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Wie der Verkehr die Schlaurother nervt

Autos wie Lkw halten sich nicht an die Begrenzungen im Ort, sagen die Anwohner. Vom OB fordern sie endlich Abhilfe.

Von Susanne Sodan
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Symbolbild
Symbolbild © Matthias Weber/photoweber.de

Kein Stuhl bleibt frei. Vor Kurzem konnte man sehen, dass das Ortschaftszentrum von Schlauroth, der ehemalige Kindergarten, nicht nur marode, sondern wirklich zu klein ist für manche Veranstaltung: In der jüngsten Ortschaftsratssitzung war der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu zu Gast. Ebenso wie zahlreiche Anwohner, die ihre Anliegen loswerden wollten. Um den Neubau des Ortschaftszentrums ging es allerdings nicht. Das Hauptthema war – der Verkehr.

Es geht um zwei Straßen in Schlauroth. Zum einen ist das die Dorfstraße. Die zweigt von der Görlitzer Straße im Ortskern ab und schlängelt sich über einen Kilometer durch Schlauroth in Richtung Pfaffendorf. Und sie war schon oft Thema in früheren Ortschaftsratssitzungen. Zum eine wegen des maroden Zustands. An der Stelle kommt auch das Thema Hochwasserschutz ins Spiel. Die Dorfstraße führt über das Schlaurother Wasser.

Dort, wo Durchlass und Brücke sind, ist die ohnehin schmale Straße noch mal mit einer Bake eingeengt, aus Sicherheitsgründen. Der Durchlass müsste saniert, die Fahrbahn darüber erneuert werden, hat Schlauroths Ortsvorsteher Bernd Wünsche schon häufig angemahnt. Denn sollte die Stelle irgendwann mal nicht mehr befahrbar sein, dann fehlt nicht nur ein Weg für den üblichen Verkehr, sondern auch für den Bus und für Rettungskräfte im Notfall.

Blitzer wären Goldgrube

Zweitens ist die Dorfstraße Schulweg. Viele Kinder, die zur Schulbus-Haltestelle wollen, müssen frühmorgens oder am Nachmittag an der Dorfstraße entlanglaufen. Einen Fußweg gibt es nicht. Ob man nicht einen anbauen könnte, wollten die Schlaurother wissen. Alleine das würde nach Schätzungen der Stadt um die zwei Millionen Euro kosten, erklärte Octavian Ursu. Um das Schulweg-Problem zu entschärfen, wurde streckenweise eine Tempo-30-Begrenzung eingeführt auf der Dorfstraße. Ganz glücklich sind die Schlaurother damit aber nicht. Viel zu selten würde kontrolliert, ob die Autofahrer sich daran halten.

Denn sehr viele würden das nicht tun. Eine dauerhafte Tempomessung forderte deshalb eine Anwohnerin in tinnituserregender Manier. Blitzer in Schlauroth, das wäre überhaupt eine Goldgrube für die Stadt, sind sich die Anwohner einig. Während die meisten sachlich blieben, sorgten ein paar wenige für eine hochgeschaukelte Stimmung. Was insofern verwunderlich wirkt, dass der Schlaurother Verkehr quasi Dauerthema im Ortschaftsrat ist – meist vor leeren Stuhlreihen. Vielleicht durfte Ursu aber auch eine Entwicklung der letzten Monate und Jahre ausbaden: Dass sich die Ortschaftsräte und Ortschaften wiederum zu wenig integriert und angehört fühlen in der Stadtentwicklung.

Vor Jahren gab es die Idee für eine Umgehungsstraße, die Pläne wurden aber nicht weiterverfolgt, weil das Verkehrsaufkommen dafür letztlich nicht hoch genug war. Auch im Moment ist die Südumfahrung kein Thema, „das geben die Zahlen nicht her“, erklärt Ursu. Weniger geworden sei der Verkehr seit damals allerdings auch nicht, sagt Bernd Wünsche. Zunehmend würden viele Autos und Lkw, die aus Zittauer Richtung kommen und in die Görlitzer Innenstadt wollen, über Biesnitz, Pfaffendorf und Schlauroth fahren. „Mein Eindruck ist, das hat zugenommen.“

Ein Eindruck, den auch andere Anwohner teilen: Morgens, wenn die Leute zur Arbeit fahren, sei Krach, und ab 15 Uhr sei wieder Krach. Das betrifft auch die zweite Straße, um die es in der Sitzung ging, die Görlitzer Straße, die von Rauschwalde nach Schlauroth und zur B6 führt. Dort gilt Tempo 50. Aber auch hier würden sich viele nicht dran halten, beklagen die Schlaurother. Als besonders gefährlichen Punkt sehen sie die Einmündung von der Görlitzer in die Dorfstraße, eine scharfe Kurve, die viele mit überhöhter Geschwindigkeit nehmen würden, obwohl in der Nähe auch ein Bushalt ist.

„Das ist lebensgefährlich“

Wünsche hatte sich immer für eine größer konzipierte Lösung eingesetzt und zum Beispiel für eine umfassende Sanierung der Dorfstraße plädiert. Aber wenn die ordentlich ist, dann fahren am Ende vielleicht noch mehr Leute da lang, so die Logik der Anwesenden in der Sitzung. Sie plädieren für mehr Geschwindigkeitsbegrenzung. Ein Vorschlag ist eine Erweiterung der Tempo-30-Strecke, örtlich wie zeitlich. Bisher gilt sie von 7 bis 17 Uhr.

Es seien aber nicht nur Schulkinder, die an der Dorfstraße entlanglaufen, erklärte eine Anwohnerin, sie würde auch am Abend von Fußgängern genutzt. Und der Verkehr sei dann nicht weniger. „Laufen Sie hier abends mal lang“, forderte eine Frau Ursu auf, „das ist lebensgefährlich.“ Ein anderer Vorschlag ist, nahe dem Bushalt der gefährlichen Kurve zwischen Görlitzer und Dorfstraße einen Zebrastreifen zu installieren, das könnte in dem Bereich die Geschwindigkeit rausnehmen. Vor allem wünschen sich die Schlaurother, dass die Begrenzungen eingehalten werden. Die Vorschläge werden überprüft, verspricht Octavian Ursu. Er brachte eine Tempoanzeigetafel zum Beispiel für die Dorfstraße als Vorschlag. Mit deren Wirkung habe die Stadt an anderen Stellen bereits gute Erfahrungen gemacht.

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