster Bau, der die Arbeiten leitet. Unter der Oberfläche wird ein Regenversickerungssystem mit sogenannten Rigolen angelegt. So kann Wasser vom Hof und den Flachdächern unterirdisch gespeichert werden, bis es im Untergrund versickert. Nur das überschüssige Regenwasser fließt in den Kanal. Das ist ein Punkt, weshalb das Gebäude das international anerkannte LEED-Nachhaltigkeitssiegel für ökologisches Bauen bekommen soll.

Das Flachdach wird noch begrünt. Von dort aus bietet sich herrliche Ausblicke ins Dresdner zentrum und bis zu den Radebeuler Weinbergen.
Das Flachdach wird noch begrünt. Von dort aus bietet sich herrliche Ausblicke ins Dresdner zentrum und bis zu den Radebeuler Weinbergen. © Foto: Marion Doering

Platz ist knapp - Gebäude wächst in Etappen

Auf der Fläche der TLG Immobilien war 2005 zuerst das Porsche-Autohaus errichtet worden. Das soll aber auch wieder weichen. Die Hamburger List Develop Commercial will dort ab Herbst dieses Jahres ein Hotel errichten, das 2022 öffnen soll.

Das jetzige TLG-Grundstück ist 8.200 Quadratmeter groß. Es liegt zwar extrem verkehrsgünstig mit guten Anschlüssen zur Autobahn, zum Nahverkehr und auch zur S-Bahn am nahen Neustädter Bahnhof. Doch der Platz beim Bau ist knapp, erläutert Projektleiter Yves Herrmann von Köster Bau. Um Kosten und Bauzeit bei dem 40-Millionen-Euro-Projekt zu sparen, geht nur eine Ebene des Parkdecks in die Tiefe, die andere liegt darüber. Auf den beiden Etagen ist Platz für 124 Pkw- und 176 Fahrradstellplätze.

„Da wir sehr wenig Platz haben, können wir den Rohbau nicht in einem Zuge hochziehen“, erklärt der Projektleiter. Deshalb wächst der Gebäudekomplex in fünf Abschnitten. Während an einem Ende bereits die Balken des Dachstuhls emporragen, arbeiten am anderen Ende die Bauleute noch an der Stahlbetonkonstruktion fürs Erdgeschoss. Und so gibt es dort eine Besonderheit, die sonst nur in südlichen Ländern zu sehen ist. Aus den Deckenplatten der Etagen des benachbarten Rohbaus ragen die Stahlbewehrungen für den letzten Gebäudeteil noch seitlich heraus.

Da der Platz so knapp ist, musste an der Zufahrt der Kran auf besondere Weise aufgestellt werden. Er bietet mit seinem Kranportal unten eine große Öffnung, sodass Baustellentransporte hindurchfahren können.

Der Gebäudekomplex wird aufgrund des knappen Platzes in Etappen gebaut. Zuletzt wird der Teil gebaut, wo ganz rechts im Bild noch keine Etage steht.
Der Gebäudekomplex wird aufgrund des knappen Platzes in Etappen gebaut. Zuletzt wird der Teil gebaut, wo ganz rechts im Bild noch keine Etage steht. © Foto: Marion Doering

Tschechische Handwerker können weiter arbeiten

Bis zu 100 Handwerker arbeiten derzeit auf der Baustelle - unter anderem Roh- und Trockenbauer, Zimmerleute, Maler und Bodenleger. „Schon im Februar war der erste Teil so weit, dass wir mit dem Innenausbau beginnen konnten“, sagt Herrmann. „Es ist jetzt aber so eng, dass die ankommenden Transporter sogar auf der Großenhainer Straße warten müssen.“ Auch während der Coronakrise ist der Bau zügig vorangekommen. Etwa die Hälfte der Bauleute kommt aus Tschechien. „Sie sind während dieser Zeit hiergeblieben, sodass sie weiter arbeiten konnten.

Ein Blick in die künftigen Büroräume, die flexibel abgetrennt werden können.
Ein Blick in die künftigen Büroräume, die flexibel abgetrennt werden können. © Foto: Marion Doering

Bürowände können je nach Erfordernissen errichtet werden

Die Büros können flexibel aufgeteilt werden, da Wände je nach Wunsch der künftigen Mieter eingebaut werden können, erläutert Herrmann. Flexibilität ist auch durch die Hohl- und Doppelböden möglich, die in vielen Räumen eingebaut werden. In denen verlaufen die Leitungen. „So ist es auch im Nachhinein möglich, Datenkabel oder weitere Elektroleitungen zu verlegen“, sagt der Projektleiter.

Dächer des Bürokomplexes wachsen zusehends

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Derzeit wird an den Dachstühlen gearbeitet. „Zu einem richtigen Haus gehört auch ein richtiger Dachstuhl“, sagt Polier Jäschke. Der 40-jährige Meißner hatte seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Nach seinem Meisterabschluss arbeitet er seit über zehn Jahren in der Bauleitung. Nicht nur das Dach, sondern auch die flexiblen Bodensysteme, die Klinkerfassade und den Hofgestaltung findet Jäschke bei diesem Projekt sehr gut. Sein Chef Yves Herrmann ist froh, dass alles es so planmäßig läuft. „Trotz der Coronakrise sind wird schneller als gedacht“, erklärt der Projektleiter. Zufrieden zeigt sich auch TLG-Projektentwickler Albrecht, dass der Neo-Neubau wie geplant Ende dieses Jahres fertig wird, sodass die Mieter in ihre Büros einziehen können.

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