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Warum ist die AfD in Sachsen so erfolgreich?

Eine Umfrage zeigt: Die Menschen in Sachsen sehen die Gründe für den Erfolg der AfD im Freistaat teils erheblich anders als ihre bundesdeutschen Mitbürger.

Von Fabian Deicke
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Dorfchemnitz ist die Gemeinde mit dem deutschlandweit prozentual höchsten Anteil an AfD-Wählern. Fast jeder Zweite wählte in dem Ort in Mittelsachsen die AfD.
Dorfchemnitz ist die Gemeinde mit dem deutschlandweit prozentual höchsten Anteil an AfD-Wählern. Fast jeder Zweite wählte in dem Ort in Mittelsachsen die AfD. © Jürgen Lösel (Archiv)

Dresden. Als am Wahlsonntag die ersten Ergebnisse aus Sachsen eintrudeln, wird schnell klar: Die AfD wird das zuvor schon in Prognosen vorhergesehen starke Ergebnis im Freistaat einfahren. Eine Gemeinde nach der nächsten meldet Zahlen, die Landkarte färbt sich. Blau wird die dominierende Farbe.

Ihren Erfolg von der Bundestagwahl 2017 kann die Partei wiederholen. Trotz Stimmverlusten wird sie wieder stärkste Kraft in Sachsen. Diesmal mit Abstand. Sie holt 24,6 Prozent bei der Zweitstimme und zehn von 16 Direktmandate. Die CDU (17,2 Prozent) wird abgeschlagen drittstärkste Kraft noch hinter der SPD (19,3 Prozent). In keinem anderen Bundesland liegt die AfD so deutlich vorn - auch nicht in Thüringen, wo sie ebenfalls gewinnt.

Wieso ist die AfD in Sachsen so stark? Das hat Sächsische.de mit den Meinungsforschern von Civey in einer repräsentativen Umfrage Menschen bundesweit und in Sachsen gefragt. Das Ergebnis der Umfrage liefert ein interessantes Ergebnis.

Zum Thema: So denkt Sachsen über die Ampel, Scholz und Laschet

Demnach sagen übereinstimmend die Deutschen generell wie die Sachsen im Speziellen, dass der größte Erfolgsfaktor der AfD im Freistaat im "Protest gegen bestehende Strukturen" bestehe. Bundesweit nehmen das 56 Prozent an, in Sachsen etwas mehr: 64 Prozent.

Grafik: Bundesweite Einschätzung des AfD-Erfolgs

Bei der weiteren Beurteilung der Frage, die Mehrfachantworten zuließ, gehen jedoch die Meinungen auseinander. Den "Einfluss rechtsextremer Strukturen" in der sächsischen Bevölkerung sehen in der bundesweiten Auswertung die Befragten als zweitgrößte Ursache (47 Prozent) für den Erfolg der Partei, deren Landesverband seit Februar vom Verfassungsschutz als "Verdachtsfall Rechtsextremismus" geführt wird.

Isoliert nach sächsischen Befragten betrachtet, wird diese Ursache allerdings deutlich weniger als ausschlaggebend für den Wahlerfolg bewertet. Nur 26 Prozent der Sachsen geben diesen Grund an, der jedoch immer noch die drittmeist gegebene Antwort bleibt.

Als zweithäufigste Begründung geben die Sachsen an, dass der AfD-Erfolg auf einer zu geringen Einbindung der Regionen im Bund fußt. 52 Prozent der Sachsen sagen das, in der bundesweiten Betrachtung nur 34 Prozent der Befragten. Ein Ergebnis, das sich zumindest mit der sächsischen Wahllandkarte deckt. Die weist die AfD fast im gesamten ländlichen Raum bis auf wenige Ausnahmen als Sieger aus.

Grafik: Sächsische Einschätzung des AfD-Erfolgs

Information zu Umfragen mit Civey

In diesem Artikel wurde eine Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage wurde 5.703 Mal teilgenommen, aus 5.006 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen. Stichproben für Sachsen entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.