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Radeberg
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Neue Gemeinschaftsschule im Rödertal startet schon nächstes Jahr

Noch gibt es zwar kein Gebäude, aber die weiterführende Freie Evangelische Gemeinschaftsschule Radeberger Land will bereits 2024 mit einer 5. und 6. Klasse starten.

Von Siri Rokosch
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Die Freie Evangelische Grundschule Radeberger Land in Großerkmannsdorf soll ab 2024 an einem weiteren Standort in Radeberg zur Gemeinschaftsschule ausgebaut werden.
Die Freie Evangelische Grundschule Radeberger Land in Großerkmannsdorf soll ab 2024 an einem weiteren Standort in Radeberg zur Gemeinschaftsschule ausgebaut werden. © SZ/Siri Rokosch

Radeberg. Im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf steht die Freie Evangelische Grundschule Radeberger Land. Dort wird vom Christlichen Schulverein seit rund einem Jahr die weiterführende Schule geplant.

Inzwischen steht das Konzept in den Grundzügen, der "Feinschliff" hat nun begonnen. Schon im November soll der Antrag für die Freie Evangelische Gemeinschaftsschule Radeberger Land beim Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) gestellt werden.

Um genügend Kinder für die neue zweizügige Schule macht sich die Verwaltungsleiterin keine Sorgen. Für die Grundschule in Großerkmannsdorf melden sich jährlich deutlich mehr Mädchen und Jungen an, als die Schule aufnehmen kann. Es gibt Wartelisten. Neben dem passenden Gebäude für die Gemeinschaftsschule werden noch Pädagogen und Mitgestalter gesucht.

Themen-Klassenzimmer für nahezu alle Fächer

Wie bereits in der Grundschule soll auch in den höheren Klassen die Persönlichkeitsentfaltung der Kinder im Mittelpunkt stehen. Ihnen sollen Wege aufgezeigt werden, um "selbstdenkende Menschen" zu werden, sagt Annett Schenke, die Verwaltungsleiterin und Mitglied im Gründungsteam der Gemeinschaftsschule. "Wir werden die Planarbeit der Grundschule mit der selbstorganisierten Lernzeit an der Freien Evangelischen Gemeinschaftsschule Radeberger Land fortsetzen. Das bedeutet, die Kinder können selbst wählen, wann sie an welchem Fach arbeiten wollen."

Dafür bekommt die Schule themenzentrierte Zimmer für Deutsch, Mathe, Naturwissenschaften, Fremdsprachen und Gesellschaftswissenschaften. Den eigenen Lernplan erstellen die Kinder mit einem Mentor, der sie dabei unterstützt, realistische Ziele zu setzen, Lernzeiten einzuteilen und persönliche Fortschritte zu erkennen und daran anzuknüpfen.

So könnten sich Fünftklässler bei der selbstorganisierten Lernzeit auch schon den Satz des Pythagoras anhören, wenn sie sich dazu bereit fühlen. Die Klassenstufen würden sich dabei vermischen. Sonst bleiben die Kinder im Klassenverbund - also im Idealfall von der 1. bis zur 10. Klasse mit denselben Mitschülern zusammen. Der Unterricht in der Abiturstufe wird sich an dem Kurssystem mit Leistungs- und Grundkursen orientieren.

Freie Freitage für Schulprojekte geplant

Bei dem sogenannten Frei-Day können sich die Mädchen und Jungen außerdem an einem schulfreien Tag mit projektbezogenen Aufgaben befassen. Dabei können sie auch Lernorte außerhalb des Schulgebäudes aufsuchen und sich vor allem mit Themen rund um Nachhaltigkeit befassen, die einen Bezug zu klassischen Unterrichtsfächern haben.

Im Konzept findet sich die Idee einer Ganztagsschule, in der die Kinder nachmittags auch gemeinsam mit ansässigen Vereinen ihre individuellen Gaben ausbauen können. "Wir überlegen, wenn es das Grundstück zulässt, auch Tiere zu halten. Wir wollen mit einer Musikschule zusammenarbeiten, für Gesangsunterricht oder damit die Kinder weitere Instrumente spielen lernen können. Auch mit Sportvereinen sind wir im Gespräch", sagt Annett Schenke, die bereits jahrelang in Coswig die Evangelische Schule leitete. Zudem könnten sich - vor allem in den ersten Jahren - auch die Eltern mit ihren Hobbys und Ideen in die neue Schule einbringen.

Alle Schüler haben die Möglichkeit, ihren Realschulabschluss oder das Abitur zu machen. Da die Schule als Gemeinschaftsschule auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen möchte, wird auch der Hauptschulabschluss angeboten.

Schule ist noch immer auf der Suche nach einem Haus

Im Haus der Grundschule in Großerkmannsdorf ist für die neuen Oberschüler und Gymnasiasten kein Platz. Deshalb wird derzeit nach einem geeigneten Gebäude gesucht, sagt Annett Schenke. "Wir wollen dazu noch nichts weiter sagen. Fest steht, dass die neue Gemeinschaftsschule in Radeberg sein wird und wir Angebote von Privatpersonen haben." Die Stadt Radeberg habe keine geeigneten Häuser, sagt die Verwaltungsleiterin.

Wichtig sei, jetzt Gestalter und Wegbegleiter zu finden, nicht nur Lehrer für die Sekundarstufe 1. "Lehrer alleine trifft es für unser Konzept nicht. Pädagogen für alle Fächer, Sozialpädagogen, Schulbegleiter, Schulassistenten, begleitende Pädagogen, Erzieher. Wir schauen uns die Bewerbungen an und finden gemeinsam das richtige Einsatzfeld", sagt Schenke. Denn durch beim relativ freien Arbeiten der Kinder - auch in kleinen Gruppen - gebe es nicht den klassischen Unterricht von 8 bis 12 Uhr. Die neuen Lehrer würden teils auch am Nachmittag benötigt, aber individuelle Arbeitszeiten, zum Beispiel tageweise, seien möglich.

"Wir wollen vor allem auch künftige Kollegen ansprechen, die unsere Schule mitgestalten wollen. Es ist noch vieles offen in der entstehenden Gemeinschaftsschule." Bewerbungen würden per E-Mail entgegengenommen und auch Eltern, die ihre Kinder an der neuen Gemeinschaftsschule unterrichten lassen wollen, finden auf der Homepage der Freien Evangelischen Grundschule Radeberger Land die passenden Ansprechpartner. Zwar würden die Grundschüler bei der Anmeldung bevorzugt in die weiterführende Schule übernommen werden, da diese aber zweizügig wird, ist noch Platz für mindestens 24 weitere Kinder. Die Klassenstärke liegt bei 22 bis 24 Kindern.

Auch in den Klassen 5 bis 12 soll das "Evangelium weitergelebt werden", sagt Annett Schenke weiter. "Es ist eine evangelische Schule." Das Schulgeld für die höheren Klassen werde mindestens so hoch sein wie jetzt in der Grundschule. Momentan zahlen Eltern monatlich 80 Euro.

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