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Sächsischer Politiker will Linken-Chef werden

Sören Pellmann geht auf Distanz zu früheren Äußerungen zur Nato, wirbt für eine Kurskorrektur seiner Partei und hat Ambitionen auf den Posten als Linken-Chef.

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Sören Pellmann hat am Dienstag offiziell seine Kandidatur als Chef der Linkspartei erklärt.
Sören Pellmann hat am Dienstag offiziell seine Kandidatur als Chef der Linkspartei erklärt. © dpa

Leipzig. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann wirbt für eine Kurskorrektur seiner Partei zu Russland und zur Nato. "Wenn man heute draußen fragt: Ist die Nato ein wichtiges Bündnis?, werden nicht wenige das Bejahen", sagte Pellmann. Zwar wachse in der Bevölkerung die Angst vor einer Eskalation des Ukraine-Kriegs und die Skepsis, dass Waffenlieferungen den Krieg beenden würden. Aber: "Die Forderung nach einer Auflösung der Nato ist zurzeit kein Thema."

Der 45-jährige Leipziger ist Ostbeauftragter der Linken-Bundestagsfraktion und hat am Dienstag offiziell seine Kandidatur als Chef der Linkspartei erklärt.

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"Wir sind sehr froh, dass sich mit Sören Pellmann auch aus Sachsen ein Genosse bewirbt, der mit seinem Erfolg unsere Fraktionsstärke im Bundestag mit sicher gestellt hat. Deshalb unterstützen wir Sören Pellmanns Kandidatur nicht nur von ganzem Herzen, sondern auch mit Blick auf die großen Herausforderungen der kommenden Jahre", erklärte Sachsens Linke-Chef Stefan Hartmann. "Unser sächsischer Weg der Linken, auf Kooperation und Gemeinsamkeit zu setzen, wird auch für die Bundespartei hilfreich sein", betonte die Co-Vorsitzende Susanne Schaper. Es gelte das Gemeinsame vor Einzelinteressen zu setzen.

Pellmann ging auch auf Distanz zu eigenen früheren Äußerungen zur Nato. Er hatte eine Erklärung von Sahra Wagenknecht und anderer Abgeordneter zum Ukraine-Krieg mitgezeichnet, die der Politik der USA eine maßgebliche Mitverantwortung "für die entstandene Situation" zuordnete. Heute würde er anders formulieren, sagte Pellmann. "Die Aggression, dieser völkerrechtswidrige und verbrecherische Angriff geht klar von einer Seite aus, nämlich von Russland und dessen Präsidenten."

Linke steckt in tiefer Krise

Offizielle Linie der Linken ist bisher, die Nato durch ein Friedensbündnis unter Einbeziehung Russlands zu ersetzen. Pellmann sagte, jenseits der derzeitigen Kriegssituation halte er das westliche Bündnis tatsächlich nicht für zeitgemäß. "Diese sehr hohen Wehretats und dieses Wettrüsten mit Russland und China halte ich für falsch", sagte er. "Das führt zu einer weiteren Bedrohungssituation und einer Eskalationsspirale."

Die künftige Linie werde beim Parteitag in Erfurt Ende Juni diskutiert werden. "Das langfristige Ziel eines internationalen Sicherheitssystems bleibt eine richtige und wichtige Forderung, auch wenn es aktuell für mich nicht vorstellbar ist, Russland in dieses einzubeziehen", sagte Pellmann.

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