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"Da bricht das ganze Leben zusammen": Arnsdorfer berichtet von Darmkrebserkrankung

Der Arnsdorfer Frank Schubbert erkrankte an Darmkrebs. Wie er die Diagnose erlebt hat, wie er geheilt wurde - und warum er Werbung für die vorsorgliche Darmspiegelung macht.

Von Verena Belzer
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"Ich hab' doch nichts!" Frank Schubbert (links) berichtet, dass das die Reaktion vieler auf seinen Aufruf zur Vorsorge sei. Steffen Pistorius, stellvertretender Chefarzt am Radeberger Krankenhaus, hat ihn vom Darmkrebs geheilt.
"Ich hab' doch nichts!" Frank Schubbert (links) berichtet, dass das die Reaktion vieler auf seinen Aufruf zur Vorsorge sei. Steffen Pistorius, stellvertretender Chefarzt am Radeberger Krankenhaus, hat ihn vom Darmkrebs geheilt. © René Meinig

Radeberg. "Und dann bricht das ganze Leben zusammen." Frank Schubbert hatte gerade seine Darmspiegelung am Radeberger MVZ hinter sich gebracht und war wieder zu sich gekommen, da teilte ihm ein Arzt mit, dass er etwas gefunden habe. "Wahrscheinlich ein Tumor. Krebs." Schubberts erster Gedanke habe seiner Frau gegolten. "Ich habe mir Sorgen gemacht, was aus ihr wird", sagt er.

Krebs. Mit diesem einen Wort kamen all die Gedanken: "Wieso ich? Wie lange habe ich noch zu leben? Muss ich sterben? Jetzt gleich? Oder später?"

Frank Schubbert sitzt neben Prof. Steffen Pistorius, als er seine Geschichte erzählt. Pistorius operierte Schubbert wenige Tage nach der Diagnose. Man merkt ihm sofort an, dass er die Emotionen von damals noch genau spürt. Die Angst. Die Ungewissheit. Die Hilflosigkeit.

Diagnose Darmkrebs aus dem Nichts

"Ich war Anfang Januar zum ersten Mal bei der Darmspiegelung", erzählt der Arnsdorfer. Er ist 56 Jahre alt. "Ich hatte mir die Überweisung im vergangenen Jahr von meinem Hausarzt geholt." Seine Frau sei im Jahr zuvor auch bei der vorsorglichen Darmspiegelung gewesen. "Da habe ich mir gedacht, dass ich das auch mal machen muss."

Er habe sich keine großen Gedanken gemacht. "Ich hatte ja keine Beschwerden. Ich hatte kein Blut im Stuhl oder so etwas." Umso heftiger seien dann die Worte des Arztes für ihn gewesen. "Dann hieß es, dass erst einmal das Gewebe genau untersucht werden müsse, bevor Klarheit herrscht." Doch es sei ihm schon kommuniziert geworden, dass es nicht gut aussieht.

Übers Wochenende dann die Ungewissheit. Hat der Krebs gestreut? Wie geht es weiter? Schlaflose Nächte. Ängste, Sorgen, tausend Gedanken. Als schließlich die Ergebnisse vorliegen, war klar: Der Anfangsverdacht hatte sich bestätigt. Frank Schubbert hatte einen fünf Zentimeter großen Tumor im Dickdarm. Er sollte so schnell wie möglich operiert werden.

Frank Schubbert wurde in der Radeberger Asklepios Klinik von Professor Steffen Pistorius operiert. Heute gilt er als geheilt.
Frank Schubbert wurde in der Radeberger Asklepios Klinik von Professor Steffen Pistorius operiert. Heute gilt er als geheilt. © Marion Doering

Heilung durch minimalinvasive Operation

Für Steffen Pistorius war diese Operation ein Routineeingriff. Über 500 Mal hat er diese OP in seinen Jahren als Arzt bereits durchgeführt. Der stellvertretende Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Radeberger Askelpios-Klinik war es aber auch, der Frank Schubbert bei seinem ersten Gespräch die Angst nahm.

"Wir sprechen über Heilung durch die OP, nicht über lebensverlängerte Maßnahmen." Das waren seine Worte. "Und diese Worte haben alles verändert", erinnert sich Frank Schubbert. Auf einmal war da keine Todesangst mehr, sondern Erleichterung. Ein Wechselbad der Gefühle.

"Der Krebs hatte bei Herrn Schubbert nicht gestreut", erklärt Steffen Pistorius. "Grundsätzlich ist Darmkrebs mithilfe von minimalinvasiven Operationen gut heilbar, solange die Lymphknoten nicht betroffen sind oder der Krebs beispielsweise in die Leber gestreut hat." Bei einem Befall der Lymphknoten sei bei vielen Patienten eine Chemotherapie nötig.

Frank Schubbert gilt nun nach der Entfernung des Tumors als geheilt - bei der OP wurden ihm etwa 30 Zentimeter Dickdarm herausgenommen und an den Dünndarm angenäht. Ihm geht es gut. Gleichzeitig treibt es ihn um, dass es soweit kommen musste. "Wäre ich vor ein paar Jahren zur Vorsorge gegangen, wären wahrscheinlich schon routinemäßig Polypen entfernt worden."

Steffen Pistorius stimmt zu: "Aus jedem Polyp wird irgendwann ein Tumor. Und diese Polypen im Darm sind bereits während der Darmspiegelung einfach zu entfernen."

Vorsorgeuntersuchung ab 50 Jahren empfohlen

Professor Pistorius rät Frauen und Männern ab 50 Jahren dringend zur vorsorglichen Darmspiegelung. "Auch ohne Beschwerden", stellt er klar. Frühsymptome, die auf eine Krebserkrankung hinweisen könnten, seien Blut oder Schleim im Stuhl. "Aber auch eine Änderung der Stuhlgewohnheit kann schon ein Symptom sein."

Er berichtet, dass die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen während der Corona-Pandemie drastisch eingebrochen sei. "Das ist ein schwerer Kollateralschaden der Pandemie", sagt er. Nun würden bei entsprechenden Untersuchungen häufiger fortgeschrittene Tumorerkrankungen entdeckt werden.

Grundsätzlich gehöre Darmkrebs zu den häufigsten Krebsarten, "aber er ist auch am besten behandelbar", sagt der Arzt. Es gebe endogene und exogene Faktoren, die zu einer Darmkrebserkrankung führten. "Es ist immer eine Kombination. Bei manchen Patienten liegt eine genetische Prädisposition vor. Aber auch eine ballaststoffarme Ernährung, Alkohol, Rauchen, Übergewicht oder übermäßig viel Konsum von rotem Fleisch tragen zu einem erhöhten Risiko bei."

Ein einfaches Schlafmittel genügt

Auch Frank Schubbert will Werbung für die Vorsorgeuntersuchung machen. "Es ist bei vielen Männern einfach kein gutes Thema", sagt er. "Aber es herrscht auch viel Unwissenheit. Man bekommt ja ein Schlafmittel und keine Narkose. Dann wacht man irgendwann auf und hat überhaupt nichts mitbekommen." Die Darmspiegelung sei überhaupt gar kein Problem.

Doch selbst jetzt, wo er sogar von einem bösartigen Tumor betroffen war und nach der Operation noch eine Woche im Krankenhaus bleiben musste, sei die Bereitschaft zur Darmspiegelung in seinem Bekanntenkreis mitunter überschaubar. "Alle sagen: 'Ich hab' doch nichts.' Aber das habe ich ja auch gedacht. Und dann war es doch Krebs."