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Wie Austs Neubau voranschreitet

Der Radebeuler Winzer baut ein neues Kellereigebäude hinter das Meinholdsche Turmhaus. Bei manch einem Detail auf der Baustelle wird auch mal geflunkert.

Von Silvio Kuhnert
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Winzer Karl Friedrich Aust steht im Eingangsbereich der neuen Kellerei. Die Wand aus Syenitgestein und mit Türbogen scheint altertümlich zu sein, ist jedoch neu gesetzt, allerdings aus alten und historischen Bauteilen.
Winzer Karl Friedrich Aust steht im Eingangsbereich der neuen Kellerei. Die Wand aus Syenitgestein und mit Türbogen scheint altertümlich zu sein, ist jedoch neu gesetzt, allerdings aus alten und historischen Bauteilen. © Norbert Millauer

Radebeul. Ein Swimmingpool ist es eindeutig nicht, was hinter dem Meinholdschen Turmhaus auf dem Weingut Aust in Radebeul am Entstehen ist. Als zur Grundsteinlegung Ende August dieses Jahres im Gartenbereich an der Hoflößnitzstraße noch eine große Baugrube klaffte, erlaubten sich ein paar Gäste einen Scherz und neckten Winzer Karl Friedrich Aust mit der Frage, wann man denn hier baden könne. Doch statt Wasser füllen Wände aus Ziegeln oder Betonfertigteilen das Loch nun aus.

"Der Rohbau ist in grober Form schon zu sehen", berichtet der Weinbauer bei einem Rundgang über seine Baustelle. Anfang August setzte sich Karl Friedrich Aust selbst an das Steuer des Baggers und bewegte das Erdreich für seine neue Kellerei. Über 36 Meter ist der Neubau lang und um die elf Meter breit. Der Mittelteil steht schon mit Wänden und einschließlich geschlossener Decke. An den beiden Kopfbauten sind die Maurer noch dran. Diese sollen bis kommendes Frühjahr stehen, informiert der Bauherr.

Längere Reifezeit möglich

Sichtlich erleichtert zeigt sich Karl Friedrich Aust, dass vor den besinnlichen Tagen zum Jahresende der Hof zwischen Turmhaus und Villa im toskanischen Stil wieder geschlossen ist. Diesen musste er aufbuddeln lassen, um sämtliche Medien, wie Wasser, Abwasser, Stromkabel etc, für den neuen Weinkeller zu verlegen. Auch eine Edelstahlleitung kam ins Erdreich hinein. Diese verbindet unterirdisch die neue Kellerei, wo sich künftig die Presse, das Tank- und Flaschenlager befinden, mit dem Kellergewölbe unterhalb der Villa. Denn der "alte" Weinkeller wird weiter genutzt. Dieser ist besonders gut für längere Lagerzeiten von drei oder fünf Jahren im Fass geeignet. Seine Feuchte verhindert, dass der Wein im Barrique verdunstet.

Blick vom Norden auf Neubau und Meinholdsches Turmhaus: Der Rohbau der Kellerei soll bis kommenden Frühling fertig sein.
Blick vom Norden auf Neubau und Meinholdsches Turmhaus: Der Rohbau der Kellerei soll bis kommenden Frühling fertig sein. © Norbert Millauer

Dass Austs Weine künftig auch über Jahre reifen können, ist ein Grund für den Neu- und Erweiterungsbau. Denn bislang war der Platz auf seinem Gut arg begrenzt. So lagert ein Großteil seiner Flaschen außerhalb. Zum anderen werden die Produktionsabläufe effektiver und leichter gemacht. Bislang musste Aust mit seinen Mitarbeitern die geernteten Trauben in die Pressen hieven. Rund fünf Tonnen Gewicht stemmten sie so an einem Presstag. Bereits zur nächsten Ernte im kommenden Herbst wollen sie die Weinbeeren vom Nordtor aus sanft über eine Rutsche in die Pressanlage kullern lassen. Die Hangneigung macht es möglich.

Unterschiedliche Dimensionen innen und außen

Das neue Kellereigewölbe schmiegt sich in das in Richtung Premiumlage Goldener Wagen ansteigende Terrain, verschwindet teilweise im Boden. Zwischen der Nordseite des Neubaus und dem Hof des Weinguts beträgt der Höhenunterschied um die 2,60 Meter. Dadurch bekommt der Betrachter völlig verschiedene Eindrücke vom Gebäude. Von der Hoflößnitzstraße meint man, fast auf die künftige Terrasse auf dem Dach des Mittelbaus schauen zu können. Steht man dagegen drinnen, nimmt das Flaschenlager mit einer Deckenhöhe von 4,30 Meter die Dimension einer Kathedrale an. "Hier können wir vier vollbeladene Europaletten übereinander stapeln", sagt Aust.

Die Grundsteinlegung fand Ende August in der Baugrube sowie der Kulisse vom Bismarckturm und Spitzhaus statt.
Die Grundsteinlegung fand Ende August in der Baugrube sowie der Kulisse vom Bismarckturm und Spitzhaus statt. © Norbert Millauer

Dass der heutige Winzer einmal Steinmetz gelernt hat und unter anderem an der Dombauhütte in Köln tätig war, wird an einer Wand im südlichen Kopfbau, dem künftigen Haupteingang zur Kellerei, sichtbar. "Hier ist die letzte Mauer des alten Kellers", flunkert Aust. Und der Zuhörer ist geneigt, ihm zu glauben, scheinen doch, der Türbogen aus der Renaissance sowie die Syenitsteinmauer Geschichte zu atmen. Doch beides hat Aust erst geschaffen, wobei er Steine aus der Grundstücksmauer, die entlang der Hoßlößnitzstraße nur teilweise wieder aufgebaut wird, sowie einen alten Bogen verwendete.

Über eine Million Euro Baukosten

Zwischen den Resten der Türeinfassung habe er schon als Kind gespielt, erinnert sich Aust. In Einzelteile zerlegt, lagerte der Bogen wie andere historische Bausteine auf dem denkmalgeschützten und imposanten Weingut mit dem Meinholdschen Turmhaus, das bereits der Künstler Adrian Zingg um 1780 auf einer Grafik verewigte. Wie der Türbogen sollen auch die anderen Elemente aus vergangenen Zeiten eine neue Bestimmung in dem Kellereigebäude bekommen.

Die Zeichnung illustriert, wie sich der Kellereineubau (l.) in das Ensemble des Meinholdschen Turmhauses entlang der Hoflößnitzstraße einfügt.
Die Zeichnung illustriert, wie sich der Kellereineubau (l.) in das Ensemble des Meinholdschen Turmhauses entlang der Hoflößnitzstraße einfügt. © Weingut Aust

Vier Architekten wirkten mit mehreren Überlegungen am Entwurf des Kellereigewölbes mit. Dankbar ist Aust auch dem Bauamt der Lößnitzstadt. Deren Mitarbeiter empfahlen den Neubau vom historischen Gebäudeensemble etwas weiter wegzurücken, um vom Garten aus die Sichtachse gen Westen mit Minckwitzschem Weinberghaus, Friedensburg und Wasserturm zu erhalten.

Die Bauarbeiten gehen im neuen Jahr weiter. Ende Februar 2022 will Aust sein Flaschenlager in den Neubau verlegen, im April den ersten Jahrgang abfüllen. Das Holz für die Pergola der Dachterrasse ist bereits im Wald geschlagen. Auf dem Dach möchte der Winzer künftig seine Gäste bewirten. Für diese werden bereits die nächsten Konzerte geplant. In der kommenden warmen Jahreszeit wird es wieder Veranstaltungen der Weinbergskultour und der XJazz Edition Radebeul auf dem Weingut geben. Über eine Million Euro investiert Aust in den Kellereineubau. Über die Baustelle möchte er auch wieder Führungen anbieten.

www.weingut-aust.de