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Riesas Kirchen bleiben Sonntag leer

Auch die gelockerten Regeln seien guten Gewissens nicht umsetzbar, heißt es aus dem Pfarramt. Zu Corona kommt jetzt noch ein Personalproblem.

Blick in die Trinitatiskirche in Riesa. Wann hier wieder ein Gottesdienst stattfinden kann, ist weiterhin unklar.
Blick in die Trinitatiskirche in Riesa. Wann hier wieder ein Gottesdienst stattfinden kann, ist weiterhin unklar. © Lutz Weidler

Riesa. Sie wären eigentlich wieder zulässig, doch in den Kirchen in Riesa werden auch bis auf Weiteres keine Gottesdienste stattfinden. "Die Gottesdienste wären zwar wieder möglich", erklärt Andreas Wolf von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde, "aber die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt." Für die Kirchgemeinde ist das ein Problem. "Es ist für uns schlicht nicht machbar, an der Tür zu stehen und Leute abzuweisen." 

Das wäre unweigerlich der Fall, rechnet Andreas Wolf vor. Die Gottesdienste in Riesa werden demnach in der Regel von 40 oder mehr Personen besucht, in einzelnen Fällen sind es auch mehr als 100. Man stelle sich nur die Situation vor, verdeutlicht Wolf: Eine ältere Frau kommt am Sonntag zur Kirche, und muss abgewiesen werden, weil sie eben Nummer 16 ist. "Das möchte keiner. Der Kirchenvorstand hat deshalb beschlossen, dass es vorerst keine Gottesdienste geben kann." 

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Kirche bleibt offen

Das bedeute allerdings mitnichten, dass die Kirche geschlossen ist, betont Andreas Wolf. "Sie bleibt zur persönlichen Andacht geöffnet, und während der geplanten Gottesdienstzeiten ist auch ein Ansprechpartner vor Ort." Auch die Pfarrämter sind während der regulären Öffnungszeiten besetzt, aber für den Besucherverkehr geschlossen. Für Anmeldungen von Beerdigungen sei die Friedhofsverwaltung weiterhin erreichbar.

Ganz ähnlich ist es auch bei der katholischen Gemeinde in Riesa. "Bei uns wird am Sonntag ebenfalls noch kein Gottesdienst stattfinden", sagt Pfarrer Markus Scholz. Die Gründe sind ähnlich wie bei der evangelischen Kirche. Es sei auch noch nicht ganz klar, wie sich ein Gottesdienst veranstalten lasse, und gleichzeitig das Risiko einer Infektion klein halten. Schließlich würden Tröpfchen schon beim Sprechen und Singen in die Luft gelangen - und beides sind nun einmal elementare Bestandteile des Gottesdienstes. 

Als wäre die Situation nicht schon genug, kommt für die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde in Riesa jetzt auch noch ein Personalproblem  dazu. Pfarrer Gunter Odrich hatte am 19. April per Videostream im Internet seinen letzten Auftritt in dieser Funktion. "Er geht auf eigenen Wunsch in den Vorruhestand", erklärt Andreas Wolf. "Ende des Monats wird er vom Meißner Superintendenten Andreas Beuchel in einem nichtöffentlichen Gottesdienst im kleinen Kreis entpflichtet und verabschiedet." Eine Verabschiedung vor der versammelten Gemeinde müsse noch warten. "Eigentlich haben wir hier drei Pfarrstellen. Aber eine ist bereits seit April 2019 nicht besetzt. Ein Nachfolger für Pfarrer Odrich ist nicht in Sicht", sagt Andreas Wolf. Denn die Stelle kann anscheinend erst neu ausgeschrieben werden, wenn "allgemeine Strukturfragen der Landeskirche geklärt sind."

Glaubitzer Pfarrer muss aushelfen

Damit steht für das Gebiet, das von Riesa über Strehla bis nach Bloßwitz und Staucha reicht, zur Zeit nur Pfarrer Grasemann zur Verfügung. Ab 27. April hilft zunächst der Glaubitzer Pfarrer Martin Scheiter  dabei, die Notversorgung im Pfarrbereich sicherzustellen. "Dazu gehören dann neben der allgemeinen Seelsorge alle Amtshandlungen, zum Beispiel Taufen." 

Zumindest eine andere Nachfolgerfrage sei bereits geklärt. "Unsere langjährige Kirchkassiererin Martina Rusch wechselt nach 41 Jahren Ende April ebenfalls in den Ruhestand", sagt Andreas Wolf. "Sie hat sich hier als Kirchkassiererin treu und gewissenhaft um alle geldlichen Angelegenheiten der großen Kirchgemeinde Riesa mit ihren 40 Mitarbeitern gekümmert und wird ebenfalls still verabschiedet." Ihr Nachfolger ist schon gefunden, er werde derzeit in die Stelle eingearbeitet. "Der Kirchenvorstand dankt Beiden herzlich und wünscht ihnen und ihren Familien Gottes reichen Segen und beste Gesundheit."

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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