merken
PLUS Görlitz

Wie die Bahnsteighalle saniert werden soll

Im Jahr 2022 wird der Bahnhof zur Großbaustelle – bei laufendem Betrieb. Viele Wünsche werden aber unerfüllt bleiben.

Das Glasdach über dem Bahnsteig 11/12 im Görlitzer Bahnhof wurde 2017 repariert. Nun sind größere Arbeiten geplant.
Das Glasdach über dem Bahnsteig 11/12 im Görlitzer Bahnhof wurde 2017 repariert. Nun sind größere Arbeiten geplant. © SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Ein bisschen merkwürdig ist das schon: Die Bahnsteige 7/8 sowie 11/12 im Görlitzer Bahnhof sind bequem per Aufzug zu erreichen, zu den Gleisen 9/10 aber führt nur eine Treppe mit einem Gepäckband am Rand. Doch mit diesem Missstand ist es bald vorbei: „Wenn die Bahnsteighalle saniert wird, erhalten auch die Gleise 9/10 einen Aufzug“, sagt Planer Felix Nagel vom Berliner Büro ZPP Ingenieure.

Gemeinsam mit Erik Spieler von der Bahn-Tochter DB Station&Service AG erläuterte er die Pläne für die Sanierung der Bahnsteighalle jetzt anlässlich des Internationalen Denkmaltages bei einem öffentlichen Vortrag im Kultursalon im Bahnhof. Neben dem Einbau eines dritten Aufzuges stehen dabei Hallendach und Beleuchtung im Mittelpunkt – nicht jedoch Gleise und Bahnsteige. „Diese beiden Sachen kommen erst später, und zwar im Zusammenhang mit der Elektrifizierung“, so Spieler.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Die dreischiffige Bahnsteighalle ist 60 Meter breit, 14 Meter hoch und wurde um 1914 errichtet. „Das Hallentragwerk wurde zuletzt 1985 angepasst, um es wasserdicht zu halten“, sagt Nagel. Jetzt aber seien grundlegende Arbeiten nötig: „Die Dachhaut lässt sich nicht mehr instandsetzen, sie muss erneuert werden.“ Zudem soll der gesamte Stahlbau instandgesetzt werden, inklusive Korrosionsschutz. Das Problem: Dafür müssen alle Gläser entfernt werden. „Beim Ausbau gehen aber sicher viele kaputt“, befürchtet Nagel. Weil der Denkmalschutz auf die Optik pocht, sollen die Gläser originalgetreu ersetzt werden. Auch in der Dacheindeckung soll die Holzschalungs-Optik erhalten bleiben.

Die größte optische Veränderung ist bei der Beleuchtung geplant: Jetzt hängen die Lampen sehr weit oben, künftig sollen sie auf Ständern viel weiter unten leuchten. Das hat zwei Vorteile, sagt Nagel: Sie beleuchten dann direkt die Bahnsteige, nicht mehr die gesamte Halle. Und sie lassen sich einfach und ohne Hubsteiger reparieren, falls sie mal ausfallen. „So einen schlichten, modernen Einbau kann man denkmalpflegerisch verantworten“, so Petra Hoffmann von der Unteren Denkmalbehörde. Mehrere Gäste des Vortrages sahen das anders, sprachen von einem Stangenwald auf den Bahnsteigen und nannten das „furchtbar“.

Dieses Modell der Bahnsteighalle im Bahnhof Görlitz war zum Internationalen Denkmaltag öffentlich zu besichtigen. Es zeigt die Bahnsteige 7 bis 12.
Dieses Modell der Bahnsteighalle im Bahnhof Görlitz war zum Internationalen Denkmaltag öffentlich zu besichtigen. Es zeigt die Bahnsteige 7 bis 12. © Nikolai Schmidt

Ebenso unerfreulich: Die Arbeiten verschieben sich wieder. War zuletzt von einem Baubeginn im Januar 2021 die Rede, so soll nun die Baustelleneinrichtung ab November 2021 aufgebaut werden. Tatsächlicher Baustart ist nach jetzigen Plänen der 1. Februar 2022. Gebaut wird immer nur in einer der drei Hallen – und dort ist auch immer nur eines der beiden Gleise gesperrt, sodass also durchweg fünf von sechs Gleisen in Betrieb sein werden. In den Hallen soll auf verschiebbaren Gerüsten gearbeitet werden, unter denen die Züge hindurchfahren. Nagel rechnet mit drei Monaten Bauzeit pro Halle: „Da sind wir also Ende 2022 mit allen drei Hallen durch.“ Dann folgen noch kleine Restarbeiten und im März 2023 soll alles abgeschlossen sein.

Den Besuchern des Vortrages reichte das nicht aus. Sie forderten einen behindertengerechten Umbau des Südausganges, die Sanierung des Tunnels, der Bahnsteige und natürlich der großen Empfangshalle. Spieler hat für all diese Wünsche Verständnis, bezeichnete sie als berechtigt, machte aber trotzdem wenig Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung. „Alles dauert so lange, weil es viel Geld kostet“, sagte er. Zudem sei der Bahnhof Görlitz eben auch nicht der Allerwichtigste: „So viele Züge halten hier nicht.“ Hinzu komme: „Es gibt auch Stationen, die wegen Sicherheitsmängeln kurz vor der Schließung stehen.“ Dort fange die Bahn an, anderes komme später.

Der Tunnel im Görlitzer Bahnhof sei nicht sauber und ordentlich, aber er werde regelmäßig geprüft. „Klar müssen wir ihn irgendwann angehen“, sagte Spieler. Zeitpläne aber gebe es noch keine. Jetzt sei die Bahnsteighalle dran, als Nächstes wohl die Bahnsteige, dann vielleicht der Tunnel und dann eventuell noch die Empfangshalle. „Auf jeden Fall können wir nicht von heute auf morgen die Welt retten“, sagte Spieler – und zerstörte damit jede Hoffnung auf eine schnelle Komplettsanierung.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/ort/goerlitz

www.sächsische.de/ort/niesky

Mehr zum Thema Görlitz