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Görlitz

Geheiratet wegen Corona

Am Mittwoch haben Sandra und Rainer Cechlovsky sich in Görlitz das Ja-Wort gegeben. (Fast) Allein im Standesamt.

Alleine im Trausaal: Hat auch was, finden Sandra und Rainer Cechlovsky.
Alleine im Trausaal: Hat auch was, finden Sandra und Rainer Cechlovsky. © privat

Zu viert waren sie im Trausaal im Görlitzer Standesamt: Sandra und Rainer Cechlovsky, die Standesbeamtin und eine Freundin, die Fotos machte. Nicht trotz der Coronakrise hat das Paar am Mittwoch geheiratet. Sondern wegen Corona haben sie ihre Hochzeit vorgezogen und ließen sich im ganz kleinen Kreis trauen. "Es war ein Traumtag", sagt Sandra Cechlovsky. Geplant war der ursprünglich anders.

Große Feier wird nachgeholt

Die beiden haben sich auf Arbeit kennengelernt. Sandra Cechlovsky stammt aus Zittau und zog wegen der Arbeit vor einigen Jahren nach Görlitz. Rainer Cechlovsky stammt aus Dortmund, lebte eine Weile in der Schweiz und kam 2013 in die Oberlausitz. Ebenfalls wegen des Jobs. Heiraten wollte das Paar eigentlich am 14. August. "Wir brauchen nicht im Konjunktiv zu sprechen. Wir werden im August feiern", sagt Rainer Cechlovsky. "Fürs Herz", ergänzt seine Frau. "Wir haben nur das Formelle vorgezogen." 

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Denn Rainer Cechlovsky hat eine Vorerkrankung, erklärt er. Er gehört also zur Gruppe derer, bei denen eine Corona-Infektion eine schweren Verlauf nehmen kann. Mit Trauschein in der Tasche ist es im Fall der Fälle einfacher mit dem Besuchsrecht im Krankenhaus und anderen Fragen. "Es war also eine sehr rationale Entscheidung", sagt er. 

Keine Angst-Hochzeit

Aber keine aus Angst. Sehr gelassen wirken die beiden. Vielleicht auch deshalb, weil bei ihnen weniger Verunsicherung herrscht. Auf eine gute Hygiene haben sie mit ihrem gesundheitlichen und auch beruflichen Hintergrund immer geachtet. Mundschutz trägt Rainer Cechlovsky weder jetzt noch bisher. "Es sind eher Kleinigkeiten, die ich aber eigentlich normal finde." Das regelmäßige Händewaschen beispielsweise. "Ich frage mich im Moment wirklich manchmal, ob das bei anderen bislang nicht so war", sagt er  mit einem Schmunzeln. Und Sandra Cechlovsky ist Biotechnologin. "Wenn man Bakterien und Viren mal unterm Mikroskop gesehen hat und weiß, was sie anrichten können, ist man schon vorsichtiger."

Brautkleid in einer halben Stunde gefunden

Am Donnerstagabend vorletzter Woche fiel die Entscheidung, die Hochzeit vorzuziehen. „Einen Termin beim Standesamt zu bekommen, war zum Glück noch möglich“, sagt Sandra Cechlovsky. Am Freitagabend vorletzter Woche - da waren noch alle Geschäfte offen - machte sie sich auf Brautkleid-Suche. "In einer halben Stunde hatte ich es." In einem Görlitzer Brautmodenladen hat sie damit laut der Verkäuferin den Rekord der schnellsten Braut gebrochen. Ein kurzes, weißes Kleid hatte sie dort anprobiert. "Ich bin so begeistert davon. Das werde ich auch im August noch einmal tragen."

Flitterwochen daheim

Nicht so einfach: passende Schuhe. "Ich habe ohnehin sehr kleine Füße", außerdem ist jetzt in den Geschäften noch nicht die Zeit für sommerliche Pumps. Aber Sandra Cechlovsky traf auf eine Verkäuferin mit Mut - die zu dem Kleid Sneaker vorschlug. "Das war ein Stilbruch, aber einer, der dennoch gepasst hat." Noch größere Unterstützung kam vom Juwelier: Ihre Eheringe hatten sich die beiden bereits ausgewählt. Aber sie waren noch nicht da. Der Juwelier bot ihnen an, dass sie sich ein anderes Ring-Paar für die Hochzeit leihen dürfen. „Er hat sie sogar für uns graviert. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Wir dürfen sie behalten, bis unsere Ringe fertig sind.“ Ihre Flitterwochen verbringen die beiden jetzt daheim – mit Frühlingsputz, Stubentigerprogramm und Homeoffice. „Es ist eigentlich ein normaler Alltag“, sagt Sandra Cechlovsky.

Keine Absagen von Nieskyer Paaren

Bei Hochzeitsgesellschaften erhalten im Görlitzer Standesamt derzeit generell nur das Hochzeitspaar und ein Fotograf Zutritt. Genauso oder ähnlich halten es andere Kommunen. In Kodersdorf ist das aber mehr Theorie als Praxis: März und April scheinen dort ohnehin keine Monate zum Heiraten zu sein. Standesbeamtin Margitta Dittrich muss lange in ihrem Kalender blättern bis zur nächsten Hochzeit. „Sie ist erst für den 23. Mai vorgesehen. Bis dahin finden bei uns keine Trauungen statt. Es wurden auch keine verschoben“, berichtet sie.

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In Niesky wird sich dagegen weiter das Ja-Wort gegeben  - im um diese Zeit üblichen Maß, sagt Doreen Scholz als leitende Standesbeamtin. „Wir haben bisher auch keine Absagen beziehungsweise Verschiebungen von Hochzeiten. Die Leute bestehen auf ihren Termin.“ Dennoch muss sich das Standesamt täglich neu orientieren und sich an die Regelungen halten. So darf derzeit nur das Brautpaar vor der Standesbeamtin erscheinen. In Einzelfällen Familienangehörige wie die eigenen Kinder. Weitere Anmeldungen nimmt das Nieskyer Standesamt derzeit aber nicht an, weil das Rathaus für den Publikumsverkehr geschlossen ist. „Eine telefonische Anmeldung für eine Eheschließung ist nicht möglich. Das Brautpaar muss persönlich erscheinen, schon wegen der Unterschriften“, erklärt Doreen Scholz.

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