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Papageien-Posse in Riesa

Passanten sichten die Vögel auf einem Baum an der Stegerstraße. Doch wer soll sie einfangen?

Zwei entflohene Papageien, vermutlich Loris, haben am Donnerstag die Feuerwehr auf den Plan gerufen.
Zwei entflohene Papageien, vermutlich Loris, haben am Donnerstag die Feuerwehr auf den Plan gerufen. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Zwei bunte Ausreißer haben am Donnerstag in Riesa für Aufsehen gesorgt. Anwohner der Stegerstraße hatten die beiden Papageien auf einem Apfelbaum entdeckt. Wem sie gehörten, war am Donnerstag zunächst unklar. Und das war nicht die einzige offene Frage am Donnerstagmittag.

Unklar war zunächst auch, wer für das Einfangen der Vögel überhaupt zuständig ist, die ganz offensichtlich aus ihrem Käfig entflogen waren. Das berichtete ein Anwohner, dem die Tiere aufgefallen waren. Aus dem Tierheim hieß es, für Exoten sei man eigentlich nicht zuständig. „Das übernimmt meines Wissens das Tierheim in Meißen“, sagt Tierheim-Chef Uwe Brestel, „vielleicht auch der Tierpark“. D

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ort allerdings wurde wieder ans Tierheim zurückverwiesen. Denn es handle sich im Grunde doch um Haus-, keine heimischen Wildtiere. Letztendlich wagte die Feuerwehr, bewaffnet mit Kescher, einen Fangversuch. „Unsere Aufgabe ist das eigentlich nicht, weil keine Gefahr besteht“, betont Wehrleiter Robert Gudat. Da man aber wisse, dass dem Tierheim dafür die Möglichkeiten fehlten, habe man sich der Sache angenommen. In diesem Fall allerdings erfolglos: Die Tiere waren zu scheu und flogen ihren Häschern einfach davon.


Der Fangversuch von Oberbrandmeister Peter Kunze (r.) blieb aber erfolglos. Hilft eine Falle mit Futter?
Der Fangversuch von Oberbrandmeister Peter Kunze (r.) blieb aber erfolglos. Hilft eine Falle mit Futter? ©  Sebastian Schultz

Die Chance, sie auf diese Weise zu erwischen, ist auch relativ gering, vermutet Gerhard Herrmann vom Riesaer Tierpark. Eigentlich brauche es eine Lockfalle mit Futter oder im wahrsten Sinne des Wortes einen Lockvogel, der die Vögel hineinlockt. Auch das sei aber nicht leicht. „Papageien sind sehr schlau. Wenn das einmal schiefgeht oder man nur einen fängt, tappt der andere sicher nicht noch mal hinein.“ Das mühselige Prozedere des Vogelfangens hat Herrmann schon einmal hinter sich. „Vor Jahren hatten wir einmal versucht, Sittiche in Weida anzulocken.“ Geklappt hat das nicht. Trotzdem will sich Herrmann die Vögel am Freitag noch einmal ansehen und der Stegerstraße einen Besuch abstatten.

Die Chance, dass die Tiere dann auch noch da sein werden, ist relativ hoch. In der Regel blieben ausgerissene Papageien relativ standorttreu. Ihre Überlebenschancen seien derzeit auch recht hoch. Vermutlich handelt es sich um Loris. Die Art ist zwar eigentlich in Indonesien, auf Papua-Neu-Guinea und in Australien heimisch. Sie kommt im Sommer aber auch in unseren Breiten gut zurecht, weil sie dann genügend Futter findet – hauptsächlich Obst, sagt Gerhard Herrmann.

Ihre einzige Sorge sind Greifvögel, die die bunten Vögel natürlich besonders leicht entdecken könnten. Nur dass die Vögel in der Region auch erfolgreich brüten und Populationen bilden könnten, glaubt Gerhard Herrmann nicht. Dafür sei das Futterangebot im Winter einfach zu schlecht.

Er hält es auch für möglich, dass die beiden Papageien von sich aus nach Hause zurückkehren. „In der Regel suchen die ihr Heim auf, vor allem dann, wenn sie in einer Außenvoliere leben.“ Nur bei einer reinen Wohnungshaltung seien die Chancen dafür etwas geringer.

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Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass exotische Tiere in Riesa ausgebüxt sind – und es sind bei Weitem nicht bloß Sittiche und Papageien. Im vergangenen Jahr erschreckte etwa eine Königsnatter die Bewohner einer Hochhaus-Wohnung. Auch ein Chamäleon sei schon mal im Riesaer Tierheim als Fundtier abgegeben worden, sagt dessen Leiter Uwe Brestel.

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