merken
PLUS Görlitz

Kennt sich AfD-Politiker mit Protz-Projekt aus?

Sachsen will einen ICE von Berlin über Weißwasser und Görlitz nach Polen. Landtagsabgeordneter Wippel kritisiert das. Seine Begründung ist aber seltsam.

Der Görlitzer Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel hält die Elektrifizierung der Strecke Görlitz - Zittau für fragwürdig. Laut sächsischem Wirtschaftsministerium ist dies aber vorerst gar nicht geplant.
Der Görlitzer Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel hält die Elektrifizierung der Strecke Görlitz - Zittau für fragwürdig. Laut sächsischem Wirtschaftsministerium ist dies aber vorerst gar nicht geplant. © Matthias Weber/Nikolai Schmidt

Die geplante ICE-Verbindung von Berlin über Weißwasser und Görlitz nach Polen  (SZ berichtete) trifft offenbar nicht den Nerv von Sebastian Wippel.  Der Fakt ist nicht neu, das Vorhaben hat der Görlitzer AfD-Landtagsabgeordnete schon immer abgelehnt. Doch seine Begründung ist dieses Mal seltsam.

Er kritisiert jetzt unter dem Titel "Strukturentwicklung mit Augenmaß statt teure Protz-Projekte" den angeblichen Aufbau einer "Parallelstruktur aus Regionalbahn und ICE im Komplex Zittau - Görlitz - Cottbus." Es sei fragwürdig, die relativ unbedeutende Nebenstrecke von Görlitz bis Zittau zu elektrifizieren. Ministerpräsident Kretschmer wolle offenbar politische Wunschprojekte durchdrücken, "... um so beim Geldverbrennen sogar noch glänzen zu können", so Wippel weiter.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Bahnstrecke Görlitz - Zittau wird nicht elektrifiziert

Allerdings hat sich der AfD-Politiker dabei offenbar nicht richtig informiert. Denn von einer - wie er schreibt - "ICE-Verbindung zwischen Görlitz und Zittau" ist bisher nirgends die Rede. Zwar sollen die Strecken "Berlin - Cottbus - Görlitz" und auch "Dresden - Bautzen - Görlitz - Grenze" mithilfe von Kohleausstiegs-Geldern auf ICE-Niveau gehoben und damit auch elektrifiziert werden.  Dies zieht jedoch nicht automatisch Gleiches auf dem Abschnitt zwischen Görlitz und Zittau nach sich, wie der Freistaat bestätigt.

Kathleen Brühl vom Sächsischen Wirtschaftsministerium stellt klar, dass die sogenannte Neißetalbahn lediglich ein Anhang  zum Kernprojekt "Dresden - Bautzen - Görlitz - Grenze" ist und nicht der Verbindung "Berlin - Cottbus - Görlitz - Breslau" zugeordnet sei. Außerdem stehe noch längst nicht fest, was mit dem Abschnitt geschehen soll. "Welche Ausbau- und Elektrifizierungsparameter hier zugrunde gelegt werden, wurde bisher nicht untersucht und wird mit der polnischen Seite noch abzustimmen sein", so die Ministeriumssprecherin.

Sebastian Wippel legt sich erneut mit der sächsischen Regierung an. Diesmal geht es um die angebliche Elektrifizierung der Bahnstrecke Görlitz - Zittau.
Sebastian Wippel legt sich erneut mit der sächsischen Regierung an. Diesmal geht es um die angebliche Elektrifizierung der Bahnstrecke Görlitz - Zittau. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Polnische Staatsbahn saniert Streckenabschnitt

Dass die Neißetalbahn durchaus mit dem von Wippel eingeforderten Augenmaß qualitativ verbessert wird, zeigen die Baumaßnahmen der vergangenen Monate. Seit 2018 führe die polnische Staatsbahn PKP auf dem 12,4 Kilometer langen Streckenstück, das zwischen Görlitz - Hagenwerder und Hirschfelde im Nachbarland liege, Sanierungsarbeiten durch, informiert Kathleen Brühl. Diese sind nun inzwischen abgeschlossen. Damit soll nun künftig die Befahrbarkeit der Strecke mit 80 Stundenkilometern möglich sein.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz