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Bestes Eisweinwetter

In den späten Abendstunden und bei Minustemperaturen wurde in der Winzergenossenschaft Meissen von Sonntag zu Montag ein besonderer Wein gelesen.

Fleißige Helfer bei der nächtlichen Eisweinlese - die sächsische Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl (l.) und Weinkönigin Katja Böhme (r.) ernten gefrorene Reben des Cabernet Blanc.
Fleißige Helfer bei der nächtlichen Eisweinlese - die sächsische Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl (l.) und Weinkönigin Katja Böhme (r.) ernten gefrorene Reben des Cabernet Blanc. © Norbert Millauer

Julian Wolf

Meißen. Eisweinernte, sie ist möglich. Die Nächte sind tief frostig. Die Sächsische Winzergenossenschaft Meissen las in der vergangenen Sonntagnacht mal wieder Eiswein. Auf etwa 3.000 Quadratmetern der Anbaufläche im Zschailer Weinberg auf der Gabelsberger Straße in Meißen wurden die Beeren der Rebsorte Cabernet Blanc geerntet. Zuvor waren die Rebstöcke mit Netzen abgedeckt und die Beeren zum Einfrieren hängen gelassen worden.

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Um Eiswein ernten zu können, muss der Saft in der Traube gefroren sein. Da am Wochenende die Temperaturen mehrmals in den Minusbereich sanken, konnte mit der Traubenernte begonnen werden. Für die Winzergenossenschaft Meißen handelte es sich hierbei um die erste Eisweinlese seit 19 Jahren.

Um Punkt 21 Uhr war es so weit. Rund zwanzig ehrenamtliche Helfer sowie Mitarbeiter der Winzergenossenschaft versammelten sich bei Dunkelheit und klarem Himmel auf dem Meißner Weinberg. Hier standen schon eine große Feuerschale und Glühwein zum Aufwärmen bereit. Wichtig, denn bei minus zehn Grad Celsius würde man auch bei einer anstrengenden Weinlese nicht so schnell ins Schwitzen kommen.

Kurz nach 21 Uhr wurden dann die ersten blauen Plastiknetze, die über den Rebstöcken hingen, um vor Vögeln und Schädlingen zu schützen, abgenommen. Mit kleinen Astscheren und roten Eimern ausgerüstet, gingen die Mitarbeiter in die Rebzeilen, um die gefrorenen Trauben zu ernten. Zügig, aber dennoch sehr vorsichtig muss der Schnitt passieren und die Traube behutsam in den Plastikeimer gelegt werden. Diese wurden dann auf einem Hänger zum Abtransport ausgeschüttet.

„Die Eisweinlese hat mir schon immer besondere Freude gemacht“, sagt ein Mitarbeiter der Meißner Winzergenossenschaft. „In der Nacht die gefrorenen Trauben anzuleuchten und dann zu ernten, in der Vorfreude auf den besonderen Wein, das ist außergewöhnlich gegenüber einer normalen Weinlese.“

Eine Art Glücksspiel

Dass es am vergangenen Wochenende mit den gefrorenen Trauben und der Eisweinlese überhaupt klappte, machte die Helfer glücklich. Der Erfolg war jedoch nicht sicher vorherzusehen. Die Eisweinlese ist ein wenig Glückssache. Die Temperaturen für einen Eiswein müssen mindestens auf minus sieben Grad fallen. Am sichersten ist Eiswein zu gewinnen, wenn die Trauben mehrere Tage lang gefroren sind. „Wird es im Winter nicht kalt genug, sind die Weintrauben für uns nicht mehr verwertbar und die gesamte geplante Eisweinernte fällt aus“, heißt es von der Winzergenossenschaft Meissen.

Es handelt sich um eine Art Glücksspiel für die Winzer. Ob die Trauben, die im Oktober des vorherigen Jahres hängen gelassen worden sind, genügend Frost abbekommen, kann keiner vorhersehen. In diesem Jahr hat es aber endlich mal wieder funktioniert. Der Geschäftsführer der Sächsischen Winzergenossenschaft, Lutz Krüger, war sichtlich zufrieden: „Den letzten Eiswein haben wir Anfang der 2000er-Jahre gemacht. Damals war es Eiswein aus Riesling, kurz darauf aus Dornfelder.“

In diesem Jahr haben die Winzer und Helfer Cabernet-Blanc-Trauben geerntet - eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte, kurz auch „Piwi“ genannt, die im Jahr 1991 neu gezüchtet wurde. Für die amtierende Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl etwas ganz Besonderes: „Cabernet Blanc zeichnet sich vor allem durch seine filigrane Säure, gepaart mit den schönen Fruchtnoten aus“, sagt Schatzl. „Die Aromen dieses Weines gleichen der Stachelbeere und der Schwarzen Johannisbeere. Im Eiswein sind sie besonders intensiv enthalten.“

Die sächsische Weinprinzessin feierte am Sonntagabend eine Premiere: „Es ist die erste Eisweinlese meiner gesamten Amtszeit. Etwas sehr Aufregendes für mich. Ich bin froh, dass die Temperaturen auch mitspielen“, so Schatzl, die bereits seit 2018 ihr Amt innehat. Auch die amtierende Weinkönigin Katja Böhme war zum ersten Mal bei einer Eisweinlese in Sachsen dabei und ist genauso gespannt, was schließlich aus der Presse kommt.

„Das ganze Wasser in den Beeren kristallisiert beim Frieren. Aus der Weinpresse kommt dann eine Art zuckersüßer Sirup heraus, mit mindestens 70 Gramm Restzucker. Ich bin sehr gespannt, wie der Eiswein schmecken wird und wie viel es dann wirklich gibt“, so Katja Böhme.

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Am Montagnachmittag stand dann das Ergebnis fest. Aus den Weintrauben konnten 350 Liter Most gewonnen werden. Dieser wird nun im hauseigenen Weinkeller der Winzergenossenschaft ausgebaut und von Kellermeisterin Natalie Weich gekeltert.

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