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Das Licht erlischt in Zeithainer Kerzenfirma

Der Betrieb im ehemaligen Rohrwerksgelände soll geschlossen werden. Was sind die Gründe?

Die Zeithainer Kerzenfabrik soll Ende Februar 2021 schließen.
Die Zeithainer Kerzenfabrik soll Ende Februar 2021 schließen. © Sebastian Schultz

Zeithain. Es ist nach wie vor ein Geheimtipp. Wer besondere oder preiswerte Kerzen haben möchte, der sollte ins Zeithainer Industriegebiet fahren. Dort hat die K.C.B. Candle & Scent GmbH einen Werksverkauf eingerichtet. Doch nun ist bekanntgeworden, dass der Betrieb mit seinem kleinen Laden schließt.

Das bestätigt Prokuristin Natalia Margert. Am 28. Februar 2021 sollen die Lichter in der Zeithainer Kerzenfabrik ausgehen. Für immer. Das hätten die Gesellschafter aufgrund negativer wirtschaftlicher Zahlen entschieden, antwortet sie knapp auf eine Anfrage der Sächsischen Zeitung.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Für zehn Mitarbeiter werden diese Weihnachten eher sorgenvolle Feiertage, nicht nur wegen Corona. Sie müssen sich eine neue Arbeit suchen. Eine Hiobsbotschaft mitten im Advent, der eigentlich zur umsatzstärksten Zeit im Jahr zählt.

Dass in Zeithain zu wenig Kerzen verkauft wurden, daran habe es nicht gelegen, versichert Natalie Margert. Möglicherweise hängt die Schließung der Kerzenfabrik mit der generell schlechten Lage in der Branche zusammen. Denn auch bei den Herstellern von Kerzen machen sich die Corona-Pandemie und der damit verbundene Verschönerungstrend in den heimischen vier Wänden bemerkbar - allerdings auf sehr verschiedene Weise.

Schlechtes Jahr für Kirchen-Lieferanten

Kerzenhersteller, die breit aufgestellt sind und etwa Gartencenter oder große Einzelhandelsketten beliefern, für die laufe es recht gut, sagt Stefan Thomann, der Geschäftsführer der European Candle Association (ECA), des Verbands der Kerzenhersteller mit Sitz in Stuttgart. Wer dagegen hauptsächlich Kirchen oder kleine Geschäfte wie etwa Floristen zu seinen Kunden zähle, der habe die Krise voll zu spüren bekommen. "Da sind Umsätze massiv eingebrochen", so Thomann.

Am Ende des Jahres insgesamt knapp unterhalb des Vorjahres herauszukommen, sei noch möglich, prognostizierte Thomann Ende November. Da war vom Lockdown in Sachsen und den verschärften Regeln in anderen Bundesländern noch keine Rede. Wie unter diesen Bedingungen das diesjährige Weihnachtsgeschäft verläuft, ist noch nicht absehbar.

Schon 2019 sei kein gutes Kerzen-Jahr gewesen, sagt der ECA-Geschäftsführer. Selbst der Herbst, in dem viele sich normalerweise langsam auf die ruhige, besinnliche Zeit einrichten, sei zu warm und zu sommerlich gewesen. Das trifft auch auf diesen Herbst zu. Der November 2020 war der Wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

Vor allem in der Vorweihnachtszeit haben Kerzen Hochkonjunktur.
Vor allem in der Vorweihnachtszeit haben Kerzen Hochkonjunktur. © dpa/Christin Klose

Wie viele Kerzen pro Jahr in Deutschland verkauft werden, lässt sich nur annäherungsweise sagen. Laut Europäischem Statistikamt wurden 2019 hierzulande knapp 63.000 Tonnen Kerzen im Wert von rund 143 Millionen Euro produziert, etwa 9.000 Tonnen weniger als 2018. Verrechnet man das mit Import und Export, kamen rund 171.000 Tonnen Kerzen auf den Markt, rund 10.000 Tonnen weniger als im Jahr davor.

In diesem Jahr habe das Wetter eher eine untergeordnete Rolle gespielt, sagt Thomann. Bestimmend sei eindeutig Corona gewesen. Baumärkten und Gartencentern hatte die Pandemie zeitweise eine große Nachfrage beschert, weil viele Menschen ungewohnt und teilweise wohl auch ungewollt viel Zeit zu Hause verbringen mussten. "Die Leute machen es sich schön zu Hause", sagt Thomann. Das habe sich zumindest in Teilen auch beim Kerzenabsatz gezeigt.

Noch kein Nachmieter für Zeithainer Halle

Demgegenüber stünden die zwangsweise geschlossenen Geschäfte im Frühjahr und die oft noch viel schärferen Beschränkungen im Ausland. "Ikea hatte über Wochen seine Filialen geschlossen", so Thomann. "Das spielt ins ganze Jahr mit rein."

Ob die Pandemie die Branche dauerhaft verändere, lasse sich wohl erst am Ende der Saison sagen. "Was aber klar zu sehen ist: Es werden höherwertige Kerzen gekauft", sagt das ECA-Geschäftsführer. Ob diese Aussage wirklich zutrifft oder nur Wunschdenken ist, bleibt abzuwarten.

Fakt ist, dass die Billigkonkurrenz aus Asien den europäischen Kerzen-Herstellern nach wie vor zusetzt. Das ist wohl eher der Grund, warum die Zeithainer Kerzenfabrik Ende Februar schließen muss. Wie Prokuristin Natalia Margert informiert, sei noch kein Nachmieter für die Produktionshalle im ehemaligen Rohrwerksgelände gefunden. (mit dpa)

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