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Ausbildung bei der Radeberger Exportbierbrauerei: "Der Name war entscheidend"

In der Radeberger Exportbierbrauerei kann man nicht nur Brauer und Mälzer lernen, sondern auch Fachinformatiker. Das überregional bekannte Unternehmen findet zwar Nachwuchs, doch der Aufwand ist auch hier größer geworden.

Von Verena Belzer
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Im Herzstück der Brauerei, dem Sudhaus: Richard Säuberlich (links) und Nic Berger sind Azubis bei Radeberger.
Im Herzstück der Brauerei, dem Sudhaus: Richard Säuberlich (links) und Nic Berger sind Azubis bei Radeberger. © Christian Juppe

Radeberg. Die Azubis kennen noch die Geschichten von früher. Von den Großeltern. Als der Buschfunk flüsterte, im Konsum gebe es ein paar Flaschen des kostbaren Guts. Nichts wie hin. Radeberger Bier holen. "Das war zu DDR-Zeiten ja so etwas wie eine zweite Währung", sagt Nic Berger, 19 Jahre alt, und bei der Traditionsbrauerei in Radeberg Azubi. Er lernt im dritten Lehrjahr den Beruf des Fachinformatikers für Systemintegration.

Der junge Mann aus Ottendorf-Okrilla hatte nach seinem Abschluss an der Oberschule insgesamt neun Bewerbungen losgeschickt - und Radeberger hatte am schnellsten zugesagt. "Ich bin eher zufällig darauf gestoßen, dass Radeberger Fachinformatiker ausbildet", erzählt der 19-Jährige. "Da denkt man ja nicht sofort dran." Auch in seiner Familie sei das nicht bekannt gewesen. Die hätte ihn dann auch darin bestärkt, die Stelle anzutreten. Der Name Radeberger macht eben immer noch etwas her.

250 Mitarbeiter in Radeberg

Der Name dieses großen Unternehmens, dessen Bier auf der ganzen Welt ausgeschenkt wird und dessen frühere TV-Werbung mit der Semperoper wohl nahezu jeder im Land kennt, zieht bis heute Nachwuchskräfte an. "Der Name hilft uns ganz bestimmt", sagt Pressesprecher Hendrik Wagner. "Aber wir müssen das dann auch bestätigen." Wäre Radeberger trotz seiner Bekanntheit ein schlechter Arbeitgeber, würde sich das auch schnell herumsprechen.

Etwa 250 Mitarbeiter sind am Standort in Radeberg beschäftigt, die große Mehrheit davon mit der Herstellung des Radeberger Bieres. Jede Flasche Radeberger, die irgendwo auf der Welt getrunken wird, wurde in Radeberg gebraut und abgefüllt. Theoretisch können hier wöchentlich über 4 Millionen Liter Bier gebraut werden - wobei diese Kapazität nicht ausgereizt wird.

Sieben Azubis pro Jahr

Damit die Produktion und Verwaltung technologisch auf dem neuesten Stand sind, gibt es im Haus neben Fachinformatikern auch Elektroniker für Automatisierungstechnik, Fachkräfte für Lebensmitteltechnik, Maschinen- und Anlagenführer, Mechatroniker und natürlich Brauer und Mälzer. All diese Berufe kann man in Radeberg lernen. Jedes Jahr fängt jeweils ein Azubi ein - außer bei den Brauern. Hier sind es pro Jahrgang zwei Lehrlinge.

"Wir bemerken, dass besonders die Ausbildung zum Fachinformatiker beliebt ist", berichtet Hendrik Wagner. "Hier ist die Auswahl an Azubis größer als bei anderen Lehrberufen." Nic Berger hat schon früh Computerteile auseinandergeschraubt und wieder zusammengebastelt, "und ich wollte etwas lernen, das Zukunft hat", sagt er.

Die Radeberger Brauerei sieht das ähnlich. "Im Lauf der Zeit haben wir immer mehr IT-Experten eingestellt", berichte Wagner. "Der Bedarf wird immer größer."

Bewerbungen für Brauer und Mälzer rückläufig

Um den besten Nachwuchs ans Unternehmen zu binden, hat die Brauerei ihre Bemühungen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. "Wir gehen auf Schulmessen, haben Azubi-Botschafter, die in Klassen gehen, haben unsere Präsenz in den sozialen Medien verstärkt", zählt Hendrik Wagner auf. "Wir haben das ganze Thema Ausbildung auf komplett neue Füße gestellt."

Es gehe auch an einem Traditionsunternehmen wie Radeberger nicht spurlos vorbei, dass es das Handwerk aktuell schwerer hat als noch vor einigen Jahren. Die Anzahl an Bewerbungen für Brauer seien in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen.

Und doch hat der Betrieb immer noch zwei neue Brauer-Azubis pro Jahr einstellen können. Einer davon ist der 19-jährige Richard Säuberlich aus Bischofswerda.

Die Branche ist immer noch von Männern dominiert

Nach seinem Abitur habe er etwas Handfestes lernen wollen, erzählt er. Er ist während eines Corona-Lockdowns auf einer digitalen Berufsmesse auf den Beruf des Brauers aufmerksam geworden. Nach einem Praktikum in einer kleineren Brauerei in Bautzen entschied er sich dann vor zwei Jahren für die Radeberger Exportbierbrauerei. "Der Name war da schon auch entscheidend", sagt er. Das Geld hingegen sei zweitrangig gewesen.

Die Brauer und Mälzer überwachen während der Produktion die Prozesse und Abläufe, arbeiten im Sudhaus, Gärkeller oder Lagerkeller. Keiner steht mehr mit einem großen Löffel am Bottich und rührt, die Prozesse sind automatisiert. Das bedeutet, dass man nicht mehr ganz so nah dran ist am Bier, dafür aber auch manche Arbeit weggefallen ist. "Es muss niemand in die Bottiche kriechen, um alles sauber zu machen", sagt Richard Säuberlich. Was ihm besonders gefalle, seien die Sinneserfahrungen, die sein Job mit sich bringt. "Die Arbeit mit den Rohstoffen, der Geruch. Das ist toll."

Ob der Beruf eigentlich so männerdominiert ist, wie man es sich vorstellt? Fast. "In der Berufsschule in Dresden sind wir 30 Brauer-Lehrlinge, davon sind drei Frauen", erzählt Richard Säuberlich. Im Unternehmen seien auch immer mal wieder Frauen ausgebildet worden, doch die seien noch in der Unterzahl, berichtet Pressesprecher Wagner.

Und bei den Informatikern? "Wir haben keine Frau in der Klasse", erzählt Nic Berger.

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