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Wir brauchen jetzt Erholung!

Corona stresst uns alle. Umso wichtiger ist es, einen Ausgleich für Körper und Geist zu schaffen.

Wandern mit schöner Aussicht im Frankenwald.
Wandern mit schöner Aussicht im Frankenwald. © Verena Wolff/dpa

Von Ilona Bürgel

Viele überlegen zurzeit, ob sie in den Urlaub fahren oder lieber daheim bleiben. Dieses Jahr gelten andere Regeln. Doch selbst, wenn Sie im Homeoffice waren, sollten Sie auftanken. Belastungen brauchen Ausgleich.

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Wir haben unsere Strukturen verloren. Wir waren es gewöhnt, auf eine bestimmte Art unsere Freunde zu treffen oder einzukaufen. Plötzlich war alles anders. Wir haben einen kollektiven Kontrollverlust erlitten. Das macht Stress. Hinzu kam die Atmosphäre der Angst, in der wir auch jetzt noch leben. In Krisensituationen werden Befindlichkeiten in uns, wie Angst oder Ärger, hochgespült. Dadurch verstärkt sich die Angst. Auch Trauer und Kummer erleben viele Menschen gerade mehr als sonst. Und jede negative Emotion kostet Kraft. Ein letzter Aspekt ist, dass jeder von uns plötzlich mehr mit sich selbst konfrontiert ist. Weil so viel weggefallen ist, hatten wir die Gelegenheit, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Das sind wir nicht gewöhnt.

Abstand zu den eigenen Gedanken finden

All dies erfordert Ausgleich, Erholung, Entspannung. Ich möchte deshalb nicht mit Ihnen darüber sprechen, wohin Sie fahren sollten, sondern wie Sie sich mit kleinem Aufwand gut erholen können.

Achten Sie auf Zeit für sich. Das ist der wichtigste Tipp. Keine Zeit, die mit Computerspielen, Nachrichten oder anderen Ablenkungen „vertrieben“ wird. Wir alle sehnen uns nach Aufmerksamkeit, die wir uns zuallererst selbst geben können. Setzten Sie sich an einen schönen Ort, egal wo, und konzentrieren Sie sich auf die Natur, einen Baum, Blumen oder ähnliches und betrachten Sie diese. Betrachten Sie auch Ihre Gedanken. Nutzen Sie folgende Meditationstechnik. Setzen Sie zwischen jeden Gedanken, der Ihnen dabei durch den Kopf geht, ein „ich denke“. Also: „Ich denke, ich bin unruhig. Ich denke, ich muss einkaufen. Ich denke, ich muss die Steuererklärung machen“. Dadurch gewinnen Sie etwas Abstand zu Ihren Gedanken und relativieren diese. Betrachten Sie wohlwollend, was gerade geschieht, auch das Unangenehme. Das ist schwer, ich weiß. Doch es ist im Augenblick nun mal, wie es ist. Die Ablehnung der Situation und der eigenen Gefühle kosten nur Kraft und bringen nichts. Akzeptieren Sie, dass Sie zum Beispiel jetzt keine Arbeit oder keinen Urlaub haben – und dass Sie darüber traurig sind.

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin.
Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin. © Matthias Rietschel

Tun Sie Dinge, die Ihrem Gehirn guttun: Musik hören, noch besser selbst machen, in der Natur sein, mit Freunden zusammen sein oder mit Tieren. Und tun Sie Dinge so, dass sie Ihrem Gehirn guttun. Das heißt aufmerksam und immer nur eines. Zum Beispiel Lesen oder Kaffee trinken, Teammeeting oder E-Mails lesen.

Lächeln Sie, so oft Sie können. Durch die Kontaktarmut fassen wir uns zu wenig an und der Entspannungsbotenstoff Oxytozin wird zu wenig gebildet. Er folgt jedoch auch dem Lächeln und ist ein Gegenspiel zum Stress. Gönnen Sie sich eine Massage oder massieren Sie sich in der Familie gegenseitig Hände und Füße oder massieren Sie sich selbst.

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Und trainieren Sie Erholung so oft wie möglich im Alltag, indem Sie sich regelmäßig Zeit dafür nehmen. Es reicht schon, in der Pause tatsächlich Pause zu machen. Oder sich mit den Gedanken darauf zu konzentrieren, was Ihnen gerade Gutes getan wird bei einem Gespräch, beim Friseur oder beim Essen.

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig.

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