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Wo künftige Fünftklässler lernen wollen

Bei den Anmeldezahlen für Gymnasien und Oberschulen ist in der Region zwischen Radebeul und Radeburg ein interessanter Trend zu beobachten.

Welche Schule die derzeitigen rund 2.000 Viertklässler im Landkreis Meißen nach den Sommerferien besuchen wollen, mussten sie mit ihren Eltern jetzt entscheiden.
Welche Schule die derzeitigen rund 2.000 Viertklässler im Landkreis Meißen nach den Sommerferien besuchen wollen, mussten sie mit ihren Eltern jetzt entscheiden. © dpa

Radebeul. Mittlere Reife oder Abitur? Vor der Frage, auf welcher Schule es nach der vierten Klasse weitergeht, standen über 2.000 Schüler im Landkreis Meißen sowie deren Eltern. Bis Ende Februar mussten sie ihre Entscheidung für Oberschule oder Gymnasium treffen. Nun liegen die vorläufigen Anmeldezahlen vor. Und auffällig ist, dass trotz Bildungsempfehlung für die Schullaufbahn zur Reifeprüfung viele Viertklässler den Besuch einer Oberschule bevorzugen. Sächsische.de hat einen Blick auf die Zahlen geworfen und mit Schulleitern aus dem Dresdner und Meißner Land gesprochen.

Radebeul: Am Gymnasium passt es, Oberschulen haben noch Luft

Dem Lößnitzgymnasium liegen 84 Anmeldungen für die fünfte Klasse im Schuljahr 2021/22 vor. „Wir sind zufrieden“, sagt Jörg Beirich, stellvertretender Schulleiter. Die Anmeldezahlen sind gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben. Zudem muss kein Schüler weggeschickt werden. Maximal 28 Mädchen und Jungen sollen zusammen in einer Klasse lernen. „Das passt. Wir können genau drei Klassen bilden“, informiert Beirich. Und diese sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr als drei Züge pro Jahrgang lässt die Kapazität im Steinbachhaus sowie der Außenstelle im Pestalozzihaus nicht zu. In den Jahren zuvor hatten sich mehr Schüler angemeldet, als aufgenommen werden konnten.

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Die Schulleiterin des Gymnasiums Luisenstift kann derzeit 86 Anmeldungen vermelden. „Die Zahl ist ähnlich wie im Vorjahr“, berichtet Heike Stolzenhain. Wie viele Mädchen und Jungen es bis zum Schulstart werden, kann sie derzeit noch nicht sagen. Nach den Sommerferien 2020 waren 106 Fünftklässler ins Schuljahr gestartet. Nach Zuweisung durch das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) kamen Kinder unter anderem aus der Nachbarstadt Dresden hinzu, weil Schulen dort überfüllt waren.

Mit ihrem Unterrichtskonzept konnte die Kurfürst-Moritz-Oberschule in Boxdorf nicht nur beim Deutschen Schulpreis punkten. Es überzeugt auch Kinder und Eltern, was sich seit Jahren in hohen Anmeldezahlen widerspiegelt.
Mit ihrem Unterrichtskonzept konnte die Kurfürst-Moritz-Oberschule in Boxdorf nicht nur beim Deutschen Schulpreis punkten. Es überzeugt auch Kinder und Eltern, was sich seit Jahren in hohen Anmeldezahlen widerspiegelt. © Norbert Millauer

Beide Oberschulen der Lößnitzstadt haben dagegen weniger Anmeldungen zu verbuchen, als sie Platz bieten können. Sie sind zweizügig ausgelegt, können also jeweils 56 Kinder aufnehmen. Laut Schulverwaltungsamt der Stadt liegen der Oberschule Kötzschenbroda derzeit 31 und der Oberschule Mitte 36 Anmeldungen vor. „Im Vergleich zum Vorjahr sind das ähnliche Anmeldezahlen“, teilte die Stadt mit.

Bis zum Schuljahresbeginn werden auch hier wohl noch einige Mädchen und Jungen hinzukommen. „Wir werden wie in den Vorjahren sicher noch umgelenkte Schüler aufnehmen“, berichtet Roland Bösel, Leiter der Oberschule Mitte. Denn auf den Anmeldeformularen geben die Viertklässler drei Wunschschulen an. Bei der, die auf der Liste oben steht, bewerben sie sich zuerst. Gibt es dort mehr Anmeldungen als vorhandene Plätze, erfolgt eine sogenannte Umlenkung. Sprich, die Schulen an zweiter oder dritter Stelle kommen zum Zuge. Koordiniert wird dies unter anderem durch das Lasub. Erfahrungsgemäß kommen aus Coswig, Moritzburg oder Dresden auf diesem Weg Kinder zu den Radebeuler Oberschulen, wie Bösel berichtet.

Von einem möglichen Zuwachs in den neuen Oberschulklassen geht auch die städtische Schulverwaltung aus. Auf die Frage, ob sie eine Umlenkung von Schülern aus den Nachbarkommunen erwartet, heißt es aus dem Rathaus: „Das müssen wir abwarten. Vermutlich Boxdorf beziehungsweise die Oberschule des Evangelischen Schulzentrums Radebeul werden Schüler abgeben.“

Moritzburg: Kurfürst-Moritz-Oberschule ist in der Region am beliebtesten

Über zu wenig Anmeldungen kann Heiko Vogel, Leiter der Kurfürst-Moritz-Oberschule im Moritzburger Ortsteil Boxdorf, nicht klagen. Im Gegenteil: 101 Kinder wollen ab Sommer von ihm und seinem Lehrerteam unterrichtet werden. 41 von ihnen haben eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium. „Der Anteil ist bei uns traditionell hoch“, sagt der Schulleiter. Denn in seinem Haus wird seit vielen Jahren das Konzept einer Gemeinschaftsschule praktiziert. „Das kommt gut an“, so Vogel. Allerdings so gut, dass auch in diesem Jahr nicht alle angemeldeten Kinder aufgenommen werden können. Nach jetzigem Stand ist für 82 Platz. Kinder aus der Gemeinde Moritzburg und den Ortsteilen sowie diejenigen, deren Bruder oder Schwester bereits in Boxdorf lernen, haben die größten Chancen, aufgenommen zu werden. Bei den anderen entscheidet das Los.

Weinböhla: Privates Gymnasium kann im Sommer in Betrieb gehen

Einen hohen Anteil von Kindern mit einer Bildungsempfehlung für das Gymnasium kann auch die Oberschule in Weinböhla vorweisen. Von den jetzigen 85 Grundschülern, die nach den Sommerferien das altehrwürdige Gebäude an der Sachsenstraße besuchen wollen, haben 25 einen solchen Brief in der Tasche. Durch die coronabedingten Schulschließungen und den Heimunterricht im vorigen und diesem Jahr konnten laut Schulleiter Gregor Nielebock nicht so viele Arbeiten wie in den Vorjahren geschrieben werden. Es gibt weniger Noten, anhand derer die Jungen und Mädchen und ihre Eltern einschätzen können, ob die Leistungen für einen erfolgreichen Gymnasialbesuch ausreichen. „Sie gehen zunächst auf die Oberschule und streben eventuell nach Abschluss der zehnten Klasse das Abitur an“, vermutet Nielebock.

Das Gymnasium Coswig hat im Landkreis Meißen die höchste Anmeldezahl in diesem Jahr.
Das Gymnasium Coswig hat im Landkreis Meißen die höchste Anmeldezahl in diesem Jahr. © Norbert Millauer

Dem Schulstart des privaten Gymnasiums der Schulgesellschaft Rahn Education steht nach den Sommerferien in Weinböhla nichts im Wege. „Uns liegen 52 Anmeldungen vor. So können wir wie geplant zwei Klassen mit 26 Kindern bilden“, berichtet Schulleiter Florian Foltin. 41 Verträge sind bereits unterzeichnet. Rund die Hälfte der Kinder kommt aus der Gemeinde selbst. Darüber hinaus wollen Radebeuler, Meißner, Moritzburger und Coswiger als erster Jahrgang bei der freien Penne mit sportlich-sprachlichem Schwerpunkt Abitur machen.

Coswig: Volles Gymnasium, dagegen wenig Kinder an einer Oberschule

Das Coswiger Gymnasium wird seit Jahren von Anmeldungen überflutet. Und dieser Trend hält weiter an. 142 sind es laut Schulleiterin Kerstin Sachse derzeit. Ob sie Kinder wegschicken muss, hat das Lasub noch nicht entschieden. „Ich weiß noch nicht, ob wir vier oder fünf Klassen bilden werden“, informiert sie. Im Schulhaus wird es von der Kapazität her eng. Immer im Wechsel von Schuljahr zu Schuljahr gibt es entweder fünf oder vier Züge. Letztgenannte Klassenzahl wäre nach den Sommerferien wieder dran. Dann gäbe es allerdings 30 Anmeldungen mehr, als Plätze im Angebot sind. „Es ist nie schön, Kinder wegschicken zu müssen“, sagt Sachse. Momentan ist aber noch nicht entschieden, ob es dazu kommt.

Über mehr Anmeldungen hätte sich Heidi Albrecht gefreut. 28 liegen derzeit der Schulleiterin der Leonhard-Frank-Oberschule in Coswig vor. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es 44. Damit kann sie eine Klasse aufmachen. Albrecht erwartet, dass bis zum Beginn des Schuljahres 2021/22 noch weitere Kinder durch Umlenkungen durch das Lasub nachrücken werden und sie wieder zwei Klassen bilden kann. „Die Entscheidung trifft aber der Dienstherr“, sagt Albrecht.

In der Leonhard-Frank-Oberschule in Coswig wollen im nächsten Schuljahr bislang nur 28 Fünftklässler lernen. Damit gäbe es nur eine Klasse.
In der Leonhard-Frank-Oberschule in Coswig wollen im nächsten Schuljahr bislang nur 28 Fünftklässler lernen. Damit gäbe es nur eine Klasse. © Norbert Millauer

Vor einem Jahr klagte ihr Kollege von der Oberschule Kötitz über Lehrermangel. Doch dieses Problem konnte Schulleiter Mathias Müller beheben. Einen Referendar hat er nach Ausbildungsabschluss als Lehrer eingestellt. Zudem kehren drei Lehrerinnen aus der Elternzeit zurück. „Damit können wir den Unterricht abdecken“, informiert Müller. 51 Anmeldungen für die fünften Klassen hat er bis jetzt. „Ich bin zufrieden. Das sind Zahlen, die wir verkraften können. Zwei Klassen sind gut gefüllt“, sagt Müller.

Radeburg: Oberschule platzt aus allen Nähten

Auf fast gleich hohem Niveau ist der Andrang auf die Heinrich-Zille-Oberschule in Radeburg geblieben. 72 Anmeldungen hat Schulleiter Michael Ufert bislang. Im vorigen Jahr war es eine mehr. Damit kann er wieder drei fünfte Klassen bilden. Das stellt den Direx aber vor immer größere Probleme. Denn die Zahl der Klassen aller Jahrgänge zusammen wächst von 16 auf 17 an. Das verschärft das Raumproblem. „Wir sind bis unter das Dach ausgelastet“, berichtet Ufert. Um alle Schüler unterzubringen, muss die Aula im nächsten Schuljahr als Klassenzimmer dienen. Darüber hinaus werden weitere kleine Zimmer zu Gruppenräumen umfunktioniert.

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Mit der Zille-Stadt hat der Schulleiter bereits Pläne für eine Erweiterung des Schulhauses erarbeitet. Ufert hofft, dass die Bauarbeiten in diesem Jahr starten, damit es zu einer Lösung des Raumproblems kommt.

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