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Ein Waldfriedhof für das Osterzgebirge

Ein Unternehmer möchte in der Grimmschen Heide eine neue Form des Bestattens etablieren. Bisher gab es nur Zustimmung. Doch die Hürden sind hoch.

Johannes von Hertell stellt sein Projekt Bestattungswald Hirschbach vor.
Johannes von Hertell stellt sein Projekt Bestattungswald Hirschbach vor. © Karl-Ludwig Oberthür

Noch sieht der Wald, in dem Johannes von Hertell steht, wie viele andere aus. In zwei, drei Jahren soll das anders sein. Dann wird man hier zu den Gräbern von verstorbenen  Angehörigen und Freunden laufen. So sieht es das Konzept Waldfriedhof Osterzgebirge vor, dass der 31-jährige Unternehmer in einem Waldgrundstück der Grimmschen Heide verwirklichen möchte. Dieser eigne sich hervorragend dafür, findet er. Die Fläche ist eben. Hier wachsen hauptsächlich Buchen, Eichen, Birken, Kiefern und Fichten. Ein typischer Mischwald, wie ihn viele kennen und mögen. 

Ein weiterer Vorteil: Der Wald gehört ihm. Der Hirschbacher bewirtschaftet etwa 600 Hektar Wald rund um den Wilisch und in der Grimmschen Heide. Außerdem vermietet und verpachtet er Ferienwohnungen. Sein drittes Standbein ist die Gewinnung von Ökostrom. Der Waldfriedhof soll sein viertes Standbein werden. Perspektivisch soll er zwei Leuten Arbeit geben. Die könnten bereits in einem Jahr loslegen. 

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Denn der Hirschbacher möchte den Waldfriedhof in gut einem Jahr eröffnen. Von Hertell hofft, dass er bis dahin alles geregelt bekommt. Die erste Hürde hat der Unternehmer bereits  genommen. Er konnte den Glashütter Stadtrat für das Vorhaben gewinnen. Der beschloss in seiner jüngsten Sitzung bei einer Enthaltung einstimmig, das die Stadt Glashütte die Trägerschaft und damit auch die Kontrolle über das Grabregister übernehmen wird. 

Das war notwendig, denn ein Privater kann zwar einen Waldfriedhof betreiben, Träger darf er aber nicht sein. Diese Aufgabe kann nur eine Kommune übernehmen. Bürgermeister Markus Dreßler (CDU), der für Zustimmung für das Vorhaben geworben hat, sagte, dass ein Waldfriedhof den Geist der Zeit nach alternativen Bestattungsformen widerspiegelt. Dem sollte sich die Stadt nicht verschließen.

Können Wildschweine die Urnen ausbuddeln?

Nun arbeitet von Hertell daran, die zweite Hürde zu nehmen. Er braucht die Genehmigung des Landratsamtes Pirna. Dazu muss er ein Bodengutachten vorlegen, in dem er nachweist, dass der Waldboden geeignet ist, um dort Urnen einbringen zu können. Diese sollen 80 Zentimeter tief vergraben werden. "Die Mindesttiefe ist 50 Zentimeter", sagt der Unternehmer. Er wolle wie andere Friedhofsbetreiber aber auf Nummer sicher gehen und dreißig Zentimeter tiefer gehen. Damit sollte sich die Frage geklärt haben, die ein Stadtrat gestellt hat. Der wollte wissen, ob die Urnen vor Wildschweinen sicher sind . "In 80 Zentimeter Tiefe sind sie es", sagt von Hertell. 

Bekommt er die Genehmigung vom Landratsamt, möchte der Hirschbacher seine Pläne auf einer Fläche von 20 Hektar verwirklichen. Das ist ungefähr so viel wie 25 Fußballfelder. Er wird einen fünfstelligen Betrag investieren, um einen Teil des Waldes Stück für Stück in einen Waldfriedhof zu verwandeln. Dieser soll entlang der Birkenallee entstehen, die die Märchenwiese Reinhardtsgrimma mit der Hirschbachmühle verbindet. 

Der Hauptweg wird so ertüchtigt, dass er mit Rollatoren und Rollstühlen befahren werden kann. Gut 100 Meter von der Straße entfernt werden die ersten kleinen, gut zwei Meter breiten Wege rechts und links in den Wald abgehen. Auch diese Wege werden barrierefrei sein. Sie werden zu den Bäumen führen, unter denen die Urnen in die Erde eingelassen werden. "Einige Bäume werden wir fällen, damit Licht in den Wald einfällt." 

Bäume für verstorbene Kinder sollen kostenlos sein

Es wird drei verschiedene Gräber geben: den Gemeinschaftsbaum mit acht bis zwölf Urnenplätze. Hier beginnt der Preis bei 500 Euro. Außerdem wird es Familien- beziehungsweise Partnerbäume mit zwei bis vier Plätzen geben, für die die Preise bei 2.000 Euro beginnen. Und es wird Kinderbäume geben. Diese Plätze werden kostenfrei angeboten. 

Eine Grabpflege wie auf "normalen" Friedhöfen soll es hier nicht geben, die Grabstellen wachsen zu. "Wir dokumentieren per GPS, wo die Urnen vergraben wurden". Jede Urne bekommt eine Nummer. Am Parkplatz wird es eine Tafel geben, auf der die Standorte der Nummern angezeigt werden. Standardmäßig werden nur Nummern vergeben. Wer aber möchte, kann auch eine Plakette mit dem Namen des Verstorbenen am Baum anbringen lassen. "Das wollen die meisten", sagt von Hertell nach Gesprächen mit anderen Waldfriedhofsbetreibern. Er hätte das nicht gedacht.

Geschaffen werden soll auch noch ein Andachtsplatz. "Der Waldfriedhof als solcher ist aber konfessionslos", sagt von Hertell. Weil damit indirekt aber eine Konkurrenz zu den kirchlichen Friedhöfen im Stadtgebiet geschaffen wird, hat sich der Unternehmer zuvor mit Vertretern des Kirchspiels Glashütte getroffen. Diese hatten nichts gegen den Waldfriedhof einzuwenden. 

Auch von Hertell glaubt nicht, dass sein Friedhof die anderen in Schwierigkeiten bringen wird. Es gibt zwar einen Trend zu alternativen Bestattungsformen. Doch die Zahl derer, die sich dafür entscheiden, ist noch vergleichsweise gering. Rund 15 Prozent wollen eine See-, Berg- oder Waldbestattung, hat von Hertell in einer Untersuchung gelesen. Der übergroße Teil wählt immer noch die Sargbestattung. Diese Form wird es auf dem Waldfriedhof nicht geben. Das Einzugsgebiet des Waldfriedhofes soll die Region zwischen Freiberg und Pirna sein, ein Umkreis von etwa einer Autostunde. 

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